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25. Juni 2010, 23:16 Uhr

Weizsäcker plädiert für Votum ohne Koalitionszwang

"Die Wahl ist frei", sagt Richard Weizsäcker und will damit unterstreichen, dass die Wahlmänner und -frauen sich bei der Bundespräsidentenwahl nicht der aufstellenden Partei verpflichtet fühlen sollten. Auch Roman Herzog erinnerte daran, dass die Wahl von Köhlers Nachfolger geheim sei.

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Zwei Bundespräsidenten a.D.: Horst Köhler (l.) und Richard Weizsäcker© Tobias Schwarz/Reuters

Wenige Tage vor der Wahl des neuen Staatsoberhaupts haben sich mehrere frühere Bundespräsidenten gegen einen Koalitionszwang in der Bundesversammlung gewandt. Die Wahl gelte "einem ganz und gar selbständigen Amt, unabhängig von legitimen Zielen von Parteien und Koalitionen", sagte Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker der "Bild"-Zeitung. Ähnlich äußerte sich sein Nachfolger Roman Herzog.

Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) hatte vor einigen Tagen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, den von der CDU gestellten Wahlleuten der Bundesversammlung freizustellen, ob sie für den Koalitionskandidaten Christian Wulff (CDU) votieren oder für den von SPD und Grünen nominierten Joachim Gauck.

Biedenkopfs Ansatz sei richtig, sagte von Weizsäcker der "Bild"-Zeitung. "Die Wahl ist frei." Herzog, der von 1994 bis 1999 Bundespräsident war, sagte im Interview mit dem SWR, keine Partei könne sich erlauben, Wahlmänner und Wahlfrauen auf einen bestimmten Kandidaten einzuschwören. Nach Ansicht Herzogs müssen jedoch die Parteien die Wahlen nicht erst freigeben: Jeder in der Bundesversammlung sei bereits völlig frei, die Wahl sei geheim, hob er hervor.

Vogel: Wahlleute sind gebunden

Der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Bernhard Vogel (CDU), sieht die Wahlleute indes durchaus an ihre Parteien gebunden. Die Wahl des Staatsoberhauptes sei zwar keine Machtfrage, finde aber nicht in einem "politisch luftleeren Raum" statt. Auch in der Vergangenheit seien die meisten Bundesversammlungen "in Bezug auf die jeweiligen parlamentarischen Konstellationen bewertet" worden.

Die frühere Bundespräsidentschaftskandidatin Dagmar Schipanski (CDU) zeigte sich derweil enttäuscht, dass sie von der Thüringer Landtagsfraktion ihrer Partei nicht in die Bundesversammlung entsandt wurde. "Ich war tief betroffen, dass man mir gegenüber ein solches Misstrauen ausspricht", sagte Schipanski dem Sender MDR Figaro. Sie hob hervor, im Grundgesetz sei ein Fraktionszwang bei der Bundespräsidenten-Wahl nicht vorgesehen. Die CDU-Politikerin war in ihrer Partei die Kritik geraten, weil sie sich positiv über den rot-grünen Kandidaten Gauck geäußert hatte.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck hat im schwarz-gelben Regierungslager mehrere Sympathisanten. Einige FDP-Wahlleute haben bereits erklärt, bei der Bundespräsidenten-Wahl am 30. Juni für den Kandidaten des Oppositionslagers stimmen zu wollen. Wulff gilt dennoch als Favorit, denn Union und FDP verfügen in der Bundesversammlung über eine bequeme Mehrheit.

swd/AFP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
carlodifabio (28.06.2010, 16:59 Uhr)
überraschungskandidat karl maria schulte könnte präsident werden!
die kritiken von schipanski, biedenkopf, herzog und herzog haben einiges für sich, scheinen aber wohlfeil zu sein. e r s t mit fetter pension wagt so manche(r) ein offenes wort, eine mutige tat - auf kosten des gemein-
wohls/einermehrheit der bürgerInnen.

wulff gilt vielen als (befangener) parteifunktionär, ziermöbel der politik, inkompetent (plant deshalb rat der weisen)...

gauck hat als vorbild einen ex-nazi-funktionär, pfarrer, der nun auch noch politik predigen will,ist mit spitzen gegen SPD+grüne aufgefallen...
der STERN 26/10 über ihn: der verkehrte kandidat.

