Thailand hat ein neues Parlament gewählt und wird wohl mit Yingluck Shinawatra erstmals eine Premierministerin bekommen. Ihr Bruder Thaksin, umstrittener Ex-Regierungschef, sagt im Interview mit stern.de, wie er gedenkt, aus seinem Exil Einfluss zu nehmen.
Das hoffe ich sehr, aber wer kann schon voraussagen, ob ich zurückkehren darf. In Thailand ist die Politik unvorhersehbar.
Freunde hatten mich gewarnt, dass es zum Coup kommen könnte. Ich wollte das natürlich nicht glauben, meinem Land ging es ja gut. Als ich für zehn Tage im Ausland unterwegs war, unter anderem bei der Generalversammlung der UN in New York, ist es passiert.
Vor meinem Amtsantritt als Außenminister 1994 hatte ich ein Vermögen von 2,2 Milliarden Dollar, die Zahl stammt übrigens vom Magazin Forbes. 1,4 Milliarden hat die Regierung mir dann weggenommen. Eine Milliarde Dollar konnte ich behalten. Heute bin ich ärmer als vor meinem Einstieg in die Politik.
Das liegt vor allem an den Aktienkursen, die damals in Thailand sehr schnell gestiegen sind. Mein Vermögen ist nicht schneller gewachsen als der Aktienindex. Alle Anschuldigungen sind nichts als Halbwahrheiten.
Wir haben uns um einen außen stehenden Kandidaten bemüht, doch viele haben sich nicht getraut. Ich wollte eigentlich niemanden aus meiner Familie aufstellen, aber es gab sonst keine passenden Kandidaten. Und meine Schwester war die ideale Wahl, sie ist politisch nicht vorbelastet, unter ihr kann die Versöhnung des Landes beginnen ...
Sie ist eine erfolgreiche Managerin und Geschäftsfrau und kann sehr gut mit Menschen umgehen. Mit dem Wort "Klon" meine ich, das wir den gleichen Gencode teilen. Yingluck hat in meiner Firma gearbeitet, ich habe sie trainiert, sie kümmert sich bis heute um unsere Familiengeschäfte.
Ich werde sie nicht kontrollieren. Aber meine Anhänger erwarten meinen Input, ich darf sie jetzt nicht im Stich lassen. Die Menschen kämpfen für mich. Und sie vermissen mich.
Das ist meine Idee von Politik.
Die Menschen in Thailand müssen lernen, den Willen des Volkes zu akzeptieren. Das gilt besonders fürs Militär. Nur so kann der Versöhnungsprozess beginnen. Sonst können wir gleich auf Wahlen verzichten und die Verfassung abschaffen. Wir werden weiter für Demokratie und Gerechtigkeit kämpfen!
Es gibt ein Foto von damals. Als in Bangkok demonstriert wurde, war ich mit meiner Tochter bei Louis Vuitton in Paris shoppen. Ein Terrorist bei Louis Vuitton? Das ist lächerlich, nichts als politisch motivierte Anschuldigungen der Regierung.
Ich bin auf dem Land geboren, ich komme doch selbst aus dem Nichts. Meine Wurzeln habe ich nicht vergessen, auch nicht zu meiner Regierungszeit. Außerdem habe ich eine Menge für die Menschen getan. Trotz meines Vermögens fühle ich mich nicht wie ein Teil der Elite, ich bin ein Thai.
Wer mich hasst, ist falsch informiert. Ich war zu beliebt. Vor mir ist noch nie ein Premierminister wiedergewählt worden. Und es gab einflussreiche Strippenzieher im Hintergrund, die falsche Informationen über mich verbreitet haben, gegen die ich nichts unternehmen konnte.
Ich traue mich nicht, der Krone Vorschläge zu machen. Aber sie weiß, was zu tun ist.
Bei den Aufständen 1992 ist der König aufgestanden und hat die Krise beendet ...
Ja, das ist vielen Menschen bis heute in Erinnerung geblieben. Und sie hatten gehofft, dass der König jetzt wieder eingreift. Doch vielleicht fühlte er sich nicht gut, vielleicht weil er im Krankenhaus lag.
Die Gerichte haben sehr schwere Strafen verhängt, manche Menschen sind sogar härter bestraft worden als Mörder. Das will auch Seine Majestät nicht, das hat er mir zu meiner Zeit als Premierminister selbst gesagt. Man kann nicht ständig mit der Eisernen Faust zuschlagen, ich habe den Fehler selbst gemacht.
Das stimmt nicht!
Die haben ihre Informationen von den Zeitungen abgeschrieben, vor allem aus der "Nation", die sich die Zahlen komplett ausgedacht hat. Die haben einfach jeden Toten aus der Zeit mitgezählt.
Es gab damals ungefähr hundert Tote, aber keine außergerichtlichen Erschießungen. Die meisten Toten sind den Drogenhändlern zum Opfer gefallen, die ihre Spuren verwischen wollten. Ich habe nie angeordnet, jemanden erschießen zu lassen.