Video offenbart Gewalt syrischer Rebellen

6. September 2013, 20:25 Uhr

Brutale Erschießung von Wehrlosen: Die "New York Times" veröffentlicht ein Video, das einen seltenen Einblick in die Kriegsmethoden der Rebellen zeigt. Für Obama sind die Aufnahmen besonders brisant. Von Alexander Sturm

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Erschießung von Gefangenen: Laut "New York Times" richteten syrische Rebellen diese Soldaten Assads im vergangenen Frühjahr hin©

Wenn der Westen auf den Syrien-Konflikt blickt, neigen nicht wenige zu einer klaren Haltung: Hier das Assad-Regime, das das eigene Volk terrorisiert und dabei nicht einmal vor dem Einsatz von Chemiewaffen zurückschreckt. Dort die Rebellen, die das Land von dem Diktator befreien wollen. Dass die Realität vielschichtiger - und ernüchternder - ist, zeigt nun ein erschütterndes Video, das die "New York Times" nach eigener Aussage von einem ehemaligen Rebellen zugespielt bekam. Die Aufnahmen, die aus dem April 2012 stammen, zeigen die grausige Hinrichtung von sieben syrischen Soldaten, die in die Gewalt der Aufständischen gerieten.

Zu sehen sind Rebellen, die lässig hinter ihren gefesselten und auf dem Boden kauernden Opfern stehen. Offenbar wurden die Soldaten gefoltert, ihre nackten Rücken sind mit roten Striemen übersät. Kurz vor der Erschießung spricht der Anführer einen düsteren Vers: "Seit 50 Jahren ist Syrien vom Niedergang geprägt, seit 50 Jahren sind sie die Verbündeten der Korruption. Da ihr weder Glaube noch Moral habt, schwören wir dem Herrn des Throns, dass dies unser Eid ist: Wir werden Rache nehmen, unser Schwur verbindet uns. Ihr werdet mit doppelt so viel Blut bezahlen wie wir, und Tag für Tag wird das Blutvergießen weiter gehen."

Dann schießt er einem Gefangenen mit einer Pistole in den Kopf, die übrigen Rebellen feuern ebenfalls ab. Die Leichen werfen sie in ein Erdloch.

Aufnahmen kommen für Obama zur Unzeit

Das Video, das im Moment der Erschießung zensiert ist, zeigt, dass bei weitem nicht alle Rebellen mit ehrbaren Motiven gegen Assad kämpfen und manche in ihrer Brutalität dem Regime in Nichts nachstehen. So werden Teile der Aufständischen von religiösen Extremisten unterstützt, andere paktieren offen mit Terroristen wie al Kaida. In dem seit mehr als zwei Jahren andauerndem Konflikt ist das Land zu einem unübersichtlichem Schlachtfeld geworden, auf dem verschiedenste Truppen mit unterschiedlichsten Interessen Krieg führen.

Für die US-Regierung, die auf dem G20-Gipfel in St. Petersburg um Unterstützung für einen Militärschlag gegen Assad wirbt, sind die Aufnahmen brisant. In Russland hatte Präsident Obama bekräftigt, notfalls ohne eine Mandat der UN einzuschreiten, sollte Russland weiter eine Resolution im Sicherheitsrat blockieren. Vor dem amerikanischen Kongress hatte Außenminister John Kerry gesagt, dass eine "echte moderate Opposition in Syrien existiert". Von den 70.000 bis 100.000 Rebellen seien lediglich 15 bis 20 Prozent Extremisten. Die US-Regierung versucht, die moderaten Rebellen zu unterschützen und die Extremisten zu isolieren.

Bei dem Erschießungstrupp handelt es sich laut "New York Times" um Getreue des 37-jährigen Abdul Samad Issa, dem rund 300 Kämpfer unterstehen sollen. Laut einem ehemaligen Rebellen, der der Zeitung die Aufnahmen zugespielt hat, soll Issas Vater bei einem Massaker getötet worden sein. Demnach hat der Rebellenführer das Video anfertigen lassen, um seinen Unterstützern seinen Kampf gegen Assad zu demonstrieren. Offenbar wollte er so Spenden eintreiben.

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