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20. Juli 2009, 18:09 Uhr

Willkommen im SPD-Chaos

Seit' an Seit' stehen sie in der SPD immer noch nicht, obwohl es nur noch 70 Tage bis zur Bundestagswahl sind. Die Wahlkampfstrategen sind untereinander zerstritten oder ratlos, wie sie den Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier verkaufen sollen. Ob da der Ex-Merkel-Sprecher Steg helfen kann? Von Hans Peter Schütz

 
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Kajo Wasserhövel (l.) traut nur sich selbst und was er mit SPD-Chef Münterfering plant, bekommt nicht jeder mit© Wolfgang Kumm/DPA

Der Wechsel von Thomas Steg aus dem Job der "Kanzlerin-Stimme" in jenen des "Steinmeier-Flüsterers" wird von vielen Mitspielern auf der Berliner Polit-Bühne bedauert. Nicht zuletzt von Angela Merkel selbst. Seine Wortkunst machte aus manchen ihrer eher dürren Statements zuweilen attraktive politische Botschaften. Steg war der CDU-Kanzlerin für einen Mann mit SPD-Parteibuch ganz ungewöhnlich nahe. Er dankte ihr jetzt auch für die "menschlich einmalige Behandlung". Ob sein Abschied aus dem Amt des stellvertretenden Regierungssprechers ein Adieu für immer war, ist offen. Ab 1. Oktober steht er wieder auf der Besetzungsliste des Kanzleramts. Doch für die Regierung reden darf er dann nur, wenn die Große Koalition nach der Wahl fortgesetzt wird. Und das ist nach Lage der Umfragen überaus unwahrscheinlich.

*

Der neue Job, für den sich der politische Beamte im Range eines B-10-Beamten hat beurlauben lassen, dürfte weitaus unfröhlicher sein als der alte. Gewiss nicht "menschlich einmalig". Denn Steg tritt jetzt ja als "Stimme" von SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier an. Damit gehört er zum engsten politischen Beraterkreis des Außenministers, zu dem sein Redenschreiber Ulrich Deupmann, einst "Spiegel"-Journalist, und Stephan Steinlein, lange Jahre sein Büroleiter schon, gehören. Hinzu kommt noch als wirtschaftspolitischer Berater Markus Klimmer, ein McKinsey-Mann, der ihm unentgeltlich zuarbeitet. Und damit hat Steg jedoch auch all die "Stimmen" im Nacken, die in der Berliner SPD-Zentrale den Auftrag haben, für die SPD und damit ebenfalls für den Kanzlerkandidaten Stimmung zu machen. Allerdings lösten sie ihre Aufgabe im Willy-Brandt-Haus bisher extrem erfolglos. Da gibt es den SPD-Sprecher Stefan Giffeler, der allerdings nur Journalisten zurückzurufen pflegt, die er auf SPD-Linie wähnt. Doch selbst denen sagt er nichts.

Dann findet sich in der SPD-Zentrale noch der frühere Pressesprecher Lars Kühn, der einst guten Kontakt zu der Berliner Journaille hatte. Doch er wurde abberufen, weil er SPD-Chef Franz Müntefering nicht in den Kram passte. Der zentrale Wahlkampfplaner Kajo Wasserhövel traut ohnehin keinem außer sich selbst, und vermutlich schweigt er sich ebenso sprachlos an, wie er dies gegenüber Presseleuten tut. Schon gar nichts kann SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagen, weil er nicht erfährt, was Müntefering und Wasserhövel planen. Er darf gerade mal mit der neuen "Supersozin" Katharina Saalfrank auf Stimmenfang gehen. Medienmäßig war das ein Erfolg. Ob es aber nur eine einzige Stimme mehr der SPD gebracht hat? Und alle diese Genossen zusammen haben in der SPD-Zentrale nie geschätzt, dass Steg gut für die Kanzlerin geredet hat.

