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13. Oktober 2007, 12:11 Uhr

Freisprüche nach Tod im Boot-Camp

Der Fall sorgte für Aufsehen in den USA, und auch das Urteil sorgt für Aufruhr: In einem Erziehungslager war der 14-jährige Martin Lee Anderson von Aufsehern so verprügelt worden, dass er starb. Nun wurden alle acht Angeklagten freigesprochen.

Die Mutter (M.) des verstorbenen 14-Jährigen Martin Lee Anderson wird nach dem Urteilsspruch getröstet© Robert Cooper/AP

Nach dem Tod eines Jugendlichen in einem Erziehungslager in Florida sind sieben ehemalige Aufseher und eine Krankenschwester vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden. Ein Gericht in Panama City kam zu dem Schluss, der Tod des Jugendlichen im Januar 2006 sei nicht unmittelbar auf Misshandlung zurückzuführen.

Das Urteil löste heftige Proteste aus. Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude brandmarkten die Freigesprochenen als Mörder und kritisierten die Geschworenen.

Der 14-jährige Martin Lee Anderson wurde wegen Diebstahls in das sogenannte Boot Camp eingewiesen, das wie ein militärisches Trainingslager geführt wird. Auf einem 30-minütigen Video war zu sehen, wie er von den angeklagten Aufsehern geschlagen und getreten wurde, nachdem er bei sportlichen Übungen zusammengebrochen war. Die Männer zwangen ihn dann, zur Wiederbelebung Ammoniak zu inhalieren, wobei die Krankenschwester zusah. Der Junge starb einen Tag nach dem Vorfall in einem Krankenhaus.

Die Verteidigung erklärte, die Aufseher hätten geglaubt, der Junge täusche Unwohlsein vor, um sich vor den Übungen zu drücken. Sein Tod sei die Folge einer vorher nicht diagnostizierten Bluterkrankung gewesen, die bei körperlichem Stress den Sauerstofftransport der Blutzellen behindere. Dem schlossen sich die Geschworenen nach nur 90-minütiger Beratung an.

Die Mutter des Jungen schrie auf, das Urteil sei ungerecht. Ihr Anwalt Benjamin Crump sagte zu Journalisten: "Wenn man einen Hund tötet, kommt man ins Gefängnis. Wenn man einen schwarzen Jungen tötet, passiert nichts." Der Fall, insbesondere die Veröffentlichung des Videos, hat in Florida eine hitzige Debatte über Erziehungslager für jugendliche Straftäter ausgelöst.

"Rassistisch und verbohrt"

Dem Sturm der Entrüstung nach dem Urteil schlossen sich auch regionale Politiker an. "Nur 90 Minuten Beratungen über das Leben eines Kindes", kritisierte die demokratische Senatorin Frederica Wilson, dies sei "rassistisch, diskriminierend und verbohrt". Justizbeamte des Bezirks Nord-Florida sowie das Justizministerium in Washington kündigten eine Überprüfung an. In einem Zivilverfahren hat sich der Staat Florida bereits mit der Familie des Jungen auf die Zahlung von fünf Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) Entschädigung geeinigt.

