Ahmadinedschad feuert einzige Frau im Kabinett

27. Dezember 2012, 18:34 Uhr

Sie nahm kein Blatt vor den Mund und musste jetzt gehen - Irans Gesundheitsministerin wurde von Präsident Mahmud Ahmadinedschad gefeuert. Zuvor hatte sie die Arbeit ihrer Kollegen heftig kritisiert.

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Irans Präsident mahmud Ahmadinedschad führt seit August 2005 die politischen Geschäfte des Iran©

Irans Kabinett besteht wieder nur aus Männern. Präsident Mahmud Ahmadinedschad entließ am Donnerstag die einzige Ministerin. Wahid Dastdscherdi, die seit 2009 das Gesundheitsressort leitete, stolperte über Kritik an ihren männlichen Kollegen. Sie warf ihnen Unfähigkeit bei der Bereitstellung von Geldern für den Import lebenswichtiger Medikamente vor. Vergangenen Monat hatte sie in einer Fernsehansprache gesagt: "Medizin ist wichtiger als Brot. Ich habe gehört, dass Luxusautos mit subventionierten Dollars importiert wurden, aber ich weiß nicht, was mit den Dollars geschehen ist, die für den Import von Arzneimitteln vorgesehen waren."

Wahid Dastdscherdi hatte außerdem gegen den Willen des Präsidenten eine Preiserhöhung für Medikamente gefordert. Die höheren Preise hielt sie wegen eines gestiegenen Wechselkurses des US-Dollars zum iranischen Rial und wegen der wirtschaftlichen Sanktionen westlicher Länder für notwendig. Zuletzt hatten iranische Behörden gestiegene Herstellungskosten für Medikamente beklagt.

Kurz nach der Entlassung der Ministerin trat der Präsident der medizinischen Fakultät Teherans, Bagher Laridschani, zurück. Vor ihrer Entlassung hatte Wahid Dastdscherdi kritisiert, die Regierung übe Druck auf Laridschani aus, um ihn zu dem Schritt zu drängen. Der Fakultätsleiter ist der Bruder von Parlamentspräsident Ali Laridschani und des Leiters der Justizbehörde, Sadegh Laridschani, die Ahmadinedschad wegen seiner politischen und wirtschaftlichen Positionen offen kritisieren.

34 Jahre Politik fast ohne Frauen

Wahid Dastscherdi war die erste und bisher einzige Ministerin seit Gründung der Islamischen Republik 1979. Obwohl politisch konservativ, plädierte die Gynäkologin für eine stärkere Rolle von Frauen in der Gesellschaft. Ahmadinedschad ernannte Mohammed Hassan Tarikat zu ihrem kommissarischen Nachfolger.

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Berichte von Engpässen bei Arzneimitteln gegen Krebs, Multiple Sklerose und Blutkrankheiten. Die Regierung begründet dies in der Regel mit den Auswirkungen der Sanktionen durch die USA und die Europäische Union.

ono/Reuters/AFP
 
 
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