HOME

Ein Rückblick auf 1995 und 2000: Rot-Grüne Gespräche in Nordrhein-Westfalen

SPD und Grüne führen zum dritten Mal Koalitionsverhandlungen in Nordrhein-Westfalen. 1995 und 2000 gab es viel Streit und stundenlange Nachtsitzungen. Doch diesmal soll alles ganz anders werden.

SPD und Grüne führen zum dritten Mal Koalitionsverhandlungen in Nordrhein-Westfalen. In den beiden ersten Runden - nach den Landtagswahlen 1995 und 2000 - gab es viel Streit und stundenlange Nachtsitzungen. Diesmal soll alles ganz anders werden, haben Sozialdemokraten und Grüne versichert. Ein Rückblick auf die früheren Koalitionsverhandlungen:

Der "Kulturschock" von 1995

Nach 15 Jahren Alleinregierung verliert die SPD bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit. Erst nach langem Zögern lässt sich Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) auf Koalitionsverhandlungen ein. Das Aufeinandertreffen in der NRW-Landesvertretung sei für beide Seiten ein "Kulturschock", sagt damals der Grünen-Politiker Reiner Priggen, der auch diesmal mit am Verhandlungstisch sitzt.

Genau einen Monat brauchen SPD und Grüne, um einen Vertrag auszuhandeln. Vor allem beim Streit um den Braunkohlentagebau Garzweiler II fahren sich die Verhandlungen immer wieder fest. Die SPD steht unter dem Druck von Großdemonstrationen von Bergleuten, die um ihre Arbeitsplätze fürchten. Am Ende setzt sie sich durch, die Grünen können Garzweiler II nicht stoppen. In den kommenden Jahren steht die Koalition bei Sonderparteitagen der Grünen mehrfach auf der Kippe.

2000: Clement will die Scheidung

Diesmal leitet Wolfgang Clement (SPD) als Ministerpräsident die Verhandlungen. Er möchte aus der ungeliebten Koalition heraus und trifft sich demonstrativ mit FDP-Chef Jürgen Möllemann, der die Liberalen spektakulär zurück in den Landtag geführt hat. Bei den Verhandlungen in der Staatskanzlei zeigt er deutlich, dass er vor allem die Zusammenarbeit mit Grünen-Umweltministerin Bärbel Höhn beenden möchte.

Clement kann sich in seiner Partei aber nicht durchsetzen. Mittlerweile regiert Rot-Grün auch im Bund und Kanzler Gerhard Schröder (SPD) will keine Belastung für seine Koalition. Nach dreieinhalb Wochen und einer Schlussrunde rund um die Uhr einigen sich SPD und Grüne im Morgengrauen des 7. Juni 2000 auf die Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit. Die Grünen müssen zahlreiche Zugeständnisse machen, Höhn spricht anschließend von "bitteren Entscheidungen". Fünf Jahre später sorgen die Wähler für das Aus von Rot-Grün.

DPA / DPA