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10. Dezember 2008, 13:09 Uhr

Schüler starb offenbar durch Querschläger

Der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos, dessen Tod die Krawalle in Griechenland ausgelöst hatte, ist möglicherweise doch einem Unfall zum Opfer gefallen. Einem ballistischen Gutachten zufolge wurde der Schüler von einem Querschläger getroffen. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, ein Polizist habe den Jungen gezielt in die Brust geschossen.

Alexandros Grigoropoulos, Grigoropoulos, Griechenland, Unruhen, 15-Jähriger, Athen

Am Rande einer Demonstration während des Generalstreiks in Athen flammten die gewaltsamen Proteste wieder auf© Lefteris Pitarakis/AP

Der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos ist einem ballistischen Gutachten zufolge bei der Konfrontation mit einer Streifenwagenbesatzung am Samstag von einem Querschläger aus der Dienstwaffe eines Polizeibeamten tödlich getroffen worden. Das teilte ein Anwalt der beiden Polizisten, Alexis Cougias, am Mittwoch in Athen mit.

Das Gutachten stütze die Angaben der Beamten, dass sie Warnschüsse abgegeben und nicht direkt auf den Jugendlichen gezielt hätten. Das Untersuchungsergebnis wurde zunächst nicht von den Behörden veröffentlicht. Einer der beiden Polizisten ist des Mordes, sein Kollege der Mittäterschaft beschuldigt worden.

Unterdessen ist es am Mittwoch während des Generalstreiks in Griechenland erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Die Randalierer lösten sich aus einer friedlichen Demonstration von mehr als 15.000 Menschen heraus und warfen mehrere Molotow-Cocktails und Steine auf die Polizei vor dem Parlamentsgebäude. Die Polizei setzte massiv Tränengas und Schlagstöcke ein, um die rund 300 Randalierer auseinanderzutreiben, wie Augenzeugen berichteten.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob sich die Lage in Griechenland am Mittwoch etwas entspannen würde. Es sei sie ruhigste Nacht seit Ausbruch der Ausschreitungen am Samstagabend gewesen, berichtete der staatliche Rundfunk. "Seit 2 Uhr früh hatten wir keinen Zwischenfall", teilte die Polizei in Athen mit. Auch in Thessaloniki und der Hafenstadt Patras beruhigte sich die Lage. Viele Läden, deren Schaufenster und Fassaden zerstört wurden, blieben aber auch am Mittwoch noch geschlossen.

Das Land kam dennoch nicht zur Ruhe. Wegen eines Generalstreiks, der schon vor Ausbruch der Krawalle ausgerufen worden war, kam es seit dem frühen Morgen zu Beeinträchtigungen im Verkehrsbereich. Bis Mitternacht wurden alle Flüge gestrichen, weil die Fluglotsen streiken. Die Reisenden waren jedoch vorgewarnt, und Fluglinien hatten bereits seit Tagen keine Buchungen mehr angenommen, so dass es auf den Flughäfen kein Chaos gab.

Zudem blieben am Mittwoch die Schulen und die Ministerien geschlossen. Hotels und Taxis wurden dagegen nicht bestreikt. Die Gewerkschaften wenden sich damit gegen die Lohnpolitik und Reformen im Rentensystem der konservativen Regierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis.

Mehrere Tausend Demonstranten in Athen

Um die Mittagzeit versammelten sich mehrere Tausend Demonstranten im Zentrum Athens und forderten außer besseren Löhnen auch die Bestrafung der Verantwortlichen für den Tod des 15-Jährigen am Samstag. "Wir wollen keine Polizeigewalt. Die Verantwortlichen müssen hart bestraft werden", skandierten die Demonstranten.

Die Opposition fordert inzwischen den Rücktritt von Karamanlis, dessen Regierung im Parlament nur die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme hat. "Die Regierung kann die Krise nicht bewältigen, und sie hat das Vertrauen des griechischen Volkes verloren", erklärte der sozialistische Parteichef Georgios Papandreou.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
ganzbaf (11.12.2008, 10:31 Uhr)
Gezielter Querschläger?

