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Luftangriffe auf Air Base: Viel Lob für Trumps Syrien-Attacke - aber wo ist sein Plan?

Der Start von US-Präsident Donald Trum geriet zum Debakel. Doch mit seinem Luftangriff auf Syrien gewinnt er selbst für hartnäckige Kritiker an Statur. Trotzdem bleiben Fragen: Wie soll es weitergehen? Hat Trump überhaupt eine Strategie?

Donald Trump

Was hat Donald Trump vor?

Der Kontrast war krass. Bevor Präsident Donald Trump seinen Befehl zu einem US-Militärschlag in Syrien gab, hatten die meisten Medien fast nichts Gutes über seine Regierungsführung zu sagen. Während die Römer die Menschen mit Brot und Zirkus glücklich gehalten hätten, "haben wir bisher nur den Zirkus erhalten", schrieb beispielsweise Fareed Zakaria vom Sender CNN noch kürzlich. Nach dem Abfeuern der Tomahawks als Vergeltung für Baschar al-Assads mutmaßlichen Giftgasangriff kamen andere Töne.

"Ich denke, Donald Trump ist letzte Nacht Präsident der Vereinigten Staaten geworden", meinte Zakaria. Auch von anderen Medien "floss Lob wie Champagner bei einer Hochzeit", hieß es in der "Washington Post". Und alles, was er dafür habe tun müssen, "war, einen Krieg anzufangen", zitierte das Blatt einen Washingtoner Podcaster.

Aber warum ein Militärschlag zumindest kurzzeitig einen solchen Umschwung bewirkt, ist nur einer von mehreren Aspekten, der zum Nachdenken anregt. Nach den schrecklichen Bildern von Kindern nach einem Giftgasangriff in Syrien sei es schwer, keine "emotionale Befriedigung" über den Raketenangriff zu verspüren, kommentierte etwa die "New York Times". Aber es sei auch schwierig, sich nicht über die vielen Fragen zu beunruhigen, die Trumps Aktion aufwerfe.

Hans-Ulrich Jörges' Klartext: Trumps Weg in den Krieg

Trump wollte sich doch raushalten aus Syrien

Darunter die folgende: War es eine emotionale, spontane, isolierte Aktion ohne eine breitere Strategie, das komplexe Dilemma in Syrien zu lösen? Mit anderen Worten: Wie geht es mit dem Trumpschen Syrien-Kurs weiter? Wenn es denn einen solchen gibt.

Trump hatte noch 2013 Präsident Barack Obama in getwitterten Großbuchstaben vor einer Intervention in Syrien als Vergeltung für einen Giftgasangriff mit mehr als 1000 Toten gewarnt. "Wir sollten uns, zum Teufel noch mal, aus Syrien raushalten (...) WAS WERDEN WIR FÜR UNSERE LEBEN UND MILLIARDEN DOLLAR BEKOMMEN?

NULL", schrieb Trump.

Und weder im Wahlkampf noch danach hat Trump Syrien an sich eine Priorität eingeräumt: Diese gilt erklärtermaßen dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat - nicht einer wie auch immer gearteten Lösung des Syrien-Konflikts, nicht einer Vertreibung Assads von der Macht.

Also jetzt doch eine Kursänderung? 

Das hat auch US-Außenminister Rex Tillerson am Sonntag noch einmal bekräftigt. Offensichtlich bestrebt, Interpretationen des Luftangriffs als grundsätzliche Kursänderung Trumps einen Riegel vorzuschieben, betonte er: Erst wenn der IS geschwächt oder besiegt sei, werde man sich direkt der Stabilisierung der Lage in Syrien zuwenden. Einer politischen Lösung, die am Ende das syrische Volk in die Lage versetzen werde, "über Assads Schicksal zu entscheiden".

Aber eine klare Ansage war das auch nicht, denn praktisch zu selben Zeit sagte Trumps UN-Botschafterin Nikki Haley, Assads Entfernung von der Macht sei eine Priorität, wenn auch eine von mehreren. Und: "Wir sehen keine politische Lösung mit Assad dort." Noch wenige Tage vor dem Militärschlag hatte Haley verkündet, Assads Vertreibung habe keine Priorität mehr, und Trumps Sprecher Sean Spicer legte nach: Es sei nötig, die "politische Realität" auf dem Boden zu akzeptieren. Also jetzt doch eine Kursänderung? Fernsehkommentatoren kratzten sich am Sonntag ratlos am Kopf.

Ein angekündigtes Medienbriefing zur US-Aktion hatte Spicer am Freitag abgesagt, vermutlich, so argwöhnten einige der wenigen offenen Kritiker des Militärschlages, um Bilder für sich sprechen zu lassen. Von einem Präsidenten, dessen Gesicht und Stimme offenbar tiefe menschliche Betroffenheit und Entrüstung über den qualvollen Giftgastod von Kindern widerspiegelten. Von Explosionen, Rauch und Trümmern auf dem beschossenen syrischen Stützpunkt, die doch zeigten, wie stark und entschlossen dieser Präsident ist - kein Weichei wie sein Vorgänger Obama, der 2013 nicht gehandelt hatte.

Was ist jetzt mit dem Einreisestopp

Aber das hat mit Strategie nichts zu tun. Bisher deutet eher alles darauf hin, dass Trump aus Instinkt und wohl auch Emotionen gehandelt hat - und nicht auf der Basis eines Konzepts, das über die Nacht der Operation hinausreicht. "Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass Herr Trump die Implikationen der Anwendung militärischer Gewalt durchdacht oder eine Vorstellung davon hat, wie es weitergehen soll", kommentierte die "New York Times". "Die Raketen abzufeuern, war der einfache Teil. Das große Problem ist, was als nächstes kommt", meint auch Greg Jaffe von der "Washington Post" mit dem Hinweis, dass Pläne für etwaige Militäraktionen schon seit 2013 in den Pentagon-Schubladen gelegen hätten.

Damals hatte Trump Obama auch noch eindringlich davor gewarnt, ohne Zustimmung des Kongresses zu handeln. Er selber hatte aber jetzt keine Probleme damit, am Kapitol vorbei zu agieren - ein Vorgehen, das seine Abkehr von seiner isolationistischen "America First"-Doktrin noch "atemberaubender" mache, schrieb etwa die "Los Angeles Times". "Amerika zuerst" heißt soviel wie, den eigenen Interessen absoluten Vorrang einzuräumen. Trumps Vorgehen am Freitag, so meinen manche, unterstreicht vor allem eines: Dass dieser Präsident unberechenbar ist - vielleicht eine Abschreckung für Terroristen oder feindliche Regierungen, aber auch nicht gerade beruhigend für das eigene Land.

Am Samstag ging Trump in Florida golfen - in dem ungewohnten Wissen, dass er diesmal nicht nur bei unbeirrbaren Fans gepunktet hat. Aber die ersten Medien stellen schon die Frage: Was nun? Und wie es Trump denn jetzt mit seinem - vorerst gerichtlich blockierten - befristeten Einreisestopp für syrische Flüchtlinge halten will, darunter Mütter und Kinder? Dazu kam aus dem Weißen Haus bisher nur Gestottere. 

jen/Gabriele Chwallek,DPA