Nordkorea präsentiert "Schlachtplan auf dem amerikanischen Kontinent"

29. März 2013, 15:30 Uhr

Es war sicherlich kein Zufall, dass Nordkoreas Staatsmedien dieses Foto verbreiteten: Machthaber Kim Jong Un versetzt die Raketen in Alarmbereitschaft - und im Hintergrund hängt eine brisante Karte.

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Eines der Fotos von Kim Jong Uns Dringlichkeitssitzung mit Spitzen des Militärs. Im Hintergrund sieht man deutlich eine Karte und einen großen Wandbildschirm.©

Die Nachricht an sich war schon Besorgnis erregend genug: Nach der Entsendung von zwei US-Tarnkappenbombern nach Südkorea hat Nordkorea seine Raketen für Angriffe auf US-Ziele in Bereitschaft versetzt. Machthaber Kim Jong Un habe diese Entscheidung bei einem nächtlichen Treffen mit den Spitzen der Armee getroffen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Zusammen mit der Meldung verbreitete KCNA auch zwei Fotos des Spitzentreffens, die bei genauem Hinsehen brisante Details offenbaren und wohl ein klares Signal an die USA sein sollen: Eines der Bilder zeigt Kim - offenbar in einer militärischen Kommandozentrale - mit vier ranghohen Offizieren, im Hintergrund ist eine militärische Landkarte zu erkennen. Ihr Titel lautet: "Schlachtplan der strategischen Kräfte auf dem amerikanischen Kontinent". Eingezeichnete Linien stellen offenbar die geplanten Flugbahnen der Raketen dar.

Eine weitere Karte im Hintergrund der Bilder zeigt offenbar die aufgezeichneten oder vorhergesagten Bewegungen der Siebten Flotte der US-Marine im Pazifik. Ebenfalls zu sehen ist ein großer Wand-Bildschirm, der Auskunft über die Ausstattung der nordkoreanischen Marine gibt: "U-Boote: 40, Angriffsschiffe: 13, Minenabwehr-Schiffe: 6".

Experten bezweifeln Nordkoreas Angriffsfähigkeit

Plant Nordkorea also tatsächlich einen Militärschlag gegen die Vereinigten Staaten von Amerika? Kim sagte laut KCNA, im Falle einer "rücksichtslosen" Provokation seitens der USA müssten Nordkoreas Streitkräfte "erbarmungslos das US-Festland und Militärstützpunkte auf den Pazifik-Inseln Guam und Hawaii sowie deren Stützpunkte in Südkorea angreifen". Der Machthaber bezog sich mit seiner Drohung auf die Entsendung zweier atomwaffenfähiger Tarnkappenbomber vom Typ B-2 nach Südkorea durch die USA am Donnerstag.

Experten bezweifeln allerdings, dass Nordkorea ein solcher Angriff über tausende Kilometer überhaupt gelingen würde. Der Nordkorea-Experte von der Dongguk-Universität in Südkorea, Kim Yong Hyun, erklärte zudem, die Drohungen aus Pjöngjang dürften nicht so gedeutet werden, dass ein Krieg "unmittelbar bevorsteht". Es handele sich um eine "erwartete" Reaktion des Nordens auf die Entsendung der B-2-Bomber durch die USA.

Südkorea und die USA befürchten dennoch, Nordkorea könne andere militärische Provokationen unternehmen. Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militärkreise, an den Raketenstützpunkten in Nordkorea seien auffällig rege Bewegungen von Fahrzeugen und Soldaten zu beobachten. Raketenstarts als Provokation seien nicht ausgeschlossen. Bereits am Dienstag hatte Pjöngjang angeblich die Sondereinheiten seiner gesamten Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

Moskau befürchtet Teufelskreis

Russland warnte nach der erneuten Eskalation in der Krise vor "militärischen Muskelspielen". Die Lage könne außer Kontrolle geraten, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag der Agentur Interfax zufolge. Mit Sorge sehe Moskau die militärischen Handlungen in der Region. "Das führt zu einem Teufelkreis", warnte Lawrow. Die Spannungen dürften nicht dazu genutzt werden, geopolitische Fragen in der Region mit Kriegsmitteln zu lösen. Die Anstrengungen müssten sich vielmehr auf einen Dialog richten. Auch China rief am Freitag alle Staaten auf, in einer "gemeinsamen Anstrengung" die Spannungen abzubauen.

Die Spannungen in der Region nahmen zuletzt wieder deutlich zu, nachdem Pjöngjang als Reaktion auf die Verschärfung von UN-Sanktionen nach einem unterirdischen Atomtest den Nichtangriffspakt mit dem Süden aufgekündigt hatte. Zuvor hatte Nordkorea den USA bereits mit einem atomaren Erstschlag gedroht.

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