Melissa Nelson/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Katharina77 (14.10.2007, 02:17 Uhr)
...
Ich habe diese Gerichtsverhandlung verfolgt (TV) und es war grausam mit anzusehen wie sich diese DrillSGT's aus der Affaere ziehen mit med. Gutachten. Der Rassismus gegenueber Schwarzen ist leider immer noch an der Tagesordnung in den USA. Bootcamps ist auch eine widerliche Erfindung und diese Gerichtsentscheidung setzt dem ganzen mal wieder die Krone auf. Von den Medien in den USA mal ganz zu schweigen, da dreht sich jeder Sender seine eigene Geschichte daraus.
sausewindxxl (13.10.2007, 20:43 Uhr)
Das Land des Herrn Bush!
In dem Amerika des Herrn Bush darf man anscheinend fröhlich prügeln, foltern und sogar morden ohne jegliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Wichtig scheint nur zu sein, es auf Staatliche Anweisung hin zu tun oder zumindest nicht "schwarz" zu sein!
salz63 (13.10.2007, 19:30 Uhr)
Unsinnige Nazivergleiche
Für den Deutschen ist scheinbar alles böse immer gleich "Nazi", dabei ist es völlig unsinnig hier mit Nazi oder SA-Vergleichen zu kommen. Das System Bootcamp ist das Problem, ob die Aufseher die dort Kinder und Jugendliche, wegen Dingen die hier Bagatelldelikte wären, schikanieren um deren Willen zu brechen weiße Nazis, lateinamerikanische Hilfsarbeiter, birkenstocktragende Hippie-Soziologen oder afroamerikanische Juden sind ist völlig unerheblich.
salz63 (13.10.2007, 19:25 Uhr)
@gelegenheitsposter
Gehen sie doch mal zur Türkischen Botschaft in Berlin und schlagen sie denen vor, das "Türk" aus dem Namen zu entfernen...
Dieser Drang nach "political correctness" ist übrigens auch so ein amerikanisches Phänomen: Man sagt nicht mehr "Nigger", wählt einen "neutralen" Begriff, behandelt die Menschen aber weiter so wie vor der Umbenennung und wenn das auffällt, wird nach ein paar Jahren wieder der Begriff geändert...
salz63 (13.10.2007, 19:19 Uhr)
@2rixakatze
Bei aller Liebe zum aufgeregten Dummschwätzen in der Art der Nachmittäglichen Talkshowteilnehmer. Man muß diese Bootcamps sicher nicht gut finden, aber ein Bootcamp ist was anderes als ein KZ, das Gegenteil zu behaupten zeugt von Unwissen oder Dummheit.
Die hier im Artikel beschriebenen Umstände sind für sich betrachtet schlimm genug. Der völlig unpassende Vergelich hilft da nichts sondern wirkt entweder nur dumm populistisch, weil die Übersteigerung völlig daneben ist. Oder er verharmlost den Charakter der KZs als Vernichtungslager mit Millionen Toten.
IndianerJoe (13.10.2007, 17:50 Uhr)
Scham
Die im Artikel beschriebenen Bootcamps sind eine Schande. Die im Artikel beschriebenen "Ausbilder" sind nichts anderes als Nazis, in Deutschland könnte jedes Kind sie als prügelnden SA-Dreck identifizieren. Die größte Schande von Allem aber ist ihr Freispruch...
.
@ampola:
Ich erkläre mich mit ihrem "getürktem Wahlsieg" solidarisch, glaube aber, dass es der Wahrheit wegen (9/11) an dieser Stelle Formulierungen bedürfte, die zu gebrauchen ich nicht wage.
davehaasters (13.10.2007, 17:05 Uhr)
...
Ich bin echt sowas von froh, ein deutscher zu sein. bootcamps, wie sie in amerika geführt werden, wären hier (bzw sind hier) grundgesetzwidrig bis in die spitzen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" - Aber wer sein Kind in so ein Camp schickt hat sowieso nicht alle Tassen im Schrank.
johnquinn (13.10.2007, 16:58 Uhr)
@ gelegenheitsposter
Als Linguist kann ich dir sagen, dass der Begriff "getürkt" in keiner Weise problematisch oder gar bedenklich ist. Informiere dich bitte erst über die Etymologie eines Wortes, bevor gleich die Gutmenschen-Keule rausgeholt wird.
amapola (13.10.2007, 16:06 Uhr)
@gelegenheitsposter
Nobody is perfect.
Aber ich benutze nur Formulierungen und keine Schlagstöcke. Worte können zwar weh tun, aber sie töten nicht.
antwone (13.10.2007, 15:56 Uhr)
Money Rulez ...
Bleibt zu hoffen übrig das dieses Geld dafür verwendet wird weitere (schwarze) Jugendliche vor solchen Bootcamps zu schützen und nicht für das "wohlergehen" der Familie.
 
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