Warnschüsse haben immer deutlich in die Luft zu erfolgen. Gerade wegen der Querschlagsgefahr.
Das wissen und lernen auch Polizisten ganz genau.
.
Eine unordentliche Ordnung gehört abgeschafft...;-Pp
Dirk_37 (11.12.2008, 09:58 Uhr)
@Pamela
Natürlich der Anwalt, der hat schließlich Akteneinsicht! Ich habe bereits gesagt das im Falle der Schuld der Polizist hart bestraft werden soll. Allerdings habe ich schon vor drei Tagen gefragt was passiert, wenn seine Version die Richtige ist??? Offensichtlich scheint dies der Fall zu sein. Wenn man von den bekannten Dauerzweiflern hier absieht könnte man behaupten, eine unabhängige Staatsanwaltschaft ermittelt. Aber das war irgendwie vorhersehbar: wäre es ein gezielter Schuß gewesen, wäre es "eh klar". So aber kann es nur eine großangelegte Verschwörung sein im Sinne des faschistoiden Polizeistaats!
Traurig, sowas mitten in Europa. Bin wahrlich kein Obrigkeitsfanatiker aber Ordnung muß sein. Die Krawallos nutzen die Situation bereits zu Raubzügen aus; spätestens jetzt muss die Polizei mit aller Härte durchgreifen, will man sich nicht der Anarchie beugen! MfG Dirk
manesse (10.12.2008, 18:53 Uhr)
@sethus calvisius
Ich habe nicht verlangt, dass die Polizei mit - wie Sie schreiben - "aller Gewalt" gegen die Randalierer vorgeht. Man kann den Schutz der Bürger auch anders organisieren - durch defensive Konzepte. Im übrigen sind politische Maßnahmen nötig. Es müssen die Besonneneren unter den Demonstranten von den Randalierern separiert werden. Das geht durch politisches Agieren. Das Verhängen von Ausgangssperren gehört hier ebenso dazu wie Deeskalierungs- und Beschwichtigungsmaßnahmen bspw. durch die Einsetzung eines Runden Tisches. Es kann nicht hingenommen werden, dass die Leute aufeinander losgehen. Es muss eine zivilisierte Krisenbewältigung her. Bislang hat man nicht den Eindruck, dass die griechische Regierung in der Lage ist, eine Deeskalierung durch ein sorgfältiges Krisenmanagement zu bewerkstelligen. Die Exekutive versagt doch eklatant und bringt das Land noch an den Rand des Bürgerkriegs.
Pamela_1971 (10.12.2008, 18:28 Uhr)
Sehr spärliche Infos...
Also, der Anwalt des Täters ist als Quelle für eine so weit reichende Behauptung ja doch etwas dürftig. Wer - außer dem Anwalt - hat das Ergebnis dieser ballistischen Untersuchung denn nun konkret bestätigt bzw. publiziert? Aus dem ganzen Artikel gehen auffälliger Weise herzlich wenig Details über diese Studie hervor... gleichzeitig suggeriert aber die Überschrift, dass der Fall praktisch geklärt sei - und das allein aufgrund einer bloßen Behauptung des Anwalts, der nun ja wahrlich nicht als unparteiisch eingestuft werden kann, und der das Ergebnis einer solchen Studie natürlich IMMER zu Gunsten seiner Mandanten interpretieren wird.
.
Was soll das...?!
manesse (10.12.2008, 17:12 Uhr)
Eine Regierung,
die selbst nach Tagen eine solch brutale Randale nicht in den Griff bekommt, hat keine Autorität. Sie muss zurücktreten und den Weg zu vorgezogenen Neuwahlen freimachen. Der Bürger hat einen Anspruch auf das Gewaltmonopol des Staates.
horst.pachulke (10.12.2008, 17:06 Uhr)
@ jsbach:
"Nicht nur in Griechenland, auch bei uns gibt es eine winzige, radikale Minderheit von Leuten, die einen tiefsitzenden, blinden Haß auf den freiheitlichen, demokratischen Staat und seine Gesellschaft haben"

Bis hierhin dachte ich, Sie schrieben von den Neocons und ihren Sicherheitshysterikern. Denn auch für diese gilt:
"Sie sind weder fähig noch willens, die Problemursache bei sich selbst bzw. den Ideologen zu suchen,die diesen sinnlosen Haß predigen."

Denn bei der anderen Seite ist nicht "die Gesellschaft" schuld, sondern nur "der Mensch", der "halt einfach so ist".

Die Betonköpfe gibt es auf allen Seiten. Das sollte man nicht vergessen.

makira (10.12.2008, 16:46 Uhr)
Tja
Was brauch man schon Augenzeugen wenn man ein Gutachten haben kann. Ein Gutachten!!! Am Besten noch mit Stempel!!
Malt (10.12.2008, 16:44 Uhr)
@jsbach
Und wie lautet Ihr Lösungsansatz? Die Armee im Inneren einsetzen und jede Demo mit Maschinengewehren flankieren? Stimmt, ist ja ein altes, freiheitlich-demokratisches Mittel um alle in eine konforme Meinung zu zwingen und Gewalt vorzubeugen *kopfschüttel*
NeuerMensch (10.12.2008, 16:37 Uhr)
@vegefranz
Aus einem aktuellen Artikel des SPIEGEL-ONLINE:
.
"Viele Bürger denken ähnlich wie die Anarchos - sie halten die Eliten ihres Landes für unfähig und korrupt"
jsbach (10.12.2008, 16:22 Uhr)
Blinder Haß
Nicht nur in Griechenland, auch bei uns gibt es eine winzige, radikale Minderheit von Leuten, die einen tiefsitzenden, blinden Haß auf den freiheitlichen, demokratischen Staat und seine Gesellschaft haben. Die sogenannten Autonomen verhalten sich wie starrköpfige Barbaren, die die Zivilisation ablehnen. Sie sind weder fähig noch willens, die Problemursache bei sich selbst bzw. den Ideologen zu suchen, die diesen sinnlosen Haß predigen. Leider gibt es jedoch viele brave Bürger, die das simple Erklärungsmuster akzeptieren, die "Gesellschaft" sei an diesen Gewaltausbrüchen schuld. Das einzige, was man der "Gesellschaft" vorwerfen kann ist, daß sie viel zu nachsichtig auf die provozierende Gewalt reagiert und ihre Grundwerte nicht entschieden verteidigt. Es gibt aber absolut keine Rechtfertigung für die sinnlose Gewalttaten, die solche Chaoten verüben.
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