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10. April 2008, 15:58 Uhr

Der Dalai Lama ist kein Unschuldsengel

Chinesen greifen friedlich protestierende Tibeter an - diese Bilder haben sich bei vielen ins Gedächtnis eingebrannt. Dabei sind die angeblich sanften Buddhisten nicht ganz unbeteiligt an den Tumulten, ihr Oberhaupt, der Dalai Lama, ist kein Unschuldsengel. Adrian Geiges über ein Missverständnis.

Zoom

Bedingungslose Verehrung für einen erfolgreichen Diplomat - den Dalai Lama© Jeff Chiu/AP

Noch niemand hat mir vorgeworfen, ich würde in China etwas beschönigen. Sowohl im stern als auch in meinem neuen Buch schreibe ich kritisch über die Verhältnisse dort. Aber mich ärgert die einseitige Sicht auf Tibet bei vielen im Westen. Wir vom stern haben davon erzählt, und auch die anderen Korrespondenten-Kollegen berichteten: Nach einigen Tagen friedlicher Proteste zündeten aufgebrachte tibetische Jugendliche in Lhasa chinesische Geschäfte und Restaurants an, verbrannten Ladenbesitzer bei lebendigem Leib, verfolgten Passantinnen auf der Straße und steinigten sie, weil sie Chinesinnen waren oder wie solche aussahen. Das ist rassistische Gewalt und durch nichts zu rechtfertigen.

Trotzdem herrscht bei vielen Menschen im Westen der Eindruck: "DIE Chinesen" greifen "DIE Tibeter" an. Woher rührt dieses Missverständnis?

Ein Dalai Lama ist nicht von vornherein gut

Ein Grund ist die Idealisierung des Dalai Lama und der Tibeter. Kurden oder Basken erfahren nicht so viel Sympathie. Die Tibeter seien aufgrund ihrer Religion ausnahmslos sanfte und gewaltlose Menschen, glauben viele. Auch die brutalen Ausschreitungen scheinen dieses Bild nicht zu erschüttern. Zu Recht wird darauf verwiesen, dass Chinas Führung die Menschenrechte der Tibeter verletzt. Leider verletzt sie auch die Menschenrechte ihrer anderen Untertanen, vor allem der Han-Chinesen selbst.

Weshalb also einfache Chinesen verprügeln und ermorden, die selbst Opfer dieser Politik sind? Weil die Chinesen Tibet "überfremden", heißt es dann, ein Ausdruck, der uns entsetzen würde, ginge es um Türken in Deutschland. Die angeblich sanften Buddhisten griffen während der Unruhen auch Hui-Muslime an und zerstörten Moscheen.

Kein Paradies auf Erden

Ein Dalai Lama ist nicht von vornherein gut, wie ein Blick auf die Vorgänger des jetzigen zeigt: Sie regierten einen Gottesstaat mit 95 Prozent der Bevölkerung als Leibeigenen. Die meisten durften weder lesen noch schreiben lernen. Das Paradies auf Erden jedenfalls herrschte dort nicht, auch wenn manchmal dieser Eindruck besteht. Der jetzige Dalai Lama betreibt geschickt PR in eigener Sache und reist durch die ganze Welt. Mit dieser Erfahrung ist es aber unverantwortlich, dass er den Chinesen "kulturellen Völkermord" vorwirft.

Wenn die chinesische Führung tibetische Mönche in einer sogenannten "patriotischen Erziehung" zwingt, sich vom Dalai Lama loszusagen, ist das schlimm und zudem dumm, weil es nur zu Lippenbekenntnissen führt. Völkermord ist es nicht, diesen Ausdruck hier zu verwenden verhöhnt die Opfer von tatsächlichem organisiertem Massenmord wie die in den Gaskammern der Nazis. Der Dalai Lama ist kein Unschuldsengel, sondern ein erfolgreicher Diplomat.

Hauptschuldiger am falschen Bild ist jedoch die chinesische Führung selbst. Sie lässt uns Pekinger Korrespondenten nicht nach Tibet, obwohl wir von dort ausgewogen und sachkundig berichten würden. Warum riegelt sie Tibet ab? Weil wir alle Seiten interviewen und man dann auch lesen würde: Die Mehrheit der Tibeter verehrt den Dalai Lama und hasst die von Peking eingesetzte Marionettenregierung.

