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6. November 2009, 21:59 Uhr
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Neda, die Tapfere

Erstmals hat sich die Mutter von Neda Agha-Soltan, deren Tod bei den Demonstrationen im Iran zum Symbol des Widerstands wurde, an die Öffentlichkeit gewandt. Sie gibt erschütternde Einblicke in den Schmerz der Hinterbliebenen und berichtet voller Liebe von ihrer Tochter. Von Sebastian Huld

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Das Gesicht von Neda ist ein Symbol des iranischen Protestes geworden© Jason DeCrow/AP

Sie hat es vielleicht kommen sehen. Die junge Frau, die die ganze Welt nur unter ihrem Vornamen Neda kennt, berichtete ihrer Mutter am Morgen vor ihrem Tod von einem Traum: "Da ging ein Krieg vor sich und ich war an der Front." So erzählt es Hajar Rostami, die sich über den amerikanischen Nachrichtensender CNN erstmals nach dem Tod ihrer Tochter an die Öffentlichkeit gewandt hat. "Ich hatte sie gebeten, sehr vorsichtig zu sein."

Mehr als vier Monate ist es her, dass sich die Augen der Welt auf den Iran richteten, wo die die Proteste gegen das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen brutal niedergeschlagen wurden. Die 26-jährige Neda Agha-Soltan ist zum Symbol dieser Bewegung geworden. Am 20. Juni 2009 wurde die junge Frau nach einer Protestkundgebung mitten auf der Straße erschossen. In den Augen der iranischen Oppositionellen ist Neda eine Märtyrerin, eine Frau, die für Freiheit und Vaterland starb.

Weit über die Grenzen des Iran hinaus steht ihr Gesicht für den Mut der Verzweiflung, mit dem das iranische Volk den Repressionen seines Regimes trotzt. Ihre Geschichte zeugt von der willkürlichen Gewalt gegen friedliche Bürger, mit der Präsident Mahmud Ahmadinedschad und die Mullahs ihre Macht zu erhalten suchen.

Tiefer Schmerz

In einem Telefon-Interview erzählte Nedas Mutter den CNN-Reportern in ihrer Muttersprache Farsi vom Leid ihrer Familie. "Dieser Schmerz wird niemals aufhören", sagte Hajar Rostami mit leiser und freundlicher Stimme. Zugleich wollte sie sich für die weltweite Anteilnahme bedanken: "Ich weiß gar nicht, wie ich all den Menschen danken soll. Deshalb bitte ich Sie, finden Sie die richtigen Worte für mich!", wandte sich die Frau an die Reporter. "Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr uns das geholfen hat."

Am Tag als Neda starb, waren die Unruhen auf Teherans Straßen besonders intensiv. Immer wieder kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den Demonstranten einerseits und den Sicherheitskräften und den Freiwilligen Ordnungshütern, den militanten Basidsch-Milizen, andererseits. Die Demonstranten kamen spontan auf bestimmen Straßen und Plätzen zusammen. Wenn die Sicherheitskräfte und Milizen anrückten, löste sich die Menschenmenge auf, um kurz darauf wieder in einer Parallelstraße zusammenzufinden.

"Mach dir keine Sorgen"

Neda nahm gemeinsam mit ihrem Musiklehrer an den Protesten teil. Immer wieder rief sie ihre Mutter zu Hause an, die an diesem Tag entschieden hatte, zu Hause zu bleiben, und hielt sie auf dem Laufenden: "Mama, überall gibt es Zusammenstöße! Überall sind die Polizisten und Milizen." Die Luft war erfüllt von Tränengas, Neda wollte zur nächsten Klinik, um sich die Augen auswaschen zu lassen. "Meine Augen brennen furchtbar", rief sie in ihr Handy.

Zwanzig Minuten später rief Neda wieder an, erinnert sich ihre Mutter: "Sie sagte, sie sei jetzt auf dem Heimweg. Ich solle mir keine Sorgen machen." In ihren blauen Jeans, dem Schwarzen Sweatshirt und den weißen Turnschuhen lief sie zu ihrem Auto, das in der Nähe geparkt war. "Es ist ihr gar nicht in den Sinn gekommen, dass irgendetwas anders laufen könnte", sagt Hajar Rostami.

Seite 1: Neda, die Tapfere
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