SCHULTE hingegen ist als bürgerrechtler, politkünstler, verfassungsexperte, zukunftsforscher... bekannt.
er sorgt für saubere wahlen in D: Az WP 146/09 bundestagswahlprüfung, BVerfGE 122 nr. 11...
innerhalb von 6 monaten will er eine VISION DEUTSCHLAND präsentieren, die das volk ermutigt und der politik perspektiven aufzeigt.
dazu gehört die einberufung eines lebens-, werte- und verfassungskonvents gemäß artikel 146 GG: ZAS/FAZ 8.11.09(26): weckruf/aufruf bürgerkonvent CITOYEN 2010.
darauf wohl bezug nehmend: richard david precht in der ZEIT: ...und keiner wacht auf.
schlafend in den abgrund?
einer wie er aus dem volk, mit kompetenz und humor, könnte die zweifache legitimationskrise bei der präsidentenwahl überwinden helfen:
die fragliche gültigkeit der bundestagswahl (die hälfte der delegierten besteht aus bundestagsabgeordneten) und die immer noch nicht mögliche direktwahl.
der SPIEGEL titelt heute EINE WAHL DIE KEINE IST. ob der gesunde menschenverstand doch noch siegt?
Bienban (26.06.2010, 10:43 Uhr)
Mafiöse Strukturen
Das System Merkel vergleichbar mit dem Staatsrat der ehem.DDR würde sich mit der Wahl einer stromlinienförmigen Polit-Marionette wie Wulff sie nun mal ist, auch in der BRD noch weiter verfestigen. Wer will das mit welcher Motivation? Ehemaligen DDR Bürgern wird Angst und Bange bei diesem Dejavue. Da ist ja die Linke ohne das man Sympathisant ist, klarer in ihrer Struktur als es die sogenannte Christin Merkel je sein wird. Das ist ein großes Problem in diesem Land, ein Land in dem eine Christ-Demokratin den Sozialstaat auszuhebeln versucht, Umweltpolitik ad absurdum führt und ohne Ulla Schmidt die Kontrolle über das Gesundheitssystem zugunsten der Pharma-Lobby verloren hat. Nein, diese Frau hat jegliche Achtung verspielt und gehört auf die hinterste Kirchenbank von Templin! Obwohl man die Untaten der letzten Jahre eigentlich nicht wirklich vergeben kann, da diese wie bei einem Straftäter mit Vorsatz passierten. Merkels Programm: Zerlegung eine demokratischen Parteiensystems alle Parteien betreffend, Destabilisierung der Bundesrepublik durch deren Ausverkauf, Aufgabe der staatlichen Unabhängigkeit durch katastrophale Außenpolitik, letztere findet ja ohnehin kaum noch statt. Die Wahl von Joachim Gauck wäre ein erster Befreiungsschlag aus dem System Merkel und kann dem Deutschen Volk nur zum Wohl gereichen!
mikelmd (26.06.2010, 07:01 Uhr)
Votum ohne Koalitionszwang
Das gab es in der Geschichte der Bundespräsidentenwahl noch nie!! Eigentlich schade, aber bisher hatte ich vor Herrn Weizsäcker noch ein wenig Respekt. Er wäre wahrscheinlich sicher nie selber Präsident geworden wenn wir in einer wirklichen Demokratie leben würden. Was ich bedauern würde. Aber ER sollte sich zurück halten um sein Ansehen nicht durch Wünsche an den Weihnachtsmann zu zerstören!!!
deholgi (26.06.2010, 06:30 Uhr)
Parteiendemokratie
wieder ein Beispiel dafür, dass die Parteiendemokratie abgeschafft gehört.
Es kann doch nicht sein das von der "Tippse aus dem Osten" den Abgeordneten vorgeschrieben wird, wen sie zum Bundespräsidenten zu wählen haben.
Wieso wählt das Volk da nicht selbst? (Sorry, war ein Witz. In Deutschland wird es nie eine echte Demokratie geben, dafür sind die meisten mit WM und iPhone zu sehr beschäftigt).

Holgi
jomimo (26.06.2010, 05:39 Uhr)
Bedaure ......
Lieber die Habsburger als eine Operettenshow aus dem Keller.

Dazu noch ein " Sommerfest " für 1 Million in Bellevue, ja sind wir noch zu retten ?
Heinerich (26.06.2010, 03:28 Uhr)
Das "Mutti" Merkel vor niemanden Respekt hat
zeigt sich immer wieder, nicht mal vor den Leuten die sie gewählt haben.
Also weg mit Mutti, schickt sie zurück in die Uckermark.
Diese Frau ist mittlerweile untragbar geworden und steht sich selbst im Wege.
Den Bundesbürgern und dem Fortschritt zu einer besseren Politik schon lange.
Prologo (26.06.2010, 00:16 Uhr)
Das ist die Rache der Altbundespräsidenten,....

.....für den Rücktritt von Köhler, denn daran hat Merkel offensichtlich die alleinige Schuld, oder....??

Merkel hat Köhler hängen lassen, und der Umgang von Merkel mit Köhler hat das Amt des Bundespräsidenten geschädigt, so kann man Köhlers Bergründung auch verstehen.

Und was jetzt Angi Mutti Merkel,...??

Das war eine deftige Watschn von den Alt BP, und daran wird Mutti schwer schlucken, denn wenn sie jetzt die Wahl nicht freigibt, dann hat sie ganz verschissen im Lande, oder...?

MfG,
T.
arniston (25.06.2010, 23:51 Uhr)
trauer ohne ende.
der zustand des landes, auch im sozialen bereichen zeigt,(auch noch dieser präsident),
wie die wähler ticken, nicht solidarisch .
ego und der ast des anderen...
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