Ich selbst habe das bei einem früheren Besuch dort erlebt. In Tibet kam die Mode auf, Pelze zu tragen. Als der Dalai Lama das öffentlich verurteilte, verbrannten Tibeter öffentlich ihre teuren Mäntel und Mützen, obwohl die Partei sie dazu aufrief, sich nun erst recht in Pelz zu hüllen. Ein Beispiel dafür: Die Politik der Kommunistischen Partei Chinas ist kläglich gescheitert und KP-Chef Hu Jintao lügt, wenn er sagt: "Menschen aller Volksgruppen in China schreiten voran wie ein Herz und eine Seele." Dazu braucht es etwas, was der Partei fehlt: Offenheit für andere Ansichten und Bereitschaft zum Dialog. Ausgerechnet der von Peking verteufelte Dalai Lama akzeptiert Autonomie Tibets innerhalb Chinas und spricht sich gegen die Gewalt aus. Statt mit ihm zu reden, hofft die KP-Führung auf seinen baldigen Tod. Das stärkt radikale Kräfte wie den "Tibetischen Jugendkongress".

Extremisten arbeiten der KP-Führung in die Hände

Ungewollt arbeiten tibetische Extremisten der Führung in die Hände, wenn sie etwa suggerieren, die Chinesen sollten Tibet verlassen. Eine friedliche Lösung muss von der Realität ausgehen. Jetzige Bewohner zu vertreiben und Grenzen zu verändern schafft nur neues Leid, neue Aggression, neue Gewalt. Solche Ideen erleichtern es, die Proteste als "antichinesisch" abzutun. Wenig hilfreich sind auch Angriffe einiger Aktivisten auf die Olympischen Spiele, den Stolz (fast) aller Chinesen. Deshalb ist es gut, dass der Dalai Lama einen Boykott ausdrücklich ablehnt.

Davon erfährt man übrigens in China kaum etwas. Bei allen Mängeln der westlichen Berichterstattung - sie ist nicht zu vergleichen mit den der Zensur, den Lügen und der Hetze in den chinesischen Medien. Im Stil der Kulturrevolution wird dort von der "Dalai-Lama-Clique" gesprochen, werden alle Kritiker in einen Topf geworfen.

Die korrupte Kommunistische Partei nutzt die Konflikte zwischen Tibetern und Han-Chinesen, um ihre Macht über beide zu erhalten. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer - nicht nur mit dem olympischen.

Adrian Geiges

Adrian Geiges Adrian Geiges ist stern-Korrespondent in Peking. Dort arbeitet er seit zehn Jahren. In seiner Videokolumne "Zwischen Mao und Marathon", präsentiert er auf stern.de regelmäßig Aktuelles, Skurriles und Exotisches aus dem Reich der Mitte.

Ihre Meinung

Was glauben Sie? Ist unser Bild des Dalai Lama und der Tibeter zu wohlwollend?

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KOMMENTARE (10 von 128)
 
