. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Juni 2010, 09:12 Uhr

Der Karussellbremser

Die CDU in Nordrhein-Westfalen steht vor einem personellen Umbruch. Die Zeit von Jürgen Rüttgers scheint vorbei zu sein. So ganz lassen von der Macht kann er aber nicht. Von Christoph Cöln

Jürgen Rüttgers, NRW, CDU, Rückzug, Kraft, Macht, Umbruch

Will nicht als "Gegenpol einer rot-rot-grünen Regierung" fungieren: Jürgen Rüttgers© Volker Hartmann/DDP

Er ist ein Regent ohne Macht, ein geschäftsführender Ministerpräsident ohne parlamentarische Mehrheit: Jürgen Rüttgers. Seit Donnerstag weiß er, dass Hannelore Kraft, SPD, ihn Mitte Juli endgültig aus der Staatskanzlei vertreiben wird. Nun steigt der Druck auf ihn. Seine Partei kann es sich nicht leisten, Rüttgers bis zum St. Nimmerleinstag durchzuschleppen. Er ist das Gesicht der Niederlage. Er hat die Verantwortung für die Wahlschlappe übernommen. Seine Ämter in Frage gestellt hat er deswegen nicht.

Das übernimmt nun seine Partei. Am Freitag beriet der Landesvorstand bei einem Treffen erstmals über Konsequenzen. Am Samstag dann das Ergebnis: Rüttgers verkündete, er werde sich im Juli nicht erneut zur Wahl stellen. Er wolle nicht als "Gegenpol einer rot-rot-grünen Regierung" fungieren. So weit, so gut. Aber dann: "Ich habe dem Landesvorstand mitgeteilt, dass ich auch nicht für den Fraktionsvorsitz zur Verfügung stehe, das ist schon länger klar." So klar, wie Rüttgers tut, scheint das aber keinesfalls zu sein. Wie aus Parteikreisen zu vernehmen war, hatte es Rüttgers durchaus auf den Fraktionsvorsitz abgesehen. Dagegen liefen einige Vorständler jedoch Sturm. Denn der Fraktionsvorsitz hätte ihm alle Optionen für eine erneute Kandidatur gelassen, sollte es in NRW zu Neuwahlen kommen.

Absolutistischen Machtapparat aufgebaut

Neuwahlen, daran klammert sich die NRW-CDU derzeit wie ein Schiffbrüchiger ans Treibholz. Sie spekuliert darauf, dass die rot-grüne Minderheitsregierung spätestens mit der Abstimmung zum neuen Landeshaushalt im Herbst wieder auseinanderfliegt, weil die Linken ihn nicht mittragen würden. So setzt sie auf die Unberechenbarkeit der Linken. Sollte die Linke - was durchaus nicht unwahrscheinlich ist - der CDU diesen Gefallen tun, hätten die Konservativen trotzdem ein Problem: Die Partei müsste einen brauchbaren Spitzenkandidaten präsentieren. Und der kann nicht Jürgen Rüttgers heißen.

Da sind zum einen die zahlreichen Fehltritte, die Rüttgers belasten. Seine verbalen Ausfälle gegenüber rumänischen Leiharbeitern, die Spitzelaffäre in der Düsseldorfer Staatskanzlei, und natürlich die Causa "Rent-a-Rüttgers", seit der ihm das Etikett der Käuflichkeit anhaftet. Für den schwindenden Rückhalt entscheidend ist aber das System Rüttgers. Über die Jahre hat er sich einen absolutistischen Machtapparat aufgebaut - ohne Kronprinz, ohne Nachfolger. Jetzt ist der Machtkampf entbrannt.

Das System Rüttgers funktioniert immer noch

Drei Namen werden gehandelt: Andreas Krautscheid, Armin Laschet und der bisherige Arbeitsminister Karl-Josef Laumann. Rüttgers selbst soll bei der Sitzung des Landesvorstands seinen Spezi Karl-Josef Laumann als neuen Fraktionsvorsitzenden ins Spiel gebracht haben. Das stieß jedoch auf Protest. Armin Laschet hingegen, NRW-Integrationsminister, gilt den Traditionalisten in der Partei als zu links und zu progressiv. Bleibt Andreas Krautscheid. Doch der traut sich bisher nicht aus der Deckung. Sein Dilemma: Er will nicht als illoyal gelten. Schließlich war es Rüttgers, der Krautscheid erst im März zum Generalsekretär machte. Das System Rüttgers funktioniert immer noch.