*

Steg beim Kanzlerkandidaten, ein Wasserhövel in der SPD-Zentrale. Wie das zusammengehen soll, weiß niemand. "Die Kommunikation zwischen den beiden Häusern funktioniert nicht", klagen Kenner schon lange. Wasserhövel und Müntefering sind bei der verbatzten Europawahl schwer gedeckelt worden. Nach der Bundestagswahl wird da radikal abgerechnet werden. Vor allem mit Wasserhövel, der mehr um sein Bundestagsmandat kämpft, als um die Chancen der eigenen Partei. Früher hatte er die SPD selbst noch kritisiert. Sie spreche eine für die Bürger unverständliche Sprache und habe keine klare Strategie. Daran hat sich unter Müntefering und Steinmeier nichts geändert. Wasserhövels bisher klügster Satz war: Gewinnen könne man im Wahlkampf einer Großen Koalition nur, wenn man seine Partei gegen diese Koalition programmatisch aufbaut. Na und? Wo ist die SPD dergestalt aufgebaut?

*

Angeblich hat die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin deshalb das schlechteste Ergebnis (nur 186 vom 644 Stimmen) bei der Wahl der 14 Vizepräsidenten des Europaparlaments erzielt, weil sie nur sehr zurückhaltend ihre parlamentarischen Arbeit im Europaparlament wahrgenommen hat und weil sie die EU-Sitzungen in Straßburg als "Ausflug ins Landschulheim" bezeichnet hat. Und FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kritisierte wie immer einige Phon zu laut und ziemlich weit neben der Wahrheit, es sei ein Armutszeugnis, dass Koch-Mehrin dafür bestraft werde, dass sie den "teuren Reisezirkus Brüssel-Straßburg" kritisiert habe. Die schlichte Wahrheit ist: Sie hat Straßburg auch "Straps-Burg" genannt, weil dort die Kollegen gerne Besuche im Rotlicht-Milieu machten und die Dienste der in Sitzungswochen besonders zahlreichen Liebesdienerinnen in Anspruch nähmen. Dafür dürfte sie jetzt büßen müssen. Denn als am schlechtesten gekürte Vizepräsidentin muss sie den parlamentarischen Job übernehmen, den kein anderer will. Ein konservativer Kollege ätzte bereits über Koch-Mehrin: "Sie wird für die Verteilung des Klopapiers zuständig sein."

Liebe stern.de-Leser wir haben in der Kolumne zwei kleine Korrekturen vorgenommen. Zum einen haben wir gestrichen, dass der frühere Pressesprecher Lars Kühn ins Archiv versetzt wurde. Die SPD bestreitet dies, will sich aber zum derzeitigen Aufgabenfeld von Kühn nicht äußern. Zum anderen arbeitet Thomas Steg nicht im Auswärtigen Amt, sondern für SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
augustheater (23.07.2009, 11:20 Uhr)
Torheit wird ge-Schütz-t
Bin ich glücklich! Ich habe hps wieder gefunden! Wieso sagt mir keiner dass er hier schreibt? An die Adresse der Kommentatoren, die ihm hier ans Leder wollen wie die die Dackel ans Hosenbein: Seid froh, dass sich überhaupt noch einer die Mühe macht, sich mit all' den Toren und Torheiten zu befassen, um dann auf den Punkt zu bringen, wie tumb es ist. All das dumme Zeug muss ge-Schütz-t werden.
hps: Ran!
utospatz (21.07.2009, 13:04 Uhr)
Was ist, und was war mal
die SPD? Oh Herr was ein Unterschied zu 1950! Ein Zigarrenrauchender Schröder an Putins nackter Brust, HartzIV-Puff-empfänger, 1€uro-Jobber, dank Freund Clement auch Teilzeitdeppe, all dieß hat die heutige SPD in der Schleppe, und schwingt heute sich empor als Nationenretter! Da hat's dem Herbert Wehner im Grabe die Pfeife weggeschlagen! Ein verdummtes Volk wählt immer Dumm!
daisytim (21.07.2009, 09:56 Uhr)
Azubine Angela
Und wenn ich sehe, wie eine Frau Merkel angeblich immer mehr % an Zuspruch bekommt (angeblich), obwohl sie überhaupt keinen Standpunkt hat, den sie vertritt sondern nur alles laufen läßt wie einst ihr früherer Gönner, der liebe Helmut, und lieber gerne in der Weltgeschichte rumgondelt, kann mir auch nur Angst und Bange werden. Finanzkrise? Schmeißt den Bangstern das Geld in den Rachen und mal schauen, was passiert, denn ich habe ja keine Ahnung, muß ich ja auch nicht, denn man ist ja Kanzler. Für diese Kohle hätte man über Jahre die Wirtschaft stützen können, stattdessen stützen sich die Banken mit der Kohle selbst und erwirtschaften schon wieder Milliarden und die Unternehmen saufen ab und werden auch noch von den Banken übernommen und feinsäuberlich für gutes Geld weiterverkauft. Prima, Angela und Konsorten, weiter so...
Pijey (21.07.2009, 08:50 Uhr)
@GrundRoland...
...na sie sind ja das Ebenbild dieser Partei schlechthin, denn dort sind alle Anderen Schuld, bloß nicht diese Partei. Wenn alle Stricke reißen und sich niemand finden läßt dann sind es die Medien. Schonmal drüber nachgedacht das die Medien nichts, aber auch rein garnichts Positives aus und über diese Partei berichten können weil nichts zu finden ist.
Wir können gerne die Baustellen durchgehen:
Wahlprogramm: Was hat Münte gesagt " es ist unfähr eine Parti an ihren Wahlversprechungen zu messen". Klasse, also sind die Programme das Papier nicht wert.
Der momentane Amoklauf in Kiel von Stegner. Das die SPD diesen wild gewordenen Parasiten noch nicht entfernt hat ist mir ein Rätsel. Er sammelt ja förmlich Wähler für die anderen Parteien.
Wowi in Berlin: Klasse, geht lieber auf Parties um sich zu amüsieren statt diese Stadt mal in ein vernünftiges Fahrwasser zu bringen. Ihm laufen ja inzwischen die eigenen Senatoren weg. Der soll auch noch evtl. Nachfolger von Münte werden? Das gäbe den Supergau.
Hessen: Yprilanti hat die Wähler SPRICHWÖRTLICH verarscht. Die SPD'ler die ihren Wählern die Treue gehalten haben und diese Wahllüge nicht mittragen wollten will man aus der Partei ausschließen. Bravo, so muß Politik sein. Denn in Hessen ist ja nicht die Yprilanti schuld, neeeeeeeeeeeeeeein, die vier, die ihre Wahlversprechen gehalten haben.
Beck in RPF. Da wird der Nürburgring für 250 Mio umgebaut, die Finanzierung soll über dubiose Finanzgesellschaften abgewickelt werden, es werden 95 Mio Euro auf einem schweizer Konto gebunkert um den Deal klar zu machen, und was passiert? Richtig, der Steuerzahler muß es richten, weil die Finanzierung geplatzt ist, der Finanzminister muß gehen und Beck hat von all dem nix gewußt. 100 Mio aus der Staatskasse und Beck war Ahnungslos? Genial!