ziyou (12.04.2008, 23:22 Uhr)
free Tibet
Ja ich bin für Free Tibet.
Aber, wer A sagt, muss auch B sagen:
bitte geben wir Amerika an den Indianer zurück!
Alle Europäer, Asiaten, Afrikaner, … natürlich auch die Tibete (ohne Ausnahme von Dalai Lama), sollen bitte doch das schönes Land Amerika an den Uranwohner zurückgeben, sodass die Indiana endlich wieder so leben dürfen wie sie mal gelebt hatten!
In Deutschland gehen wir ähnlich vor: Preußen, Bayern, Sachsen u.s.w. sollen auch ruhig wieder freie Staaten werden, wie früher. Wozu ein vereintes Deutschland?
Alles soll wieder so werden wie es vorher war. Drehen wir doch alles zurück! Auf Fortschritt, Wissenschaft, Demokratie können wir doch auch verzichten. Sowas gab’s früher, nämlich gar nicht. Übrigens bei den Tibete auch nicht. Die Welt kann doch so schön sein wenn wir Alles zurückdrehen könnten!
Leomayer (12.04.2008, 21:37 Uhr)
Nochmal an Nobilitatis II
Und was von Ihnen Gretchenfrage genannt wird, geht uns überhaupt nichts an, weil wir keine Ahnung haben, was die meisten Tibeter (und nicht die paar Vorzeigegelbmützen) gerne hätten, vermutlich wissen sie es selber nicht, weil sie nicht lesen und schreiben können…ergo liefe Selbstbestimmung im westlichen Sprachgebrauch wieder auf den altbewährten Klosterfeudalismus hinaus, oder etwa nicht? Demokratisch ist die chinesische Regierung sicher nicht und eine tibetische Regierung wäre das aus dem im vorigen Satz genannten Grund auch nicht. Doch warum sollten sich fernöstliche Kulturen nach altgriechischen Gesellschaftsmodellen richten?
Wenn die chinesischen Minderheiten sich mit der Zentralregierung einigen können wäre das für alle wünschenswert. Ich weiß nicht, welche ideale Vorstellung Sie von Selbstbestimmung haben und welche vom momentanen Status Quo. Ich halte das Wort „Autonomie“ für ziemlich bedeutungsleer und leicht zu instrumentalisieren. Im offiziellen chinesischen Sprachgebrauch heißt Tibet „tibetische Selbstverwaltungszone“, wo keiner weiß, was genau mit „Selbstverwaltung“ gemeint sein soll. Ebenso ist die Forderung nach mehr Selbstbestimmung abstrakt, verschwommen und als politische Forderung deswegen unerfüllbar. Natürlich kann der Tibeter in China wenn er will sich wie seine Vorfahren mit Tsampa ernähren, nomadisch in der Einöde herumziehen, sich den Allerwertesten abfrieren und sich mit 30 aus dem irdischen Leben verabschieden, seinen Leichnam zerhacken und von den Vögeln fressen lassen. Vielleicht glaubt er den lamaistischen Vertröstungen auf das nächste bessere Leben und dem magischen Hokuspokus aber auch nicht mehr so recht, sobald er eine warme Wohnung und einen gefüllten Bauch hat. In welcher Situation ist er nun selbstbestimmter: Als ungebildeter Hungerleider, der sich Mönchsurin als Medizin andrehen lässt oder als Mittelschulabsolvent, der zwei Sprachen (Chinesisch und Tibetisch) spricht, dank der Privilegien für Minderheiten bevorzugten Zugang zu Universitäten hat und sich wissenschaftlich bilden kann (auf Chinesisch, weil keine entsprechende Literatur auf Tibetisch existiert)?