Allerdings ist da noch ein weiterer Name: Norbert Röttgen, Umweltminister im Kabinett Merkel. Wegen seiner Atompolitik steht er im Bund unter Dauerbeschuss. Mit der Kanzlerin verbindet ihn ein nicht spannungsfreies Verhältnis. Übernähme er den Landesvorsitz, wäre das ein Coup: Röttgen hätte den mächtigsten CDU-Landesverband unter sich. Ein Pfund mit dem er Angela Merkel gewaltig unter Druck setzen könnte.

Einer will das bunte Personalkarussell aber mit aller Macht bremsen: Jürgen Rüttgers. Nach Parteiangaben will er den Landesvorsitz vorerst behalten.

Von Christoph Cöln
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
MrMouse (20.06.2010, 14:59 Uhr)
Schlimm Schlimm Schlimm
Rütgers ist nur noch Peinlich: Faktisch hat er die Wahl mit knapp 6000 Stimmen gewonnen , schafft es aber nicht eine Regierung zu bauen. Jetzt motzt er gegen die SPD Minderheitsregierung - dabei hätte er das auch mit der FDP machen können.
Und jetzt noch am Sessel kleben wie eine Fliege im Fliegenfänger. Wenn ich in meinem Job großen Mist baue werde ich entlassen und muß mir einen neuen Job suchen - für Politiker gilt das nicht. Für das was die Politiker egal welcher Richtung / Farbe sich in letzter Zeit leisten bzw wie diese sich verhalten muß man sich nicht über Politikverdossenheit in der Bevölkerung wundern.
paolodom (20.06.2010, 14:56 Uhr)
unerfinderlich
postet doch gleich in der vorwaerts und in den spd und kommnistischen medien als euch hier herumzutreiben

solch einen Bloedsinn braucht man nicht kommentieren
Prologo (20.06.2010, 14:35 Uhr)
@thammbe, Genau so ist es,....

...aber hier muss man unseren Medien auch den großen Vorwurf machen, denn....

....die kommen ihrer Informationspflicht überhaupt nicht nach, und zeigen nicht auf, wie es unsere europäischen Nachbarn viel besser machen,...

....denn da sehen unsere Politker sehr sehr alt aus, ob das Bildung, Gesundheit oder Rente ist, die skandinavischen Länder haben in den letzten 10 Jahren alles besser verändert, als unsere betonierten Politiker, und .....

....da erhebe ich schon große Vorwürfe, weil sie das deutsche Volk hier künstlich Dumm halten, oder...?

Ich habe diesbezüglich auch schon an die großen Zeitungen geschrieben, Spiegel, Stern, Franfurter Stuttgarter und Süddeutsche. Deshalb stellt sich hier schon die Frage,....

.....warum werden wir hier nicht informiert, bzw. künstlich Dumm gehalten...??

Ich kann es Euch schon sagen,....
weil dann das verlogene Kartenhaus unseres deutschen, maroden Sozialsystems öffentlich wird, und das können unsere Politiker schon gar nicht brauchen, oder....?

MfG,
T.
thammbe (20.06.2010, 14:11 Uhr)
Jetzt jammern sie wieder...

... unsere neoliberalen, konservativen Mitbürger. Des Deutschen liebstes Kind ist noch immer die Schwarzmalerei. Minderheitsregierung? Funktioniert einwandfrei in Skandinavien. Andere Länder können über uns nur den Kopf schütteln. Egal, ob Schulreform oder Gesundheitsreform alles was unsere derzeitigen und alten Regierungen angepackt haben, war nur eine bürokratische Verschlimmbesserung. Vielleicht sollten wir mal den Mut haben über die Grenzen in unsere Nachbarländer, besonders aber nach Skandinavien, zu schauen, wie bei denen Schulpolitik gemacht wird. Von denen hätten wir schon vor Jahrzehnten lernen können. Haben wir aber leider nicht! Warum? Weil bei uns alles gleich ins Ideologische und Bürokratische transformiert wird, statt pragmatische Politik für den Bürger zu machen.
Prologo (20.06.2010, 14:08 Uhr)
Rüttgers liefert auch nach der verlorenen Wahl,....

