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Was kann man Donald Trump überhaupt glauben?

Die Bilanz nach 75 Tagen Donald Trump im Amt des US-Präsidenten ist ernüchternd. Trump gibt sich keine Mühe, seinen Beifall heischenden Charakter zu verstecken, mit dem er ein Leben lang durchkam. Wie wird die Welt damit umgehen?

Donald Trump

Donald Trump - ein US-Präsident, dem Beifall für seine Person wichtiger ist als Glaubwürdigkeit im Amt.

"Politik vollzieht sich in Sprache", hat der SPD-Grande Erhard Eppler einmal formuliert. Es ist ein einfacher Satz, den auch ein Donald Trump verstehen müsste. Seine ersten drei Monate im Weißen Haus lassen allerdings den Schluss zu, dass er den tieferen Sinn dieses Eppler-Zitats nicht erfasst hat. Denn nur persönliche Glaubwürdigkeit erlaubt es einem Politiker, mit Sprache Politik zu gestalten. Und an dieser Stelle ist Trump total blank. Auf der Glaubwürdigkeit-Skala demokratischer Regierungschefs markiert er einen Tiefpunkt, und das ist für die Supermacht Amerika brandgefährlich.

Innenpolitisch hat er bislang mit ein paar Federstrichen unter seinen Dekreten versucht, den Eindruck von Entschlossenheit zu vermitteln. Ob, was und wann irgendetwas aus seinem Wahlkampf-Katalog umgesetzt werden kann, ist weitgehend offen. Die meisten seiner glühenden Anhänger verzeihen es ihm. Gerissenheit, Instinkt und immer bereit, die Wahrheit zu entkernen – für viele sind es gerade solche Eigenschaften, die den Präsidenten attraktiv und durchsetzungsstark erscheinen lassen. Aber wenn man Glaubwürdigkeit als inneren Kompass versteht und nicht als Instrument des politischen Marketings, dann lässt sich mit Blick auf den Immobilien-Milliardär nur feststellen: Er weiß nicht, wo sein magnetischer Norden ist.

Donald Trump hat sich in eine Falle geschossen

Es geht schließlich nicht nur darum, in den Augen der eigenen Wähler verlässlich zu erscheinen. Für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ist es mindestens ebenso von Bedeutung, gegenüber Verbündeten und auch Gegnern glaubhaft aufzutreten. Doch die wähnen sich in einer politischen Achterbahn, so schnell, wie Trump seine Erkenntnisse über den Haufen wirft, je nachdem, wer gerade souffliert, was er gerade liest oder im Fernsehen verfolgt. Beispiel Syrien: Der Giftgasangriff habe seine Einstellung gegenüber dem syrischen Diktator Assad sehr stark geändert, bekannte er im Garten des Weißen Hauses. Dazu bedurfte es offenbar jener herzzerreißenden Bilder von Kinderleichen, die der Gasattacke zum Opfer gefallen sind.

Dass Assad ein gewissenloser Schlächter ist, hätte Trump allerdings schon seit Jahren erkennen können. Dennoch propagierte Trump schon während des Wahlkampfes den neuen amerikanischen Isolationismus: Strategisches Desinteresse als künftige außenpolitische Spielform. Allein die Syrer sollten über Assads Zukunft entscheiden. Nun hat er sich zu dem Luftschlag hinreißen lassen, ob aus purer Emotion oder auf Grund schlechter Umfragewerte. Weit gedacht haben er und seine Berater nicht. Was soll eigentlich geschehen, wenn Assad weiterhin Giftgas einsetzt? Der nächste US-Raketen-Angriff würde Russland und Iran endgültig zur Solidarität mit Assad zwingen. Der amerikanische Präsident hat sich unter ungewohntem Beifall vieler seiner Gegner in eine Falle geschossen.

Ein geschlossener Warenkreis der Unwahrheiten

Trump wäre aber nicht Trump, wenn er seine 180-Grad-Wende nicht auch gleich wieder als Ausweis von Charakterstärke deklariert hätte: Er habe "noch nie eine erfolgreichen Person gesehen, die nicht ein gewisses Maß an Flexibilität aufwies", erklärte er dem staunenden Publikum. Politische Entscheidungsträger im Rest der Welt sind jedenfalls zutiefst irritiert. Es erscheint als Albtraum, mit Donald Trump international bindende Vereinbarungen treffen zu müssen. Der amerikanische Präsident rumpelt durch die Weltpolitik wie durch ein Spiegelkabinett: suchend, ohne Wegweiser, von Zufälligkeiten getrieben, aber von sich selbst überzeugt: "Ich neige dazu, Recht zu behalten. Ich bin instinktiv, und ich bin jemand der weiß, wie das Leben funktioniert", vertraute er vor kurzem dem "Time"-Magazin an.

Sprunghaftigkeit aber ist für die stärkste Militärmacht der Welt kein gutes Programm. Die Tagesform entscheidet also, politische Kategorien wie Geradlinigkeit und Verlässlichkeit spielen eine untergeordnete Rolle. Diese Mangelerscheinung hat auch viel damit zu tun, dass der US-Präsident höchstpersönlich dem Begriff Fake News zu internationaler Karriere verholfen hat. Seitdem ist Glaubwürdigkeit nur noch ein Spielball der Perspektiven. Wenn der Präsident etwas behauptet, dann ist das richtig, weil er der Präsident ist. Denn theoretisch kann er ja auf schier unerschöpfliche Informations-Ressourcen zurückgreifen. Stattdessen aber zitiert er konservative Medien, die seine Behauptungen ungeprüft verbreitet haben, wiederum als Beleg für die Richtigkeit seiner Aussagen. Das ist ein schöner, geschlossener Warenkreis, in dem Unwahrheiten zirkulieren und obendrein durch das ethisch aufgeladene Amt ihres Urhebers vergoldet werden.

Ansprüche passen nicht zu Trumps persönlichem Profil

Es ist wie eine – hoffentlich vorübergehende – Enteignung: Donald Trump raubt seinem geliehenen Amt den Respekt vor der Glaubwürdigkeit. Darauf konnte sich die Welt einigermaßen verlassen, auch wenn vorige Administrationen immer wieder damit Schindluder getrieben haben. Trump hingegen hat oft genug deutlich gemacht, dass er auf die gleiche hemdsärmelige Art und Weise, mit der er seine Unternehmen groß gemacht hat, auch Amerika groß machen will. Allerdings passen die ethischen und politisch-strategischen Ansprüche, die an den Schreibtisch-Inhaber im Oval Office gestellt werden, so gar nicht zu Trumps persönlichem Profil. Es handelt sich um einen Beifall heischenden Egomanen, der mit einer ordentlichen Portion Überheblichkeit meistens ans Ziel gekommen ist. Fazit nach 70 Lebensjahren: Alles richtig gemacht. Weiter so!

Die Welt wird also mit den wechselnden Einsichten des Donald Trump leben müssen. Und der wird auch künftig jede Übersprungshandlung im Nachhinein als strategische Raffinesse verkaufen.

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