Leomayer (12.04.2008, 21:34 Uhr)
Nochmal an Nobilitatis I
@Nobilitatis
Der Lama ist von der Exilregierung gewählt, schreiben Sie. Das ist so demokratisch als würde ein Gremium den Bundeskanzler durch Würfeln bestimmen und ihn hinterher in die Regierung wählen.
Die Mongolei war seit der Eroberung durch die Mongolen (mit Unterbrechung nach dem Untergang der Mongolenherrschaft) Teil Chinas. Zum "selbständigen" Staat ist es erst wieder 1911 geworden bevor es 1924 zum sowjetischen Satellitenstaat wurde. Die tibetische Geschichte ist ähnlich wechselhaft und Perioden von Autonomie wechseln sich mit Fremdherrschaft ab. Mit historischen Argumenten kann man alles begründen und man fällt auf solche Argumente nur herein, wenn den Standpunkt der Gegenseite nicht versteht, was nicht nur bei Tibetunterstützern sondern auch bei Chinesen sich nicht selten der Fall ist.
Tibet ist reich, schreiben Sie. Wie kommen Sie darauf? Tibet ist zum Großteil schwer zugängliches Ödland und ein Armenhaus. Den bescheidenen Wohlstand, der in Tibet entstanden ist, hat die Region den Riesensummen zu verdanken, die Peking hineingepumpt hat. Ihr Vergleich mit den afrikanischen Ländern hinkt, weil man dort Entwicklungshilfe an wirtschaftliche Liberalisierung gebunden hat. Das Resultat war der internationale Ausverkauf der einheimischen Produktion. China weigert sich, den neoliberalen Forderungen des Westens nachzugeben und profitiert wirtschaftlich, muss dafür aber einen politischen Preis in Form politischer Bestrafung zahlen. Das China Religion zum politischen Thema macht, ist korrekt aber keine Besonderheit Chinas. Wer geistiger Führer über ein paar Millionen Menschen ist, hat nun mal politische Verantwortung, ob er will oder nicht. Man denke an Herrn Ratzinger oder auch nur die deutsche Bischofskonferenz. Mit der Berichterstattung hat sich China keinen Gefallen getan, da haben Sie Recht. Nach den Erfahrungen mit dem Westen in den letzen 200 Jahren (Kolonialisierung, Opiumkrieg) herrscht ein gewisses Misstrauen gegenüber westlichen Versuchen auf China Einfluss zu nehmen.
Die USA ist nicht für alles verantwortlich, aber vielleicht wären sie es gerne angesichts des Riesenhandelsdefizites mit China und der damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Abhängigkeit.
Wie kommen Sie darauf, dass gesellschaftliche Probleme nicht angesprochen werden? Umweltprobleme und -schutz sind zur Zeit Dauerthema und im öffentlichen Diskurs präsent. Was das Thema Wanderarbeiter, Ausbeutung etc. angeht, so findet die Fragen durchaus Eingang in den medialen Diskurs. Da dies nicht so direkt wie bei uns geschieht, muss man allerdings zwischen den Zeilen lesen können (und einigermaßen Chinesisch beherrschen, was viele Berichterstatter anscheinend nicht tun). Wenn es bei Ihnen keine latente Chinesen-Feindlichkeit gibt ist das erfreulich. Ein Großteil der Menschen lässt sich jedoch durch die reißerische Presse leicht manipulieren. Egal, ob es sich um Kritik an „China“, „den USA“ oder sonst einer Abstraktion handelt, man schwebt stets in der Gefahr, ein medienunterstütztes Urteil auf eine Einzelperson zu projizieren.
Nobilitatis (12.04.2008, 12:38 Uhr)
@ hongyu
Da wird Ihnen die Mehrheit zustimmen. Allerdings ist das nicht das, was gegenwärtig geschieht.
Nobilitatis (12.04.2008, 12:34 Uhr)
Antwort auf Antwort
Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird.
1) Der Dalai Lama ist nicht nur eine religiöse Figur. Da Sie sonst so viel wissen, sollte Ihnen auch dieses Detail bekannt sein. Als Mitglied der Exil-Regierung ist er gewählter Vertreter. Übrigens im Gegenteil zu den chinesischen Regierungsvertretern.
2) Chinesisches Geschichtsverständnis ist irrelevant, wenn es darum geht, Eigentumsverhältnisse zu legitimieren. Die Mongolei ist ein unabhängiger Staat. Tibet könnte das auch sein. In der Geschichte haben die China-Herrscher auch schon Vietnam annektiert und zu einem Teil Chinas erklärt. Das Muster setzt sich bis heute fort einschließlich der Assimilierung. Wir können ohne Zweifel von imperialistischer Politik sprechen.