.....immer noch Beweise, dass er absolut zu Recht abgewählt wurde,.....

....und dafür sollte man Rüttgers dankbar sein, oder.....?

MfG,
T.
thammbe (20.06.2010, 14:05 Uhr)
Einfach suboptimal dieser Rüttgers.

Am Wahlabend macht er sich vom Acker ohne ein Statement in den Medien abzugeben. Dann hört man wochenlang nichts mehr von ihm. Und nun will er noch nicht einmal Oppositionsführer im Landtag von NRW werden. Einfach nur erbärmlich dieser selbsternannte Arbeiterführer und Wahlgewinner. Der hat einfach keinen politischen Anstand sich feige davonzuschleichen und auf besseres Wetter zu hoffen. Wenn er sich da mal nicht verkalkuliert hat, da es schließlich bessere CDU Politiker als ihn in NRW gibt.
undueberhaupt (20.06.2010, 13:43 Uhr)
Am Donnerstag....
...hat er Geburtstag. 59 wird er.
.
Zeit zum gehen!
mile64 (20.06.2010, 11:16 Uhr)
Wahlsieger
Wer ist denn nun der Gewinner der Wahl in NRW? Rüttgers(CDU), der trotz massiver Stimmverluste immer noch die meisten Stimmen hat? Kraft(SPD), die das schlechteste Nachkriegsergebnis für Ihre Partei eingefahren hat? Keine Ahnung, aber der Affentanz dieser Beiden geht einem doch gehörig auf den Keks. So richtig wil NRW doch keinen dieser beiden abgehalfterten Politiker. Eine Minderheitenregierung ist doch nichts anderes als das Scheitern der Wahl einzugestehen. Neuwahlen wären das einzig probate Mittel. Also Rüttgers und Kraft: weg mit Euch, Euch will keiner, neue Leute an die Macht.
Beutz (20.06.2010, 11:05 Uhr)
Rüttgers
ein Mensch der nichts einsieht. Warscheinlih kann er das gar nicht.
Liebe Grüße.
Rapunzelchen (20.06.2010, 11:05 Uhr)
Einer, der es nicht begreift ...
eher, der es nicht begreifen will. Wenn man derart überzeugt ist, die Wahl zu gewinnen, wie es der gute Herr Rüttgers war und sich entsprechend aufgeführt hat, ist es natürlich herbe, so auf die Schnauze zu fliegen. "Hochmut kommt vor dem Fall" - alte tibetanische Weisheit.

Es ist immer wieder schlimm, wenn Menschen nicht die Kurve kriegen und klammern, wenn keiner mehr sie haben will. Und was mach die Landesmutter? Sie soll ihn trösten. Zeit haben sie ja dann.

Alles ist besser, als Rüttgers. Ich finde seine ganze Art widerwärtig, überheblich und völlig unangebracht. Und deshalb: Es war gut, dass er am Wahlsonntagabend vom Thron gestossen wurde, auf den er sich trotz all' seiner Skandale festgekettet hatte: Bespitzelung, Rent-a-Rüttgers, seine Geschichten rund um Herrn Wüst, sine Selbsternennung zu Raus Nachfolger....Es reichte schon lange.
MEHR ZUM ARTIKEL
Ministerpräsidenten-Wahl in NRW Rüttgers tritt nicht gegen Kraft an

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rüttgers tritt bei der Neuwahl des Regierungschefs nicht gegen SPD-Chefin Kraft an. Er will auch nicht Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion werden. mehr...

NRW-Minderheitsregierung Kraft überholt sich selbst

Einfach nur irre: Am Mittwoch hat Hannelore Kraft noch erklärt, sie wolle in NRW in die Opposition gehen. Am Donnerstag bläst sie mit den Grünen zum Frontalangriff auf Rüttgers. Warum? mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe