Eröffnung wird erneut verschoben

6. Januar 2013, 20:22 Uhr

Die Blamage wächst: Die Eröffnung des Großflughafens Berlin-Brandenburg wird erneut verschoben. Frühestens 2014 soll er in Betrieb gehen. Die Grünen planen einen Misstrauensantrag gegen Wowereit.

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Flughafen Berlin, Klaus Wowereit, Flughafen Berlin-Brandenburg

In diesem Jahr wird der Flughafen Berlin-Brandenburg wohl nicht mehr eröffnet.©

Der Eröffnungstermin für den Berliner Großflughafen BER wird ein weiteres Mal verschoben. Der geplante Termin 27. Oktober 2013 ist nicht zu halten. Das bestätigten zwei zuverlässige Quellen am Sonntagabend der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, dass die Flughafen-Gesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) den Eröffnungstermin abgesagt habe. Aufgrund massiver Baufehler sei ein BER-Start frühestens 2014 möglich.

"Die FBB informierte am 18.12.2012 die Gesellschafter und die anwesenden Firmenvertreter (...) über die Terminabsage", zitierte die Zeitung aus einem Vermerk der BER-Baufirma. Technik-Chef Horst Amann habe eine Eröffnung 2013 ausgeschlossen. Hauptproblem sei, dass beim Brandschutz abweichend von der Baugenehmigung gebaut worden sei.

Hohe Zusatzkosten

Laut "Bild" schrieb die Bauaufsichtsbehörde am 28. Dezember 2012 einen mahnenden Brief an den Brandschutzplaner des Flughafens. Die Genehmigung zu erreichen werde "Zeit und Kraft verlangen", heißt es darin. Der zuständige Beamte habe vermerkt, er werde sich nicht "verbiegen, um den Murks zur Genehmigung zu führen".

Die Eröffnung des BER musste unter anderem wegen Mängeln beim Brandschutz schon mehrfach verschoben werden. Ende Dezember hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der Zeitung "Die Welt" gesagt, der Bund sehe Anzeichen dafür, dass auch der 27. Oktober 2013 als Eröffnungstermin nicht eingehalten werden könne.

Die Verzögerungen verursachen auch hohe Zusatzkosten. Medienberichten zufolge soll der Airport statt ursprünglich 2,8 mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten. Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt. Weitere Anteilseigner sind die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.

Misstrauensantrag gegen Wowereit

Mit der abermaligen Verschiebung gerät auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) unter Druck. Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop sagte der dpa, ihre Fraktion wolle noch in dieser Woche eine Sondersitzung des Abgeordnetenhauses beantragen und einen Misstrauensantrag gegen Wowereit stellen, der Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats ist. Wowereit soll nach Informationen der "Bild" Ende November der Berliner SPD seinen Rücktritt angeboten haben, falls der Flughafen-Start 2013 platzt. Wowereits Sprecher war am Abend für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

che/AFP/DPA
 
 
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