11. September 2012, 15:26 Uhr

"Ja, wir hatten einen Therapeuten"

Jetzt spricht Bettina Wulff! Im neuen stern redet die ehemalige First Lady zum ersten Mal über ihre 598 Tage im Schloss Bellevue und verrät, wie sie und ihr Mann die Affäre verarbeitet haben.

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In ihrem ersten Interview nach dem Rücktritt ihres Mannes stellt Bettina Wulff im stern ihre Sicht der Dinge dar©

Bettina Wulff, die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, war fassungslos, als sie erstmals von den Gerüchten über ihr angebliches Vorleben im Rotlicht-Milieu hörte. Im ersten großen Interview nach dem Rücktritt ihres Mannes sagt sie dem stern, der in dieser Woche bereits am Mittwoch erscheint, sie und ihr Mann hätten erstmals durch Anrufe von Bekannten und Freundinnen von den im Internet kursierenden Gerüchten gehört. Bettina Wulff: "Ich war fassungslos und habe mich ohnmächtig gefühlt und auch viel geweint. Mein Mann war natürlich auch schockiert, hat aber in keinem Moment geglaubt, dass da etwas dran sein könnte."

Auf die Frage, weshalb sie nicht viel früher auf die üble Nachrede reagiert hat, erklärt Bettina Wulff, dies sei während der Amtszeit ihres Mannes ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Wulff: "Das hätte die Aufmerksamkeit in eine absolut falsche Richtung gelenkt, nämlich auf meine Person. Und das hätte auch diesem anonymen Rufmord viel zu viel Aufmerksamkeit beschert."

Urlaub bei Maschmeyer war "unglücklich"

Als "unglücklich" bezeichnet die 38-Jährige den Urlaub in der Villa des Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca kurz nach der Wahl ihres Mannes zum Bundespräsidenten. Dennoch sei der Eindruck falsch, dass der vielfache Millionär sich die Nähe eines Politikers erkaufen wollte. "Wir haben den Urlaub bezahlt. Und mein Mann hat früh erklärt, dass der Urlaub ein Fehler war", so Bettina Wulff zum stern. Maschmeyer sei ein Freund ihres Mannes gewesen, sie habe ihn erst über ihren Mann kennengelernt. Wulff: "Der Urlaub war dennoch falsch."

Die Zeit als "First Lady" mit der ständigen Rundum-Überwachung und permanenten Beobachtung durch die Medien sei für sie auch eine große Belastung gewesen, die mit Herzrasen und ständigen Magenschmerzen verbunden war. Bettina Wulff: "Ja. Es hat mir schwer zu schaffen gemacht, auch körperlich. Ich habe ein paar Kilo verloren. Und meine Haut hat verrücktgespielt." Die Dienstvilla des Bundespräsidenten in Berlin-Dahlem habe ihr trotz diverser Änderungen in der Einrichtung nie das Gefühl von Heimat gegeben: "Das Haus hatte für mich keine Seele", so Wulff zum stern

"Was war, ist noch nicht komplett abgeschlossen"

Die ehemalige "First Lady" gesteht in dem Gespräch, dass sie und ihr Mann nach der Kredit-Affäre und dem Rücktritt ihres Mannes auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben. "Ja, wir hatten einen Psychotherapeuten, mit dem wir intensiv gearbeitet haben", sagt sie dem stern. Mit so einem Thema seien auch gute Freunde schlichtweg überfordert gewesen.

Auf die Frage, wie es ihr jetzt gehe, sagt die 38-Jährige: "Ich glaube, das wäre gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, dass alles wieder in bester Ordnung ist und das Leben schon komplett neu ausgerichtet ist." Sie habe sich beruflich selbstständig gemacht, zudem gebe es jetzt ihr Buch. Wulff: "Aber was war, das ist noch nicht komplett abgeschlossen. Das braucht Zeit, ganz klar."

"Jenseits des Protokolls"

"Jenseits des Protokolls" Das ist das Buch: 16 Kapitel, plus Vor- und Nachwort und Quellenverzeichnis, 223 Seiten. Der Titel lautet "Jenseits des Protokolls". Geschrieben hat Bettina Wulff es mit Hilfe der Journalistin Nicole Maibaum – und zwar, laut Widmung "Für meine Familie". Es erscheint im Riva-Verlag, Kostenpunkt: 19,99 Euro.

 
 
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