3) Tibet ist reich. Deswegen sind die Chinesen da. Übrigens ganz ähnlich wie Kasachstan. Es ist unsinnig zu glauben, dass man wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entwicklung prognostizieren kann, indem man heutige kleine Details bis ins unendliche fortschreibt. Nach dem Ende der Kolonialzeit hat man angenommen, dass sich die afrikanischen Länder zu reichen Ländern fortentwickeln werden und die asiatischen Länder auf dauerhafte Unterstützung angewiesen sind. Die Entwicklung verlief genau entgegengesetzt.
4) Religionen sind immer etwas merkwürdig für Außenstehende. Politisiert wurde Religion aber in China durch China. Und zwar nicht nur der Buddhismus.
5) Wie Sie bemerkt haben, werden die Ausschreitungen nicht verschwiegen. Unabhängige Beobachter wurden jedoch ausgeschlossen. Das PR-Desaster hat sich China selbst zuzuschreiben, wenn es denn eines gewesen ist. Aber wahrscheinlich wäre die Wahrheit, die Korrespondenten hätten sehen können, ungleich grauenhafter gewesen, als das jetzt Bekannte. Die Begründungen für den Ausschluss sind jedenfalls an den Haaren herbeigezogen.
6) Nicht für alles in der Welt ist die USA verantwortlich. Derartige Polemik wird gezielt gestreut.
7) Chinesenfeindlichkeit: Es wäre an jedem, der Kontakt mit diesen Chinesen hat, die Sachlage zu erklären. Eine latente Chinesenfeindlichkeit kann ich in meiner Region nicht erkennen, auch nicht, wenn wir mit hier arbeitenden oder studierenden Chinesen sprechen. Das ist ein Phantom. Die chinesische Regierung versucht, mit diesem Argument die chinesische Bevölkerung hinter sich zu bringen. Dazu eignet sich das Thema Tibet, da hierbei die nationalistischen Gefühle angesprochen werden. Bei anderen Themen (Umweltzerstörung, Behandlung von Wanderarbeitern, Enteignungen u.v.m.) ist das nicht möglich.
8) Um die Gretchenfrage haben Sie sich gedrückt: Gilt für die Tibeter die Selbstbestimmung?
paulmaz (12.04.2008, 12:33 Uhr)
mupfeline
Sie sagen, die Spiele hätten wg.Demo-
kratie nicht nach China gedurft.Wer
"A" sagt, sollte auch"B" sagen. Also
wohin mit den Spielen. Nennen Sie mir
doch bitte ein Land der Erde, in dem
die Herrschenden ihre Gegner NICHT verfolgen, bespitzeln, einsperren, oft ermorden. Wenn Sie ein Land ken-
nen, bitte verraten Sie es mir.
Leomayer (12.04.2008, 11:50 Uhr)
Antwort auf Nobilitatis
@Nobilitatis
zum Dalai Lama: Wir wissen alle, dass der Dalai durch Orakelbefragung gefunden wurde. Wenn Sie hierin eine demokratische Legitimation sehen, so entspricht das nicht der herrschenden Auffassung.
Zum Thema USA: wir brauchen nur auf die ehemaligen Sowjetrepubliken (Kasachstan, Uzbekistan) zu schauen. Tibet wäre wirtschaftlich und ökonomisch nicht in der Lage ohne ausländische Hilfe auszukommen und an wen würde es sich da wohl wenden, mit wem (natürlich vertraglich abgesichert) zusammenarbeiten? Nachdem die USA in über 170 Ländern Truppen stehen haben, wäre es naiv anzunehmen, ausgerechnet den Tibetern die „Hilfe“ zu verweigern.
Zum Thema Geschichtsverständnis: Beispiel Mongolei. Dass Dschingis Khan die Song-Dynastie ablöste, änderte nichts daran, dass für die Chinesen China weiterhin China blieb, auch wenn wir hierzulande vom Mongolenreich sprechen. Tatsächlich haben die Mongolen die chinesische Kultur völlig übernommen und selbst praktisch keine Spuren hinterlassen. Dies nur zu Illustration, dass Chinesen eine Nation nicht über Blut und Boden definieren. Wenn wir einen Dialog wollen, sollten wir das nicht vergessen. Ihre Rede von „Eigentumsverhältnissen“ ist polemisch und dem Diskurs völlig unangemessen.
Thema: Auslandstibeter. Flüchtlinge sind nicht per se unglaubwürdig, da stimme ich Ihnen zu. Allerdings ist ein Großteil der Tibetaktivisten selbst nicht in Tibet ansässig. Die ethnische Zugehörigkeit macht sie daher umgekehrt auch nicht glaubwürdiger v.a. wenn es um die Darstellung der Ereignisse vor Ort geht. Z.B. wird die Tatsache, dass tibetische Aktivisten in Lhasa unbeteiligte Chinesen bei lebendigem verbrannt und gesteinigt haben, nicht abgestritten aber in der Mainstreampresse kleingeredet oder gleich verschwiegen.
