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20. Mai 2011, 15:08 Uhr

Bundeswehr feuerte gezielt auf Angreifer

Bei den Protesten vor einem Bundeswehrposten im afghanischen Talokan sind zwölf Menschen gestorben. Nun räumte die Bundeswehr ein, dass auch deutsche Soldaten gezielt auf Demonstranten gefeuert haben.

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Bundeswehrsoldaten auf Streife in der afghanischen Stadt Talokan (Archivbild)© Maurizio Gambarini/DPA

Bei den gewalttätigen Protesten am Mittwoch im nordafghanischen Talokan haben offensichtlich auch Bundeswehrsoldaten gezielt auf Demonstranten geschossen. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr am Freitag unter Berufung auf vorläufige Untersuchungsergebnisse mitteilte, seien zur Selbstverteidigung zunächst Warnschüsse abgegeben worden, später auch "gezielte Schüsse auf weiterhin gewalttätige Demonstranten". Dabei sei zunächst auf die Beine gezielt worden, in drei bis vier Fällen aber auch auf den Körper oder die Arme. "In einem einzigen Fall ist nach derzeitiger Erkenntnis ein Treffer im Hals-Kopfbereich nicht auszuschließen", hieß es weiter.

Bei den Protesten am Mittwoch waren bis zu zwölf Zivilisten getötet worden. Während der Demonstration war auch ein Bundeswehrlager von teilweise gewalttätigen Aufständischen attackiert werden. Das Einsatzführungskommando hob hervor, die deutschen Soldaten hätten nach den Ergebnissen erster Befragungen alle vorgeschriebenen Regeln eingehalten. Weitere Proteste am Donnerstag richteten sich laut Bundeswehr dagegen ausschließlich gegen afghanische Regierungseinrichtungen. Deutsche Soldaten waren von diesen neuen Protesten nicht betroffen. Am Freitag wurde die Lage als zunächst ruhig beschrieben.

Ermittlungen gehen weiter

Bei den Zusammenstößen am Mittwoch waren ein deutscher Soldat mittelschwer und zwei weitere leicht verletzt worden. Auch fünf afghanische Wachmänner erlitten Verletzungen, offenbar vor allem durch Steine und Molotowcocktails. Von afghanischer Seite wurde nach Bundeswehrangaben die Einschätzung geäußert, dass die Unruhen von langer Hand geplant worden seien.

Auslöser der Proteste waren Vorwürfe gegen die internationale Schutztruppe Isaf, sie habe zuvor bei einem Einsatz in der Nacht zum Dienstag vier Zivilisten getötet. Nach Angaben der Truppe handelte es sich um Angehörige der terroristischen Islamischen Bewegung Usbekistans. Weitere Untersuchungen der Vorfälle sowohl durch die internationale Isaf-Truppe als auch durch afghanische Behörden dauern noch an.

be/AFP/DPA
 
 
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