Und so können wir die Liste X beliebig fortsetzen, ganz zu schweigen von der Berliner Brut die diese Partei retten will. Wenn Nahles, Anne, Maas und Konsorten da erstmal das sagen haben, dann gute NAcht Deutschland. Diese Partei ist so verfilzt und intern derart korrupt das sie ihre Genossen vorne anlächen und wenn sie sich umdrehen drücken sie ein Messer in deren Rippen. Da geht es NUR nch und ausschließlich um MACHT, egal wie.
Das ist schon ein derart widerliches Schauspiel was da abläuft das man (Wähler) sich nur noch angeeckelt abwenden kann.
GrundlRoland (21.07.2009, 08:18 Uhr)
Schütz-SPD
Der fast alltägliche SPD Verriss durch den sogenannten Journalisten Schütz lässt den Schluss zu daß dieser sich für eine neue Regierung oder Rechts - Medien in Position bringen will. Es ist auch in der heutigen Zeit schwierig für Journalisten heutzutage ihr Geld zu verdienen und Wirtschafts-,Unions u.FDP nahe Artikel verkaufen sich nunmal leichter und sind auch bei
rechtsgerichteten Medien wie der Stern sichtlich gefragt. Vom kritischen Journalismus wie bei Stern keine Spur mehr Bertelsmann hat ganze Arbeit geleistet.
daisytim (21.07.2009, 08:10 Uhr)
Wahlprogramm?
Seit wann ist ein Wahlprogramm das wert, was es darstellen soll? Bisher ist meines Wissens nach nie, ob CDU oder SPD, das gemacht worden, was drin stand. Mwst nicht nur 1, nicht nur 2 sondern gleich 3 % erhöhen, dann einige "arbeitnehmerfreundliche" Beschlüsse fassen und hoffen, das die Wähler so blöd sind, es nach einiger Zeit wieder vergessen.
"Es sind die Taten, an die man gemessen wird", nicht nach dem Papier, welches sehr geduldig ist.
Und die SPD muß sich daran messen lassen, wie sie die Arbeitnehmer bisher vertreten hat, und da kommt seit Gas-Gerd und Steinis nix mehr gutes bei raus. Da kann man noch so sehr ein schönes Mädchen draus machen wollen, aber die will keiner mehr.
oppenwehe (20.07.2009, 20:50 Uhr)
Meine Güte!
Meine Güte! Dass der Stern gegen die SPD arbeitet, ist ja nicht neu. Aber das schlägt dem Faß den Boden aus. Mein Tipp: Wahlprogramme lesen, und erst dann den Stern.
crvnshkr (20.07.2009, 19:25 Uhr)
"SPD-Chaos"
Ja, ja, die alte Leier. Zum Glück läuft im Gegensatz dazu bei der Union alles super-duper-harmonisch und wie am Schnürchen.
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@knilch_59: Das System Merkel, wie ich's mal nennen will, ist m.E. längst schon am Ende. Nur, dass es irgendwie immer wieder gelingt, dem Koalitionspartner alles in die Schuhe zu schieben, was falsch läuft. Afghanistan, Finanzkrise, Kernkraft-Debatte usw. usw. - und immer noch traumhafte Umfrage-Werte für die unsere tolle Kanzlerin. Ich kapier das nicht...
daisytim (20.07.2009, 19:12 Uhr)
kann mich nur anschließen
Denn Luschen sind Luschen sind Luschen. Kann man nix schönschreiben geschweige denn eine Alternative bieten. Der Verein, denn Partei ist es schon lange nicht mehr, ist ein Loserhaufen par excellence. Wehner und Brand drehen sich nur noch im Grabe um bei so einer Jammerlappenansammlung.
knilch_59 (20.07.2009, 11:53 Uhr)
Tipp an die SPD:
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„Die Wahlkampfstrategen sind untereinander zerstritten oder ratlos, wie sie den Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier verkaufen sollen.“ – Mein Vorschlag: in kleinen Stücken ins Ausland! Am Besten über ebay.
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Dieser Mann ist nur solchen Wählern „zur verkaufen“, die im Prinzip viel lieber die CDU wählen würden. Der CDU massenhaft Wähler abzujagen hat aber bisher nur einmal geklappt, und das war letztlich nicht Verdienst von Schröder, sondern der Tatsache geschuldet, dass das System Kohl einfach am Ende war. Nur – mittlerweile haben die SPD-Stammwähler gelernt, was das für ihre Politik bedeutet: Die findet nämlich unter Schröder/Steinmeier genauso wenig statt wie unter Merkel. Deshalb braucht die SteinmeierPD kein Mensch, und deshalb werde ich sie nicht wählen.
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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