Lamaismus: Der Lamaismus ist ein seltsames Gemisch aus animistisch-magischen Ritualen und buddhistischen Elementen. Auf Europäer wirkt vor allem das stark hierarchisch-autoritäre Rangsystem befremdlich. Dazu kommt ein Unterton von Lebens- und vor allem Frauenfeindlichkeit. Ich habe einige lamaistische Tempel und Klöster sowohl tibetischer als auch mongolischer Ausrichtung besucht und konnte dies in den Wandgemälden widergespiegelt finden.
Chinesenfeindlichkeit: Chinesen fühlen sich beleidigt und sehen sich trotz innerer Widerstände gezwungen, Ihre Solidarität mit der Regierung zu bekunden. Vielen drängt sich der Eindruck auf, dass die Menschen hierzulande nur ihrer latenten Angst vor China Luft verschaffen wollen.
GewaschenemGehirn (12.04.2008, 11:44 Uhr)
ohne
Hallo Herr Geites, herzlich Willkommen zu Hause, ich meine für Sie in Deutschland. Was für ein Empfang für Ihren Artikel.
Ich kann das einfach nicht fassen, dass Sie so einen Artikel ausgerechnet jetzt schreiben(na, wie viel haben die Chinesen dafür bezahlt?), und noch dazu, von Stern(wie viel schon in den chinesischen Händen?) gleich in einer Hysterie platziert worden ist. Noch dümmer, glaube ich, kann es wirklich nicht mehr sein. Wenn man endlich einen Feind gefunden hat, muss man ihn angreifen. Angreifen! Schau Sie bitte mal Ihre Kollegen an! Hart, ohne Gnade, mit allen Mittel, und sogar ohne Rücksicht auf eigene Verluste(was kann ein Journalist schon verlieren). Eigentlich müssen Sie die Spielregeln viel besser kennen als ich(nämlich ein Chinese), naja, vielleicht genau so gut kennen wie ich, nämlich wenn das Ziel heilig ist, sind alle Mittel erlaubt, und wenn man eine Wahrheit braucht, muss man nur die „noch nicht Wahrheit“ über 999+1 mal wiederholen, dann Bingo, ist sie da!
Sehen Sie, Sie sich halten nicht an das, was momentan die Mehrheit in einer Demokratie glaubt, wodurch Sie nicht nur Außenseiter, sondern noch dazu Verräter geworden sind.
Was ich hier eigentlich auch sagen wollte, ist meinen Eindruck über die ganzen „Proteste“ gegen die Olympischen Spiele in Beijing(sorry, gegen die chinesische Politik).
Ich muss zugestehen, dass mein Gehirn über 20 Jahre lang in China gewaschen worden ist, aber danach habe ich auch über 20 Jahre in einer freien Welt gelebt. Und trotzdem immer wenn ich diese „Proteste“ sehe, lese oder höre, passiert etwas unverständliches: meine Augen und meine Ohre nehmen auf: Tibet, Menschenrecht, Dalei Lama; mein Gehirn reflektiert nur : „Hysterie“! „Schadenfreude“!
Ich möchte hier auch meine Anerkennung an alle an diesen „Protesten“ Beteiligten ausdrücken. Sie haben Euer Ziel erreicht, (fast) die ganze Welt ist jetzt auf Eurer Seite(nur die Gehirn gewaschenen Chinesen sind leider unerziehbar, aber wen juckt es)!
Die Beteiligten sind(nach meiner unvollständigen Zählung):
- tibetische Unabhängigkeitskämpfer(ohne Dalei Lama versteht sich)
- die für Menschenrecht kämpfende Organisationen
- die daran beteiligten PR-Profis(die wahren Helden ohne Namen)
- die Presse(ohne Rücksicht auf eigene Verluste, Bravo!)
- die Politiker(unvergleichbar mit den Chinesischen)
- die, die an den Protesten(natürlich nur gegen chinesische) teilgenommen haben
- die, die hier Kommentar geschrieben haben, nähmlich:
o die, die gegen chinesische Politik oder was auch immer Chinesisches
o die, die sagen: China, Chinesen; Tibet, die Tibeter(wie D, D)
o die Tier-Schützer
Das waren dann langsam alle, oder? Herrlich! Jeder hat etwas bekommen.
Mahlzeit!
Der mit Gewaschenem Gehirn
ctkohl (12.04.2008, 11:36 Uhr)
Ist Tibet rückschrittlich?
Ist Tibet rückschrittlich?
http://christianthomaskohl.googlepages.com/tibet
Christian Thomas Kohl
mupfeline (12.04.2008, 09:26 Uhr)
Einfach nur ein Farce
die Spiele diesem Land überhaupt zu geben. Das kann man tun wenn China irgendwann mal so was ist wie eine Demokratie. Aber im Moment ist es nur ein verbohrter indoktrinierter Alt-Herren-Klub.
Abscheulich - wie diese gesamte Farce. Ich gratuliere Frau Merkel noch nachträglich zu diesem weisen Entschluss den Dalai Lama empfangen zu haben! Dat is Courasche :))!
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