Die Naivität der Josephine M.

28. Juni 2013, 09:45 Uhr

Femen-Aktivistin Josephine M. landete wegen ihres barbusigen Protests in Tunesien im Gefängnis. Nach ihrer Freilassung hat sie sich zu Aktion und Haft geäußert - und einiges an Naivität offenbart.

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Hat nach ihrer Freilassung eine Pressekonferenz in Paris abgehalten: Josephine M., Studentin aus Hamburg©

Die 20-jährige Philosophiestudentin Josephine M., die als Femen-Aktivistin unter dem Namen Josephine Witt auftritt, entblößte vor dem Justizpalast in Tunis ihre Brüste für die Rechte von Frauen. Die Aktion brachte sie und zwei Mitstreiterinnen für einen Monat in ein tunesisches Gefängnis. Ursprünglich zu vier Monaten Haft verurteilt, wurde die Gefängnisstrafe im Berufungsverfahren zur Bewährung ausgesetzt. Zurück in Europa hat sich M. zu ihren Erfahrungen in Tunesien geäußert.

Vor allem von den Konsequenzen ihrer Aktion zeigte sie sich überrascht: Mit einer Verhaftung hatten die Aktivistinnen nicht gerechnet. "Nein, das war nicht so geplant", sagte M. "Wir sind davon ausgegangen, dass wir aus dem Land ausgewiesen werden, wie es beispielsweise schon in der Türkei passiert ist. Vor allem haben wir nicht damit gerechnet, weil wir immer dachten, dass Tunesien ein fortschrittliches demokratisches Land ist."

Leiden für die Freiheit der Frau

Dass die Aktion von liberalen Bevölkerungsteilen und sogar von tunesischen Feministinnen als kontraproduktiv kritisiert wurde, kann M. nicht nachvollziehen. "Wir sind eine friedliche Organisation, die für Menschenrechte einsteht", sagte M. "Unsere Werte, die wir verteidigen, sind die Gleichheit, die Freiheit der Frau. Das sind universelle Werte. Das möchte ich nicht auf den Kulturkreis beschränken."

Die kulturellen Unterschiede bekam sie dann am eigenen Leib zu spüren. Die Bedingungen im tunesischen Gefängnis waren eine große Belastung für M. und ihre beiden französischen Mitstreiterinnen. "Es war diese Abgeschnittenheit, die am Schlimmsten war für uns. Weil wir keinen Kontakt zur Außenwelt hatten und wir die ganze Zeit gehofft haben, dass irgendetwas bei uns ankommt", sagte M. "Es ist aber nur ganz wenig bei uns angekommen und nicht nur Wahres."

Ein anderes Problem waren die hygienischen Zustände in der Gemeinschaftszelle. "Unter denen haben wir sehr gelitten und unter denen leiden wir immer noch. Unsere Körper müssen sich davon erholen, was wir durchgemacht haben", sagte M. Das Essen für die rund 30 Gefangenen in ihrer Zelle sei in Eimern serviert worden. Überall habe es Kakerlaken gegeben. Der physische und psychische Druck sei jeden Tag größer geworden. Nur aus Sorge um ihre Gesundheit hätten die drei Aktivistinnen vor Gericht Reue gezeigt. "Wir wussten, wenn wir länger als einen Monat geblieben wären, hätten sie uns komplett zerstört", sagte M. über die Haftbedingungen.

"Wir konnten nicht so frei sprechen"

Dass sie bei der Aktion "Fuck your morals" (etwa: "Zum Teufel mit Eurer Moral") gerufen hatten, erklärte Josephine M. mit dem Schicksal der inhaftierten Aktivistin Amina, zu deren Freilassung die "Femen"-Aktion beitragen sollte: "Das ist der bekannte Spruch, mit dem Amina bekanntgeworden ist." Dennoch betonten die drei Aktivistinnen im Prozess immer wieder, es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Gefühle der tunesischen Bevölkerung zu verletzen. "Ich glaube, es ist auch jedem klar, dass wir vor dem Gericht ganz bewusst unsere Worte gewählt haben - weil wir natürlich wussten, dass jedes unserer Worte auf die Goldwaage gelegt werden wird", sagte M. "Deswegen konnten wir nicht so frei sprechen."

Trotz der Erfahrungen, die sie in Tunis machen musste, zieht M. eine positive Bilanz ihrer Aktion: "Ich sehe jetzt hier, was es für Wellen geschlagen hat und was für Diskussionen sie angeregt hat. Deswegen würde ich allein schon sagen, der Protest ist alle Mühe wert gewesen."

Ob sie so eine Aktion noch einmal machen würde, konnte M. allerdings nicht sagen. "Das ist eine Frage, die sich schwierig beantworten lässt, weil ich noch nicht weiß, wie weit ich darüber hinweg bin, was in Tunesien alles passiert ist."

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