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7. Juni 2007, 13:28 Uhr
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Zivil-Polizisten als Steinewerfer?

Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, bekommen die Sicherheitsbehörden ein Problem: Angeblich haben sich bei der Blockade von Heiligendamm Polizisten in Zivil unter die Demonstranten gemischt und sie zum Steine werfen aufgefordert. Die Sondereinheit Kavala bestreitet die Aktion. Von Manuela Pfohl

Mit Polizisten in Uniform ist nicht zu spaßen - und auch nicht mit Beamten in Zivil?© Philipp Gülland

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei hat das Bündnis "Block G8" erhoben. So sollen fünf Beamte in Zivil bei der gestrigen Blockade von Heiligendamm umstehende Demonstranten dazu aufgefordert haben, Steine zu werfen. "Zumindest einer der Provokateure wurde von Bremer Demo-Teilnehmern als Polizist wiedererkannt", sagt Henning Obens vom Block G8-Bündnis. Obens erklärte, man habe Fotos von den Betroffenen gemacht und die Polizei aufgefordert, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Sollte die Polizei darauf nicht reagieren, werde man die Fotos veröffentlichen.

Der Vorfall habe sich gestern am frühen Abend an der Galopprennbahn hinter Bad Doberan ereignet. "Das waren fünf Leute, die wie Vertreter des schwarzen Blocks gekleidet waren und zum Teil vermummt waren. Sie sind uns aufgefallen, weil sie etwas abseits von der Blockade eine Gruppe tschechischer Demonstranten angesprochen hatten", so Obens. Als man sie zur Rede gestellt habe, hätten sich zumindest zwei der Provokateure hinter die Reihen der umstehenden Polizisten zurückgezogen.

Christoph Kleine, Sprecher des Block G8-Bündnisses erklärte dazu: "Ich habe immer mal wieder von solchen Aktionen gehört. Dass sie hier in Rostock auch passiert sind, hat mich aber überrascht." Vor diesem Hintergrund müsse man die Diskussion um die Ausschreitungen vom Samstag möglicherweise neu führen. Martin Dolzer vom Republikanischen Anwaltsverein kritisierte den Vorfall als "unverantwortlich". Man müsse sich fragen, ob die Polizei die Sicherheitsdebatte in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes mit Gewalt anheizen wolle.

Kavala-Sprecher Manfred Lütjann sagte: "Seitens der Polizei hat es und wird es keine angeordneten Aktionen à la "Agent Provocateur" geben. Sollte sich der Vorfall jedoch bestätigen und es sich dabei tatsächlich um Polizeibeamte handeln, dann wäre das eine Aufforderung zu einer Straftat und die werden wir strafrechtlich verfolgen." Auch eine Veröffentlichung von Fotos der Betroffenen sei im Interesse der Polizei. "Wir sind dankbar für jedes Beweismittel", so Lütjann.

Zum Gesamtverlauf des gestrigen Blockadetages sagte Christoph Kleine von Block G8: "Es ist ein großer politischer Erfolg für uns, dass wir rund 10.000 Leute für die Blockaden mobilisieren konnten und dass wir unser Recht auf Demonstrationsfreiheit auch innerhalb der Verbotszone durchsetzen konnten. Kleine kritisierte allerdings heftig, dass Kavala "bewusst gelogen und Falschmeldungen über die Blockaden verbreitet" habe. Kavala habe Meldungen herausgegeben, in denen Vermummungen, Steinwürfe und die angebliche Herstellung von Molotowcocktails unterstellt wurden. "Das hat definitiv nicht stattgefunden." Kleine sagte, man werde im Lauf des Tages darüber beraten, wann und wie die beiden Blockaden beendet werden. Vor der Galopprennbahn hätten etwa 1000 Demonstranten übernachtet. Bei Börgerende seien es rund 600 gewesen. "Jetzt allerdings haben wir auf beide Blockaden neuen Zulauf."

Von Manuela Pfohl
KOMMENTARE (10 von 56)
 
sachsenwini (10.06.2007, 13:13 Uhr)
Man kann einer Sache auch dadurch schaden, dass man sie besonders gut machen will.

Die unnatürlich aufgeheizte Stimmung schon in Vorbereitung des Gipfels, die weit übertrieben spektakulären Meldungen und die Sensationshascherei auf beiden Seiten waren schon unglaubhaft genug, aber damit, dass nun die Polizei selbst noch auf der Gegenseite nachhelfen wollte, hat sie die ganze Berichterstattung in ein sehr zweifelhaftes Licht gebracht.
Der Überwachungshysterie des Herrn Innenminister hat man damit einen Bärendienst erwiesen, und das ist auch wieder gut so.
jeanpierre_hintze (09.06.2007, 11:58 Uhr)
Abwarten....
...ob die Geschichte überhaupt noch etwas hergibt: Schliesslich fällt hier etwas übel auf: Die Rolle des Christoph Kleine. Dieser Lübecker Linksaktivist hat bereits jahrelange "Propaganda-Erfahrung": So inszenierte er bereits für die Lübecker Antifa angebliche "Verfassungsschutz-Spitzel", die keine waren aber - auch nichts anderes beweisen sollten, als das der Staat provozieren würde.
Und zu vergessen sind auch nicht die Safwan-Eid-Prozesse (Hafenstrasse 1996) - da wurden von der Gruppe Kleines massiv Zeugen eingeschüchtert, die sich den Theorien der linken "Prozessbeobachter" nicht unterordnen wollten. Ein Polit-Inszenierer.
Omega11 (09.06.2007, 00:22 Uhr)
Dementi vom Dementi
Startschuss zum Zweiten:
Die Polizei dementierte ihr Dementi.*gröl* Stöbele, der bekanntlich viele Staatsgeheimnisse kennen muss drückt sich dazu wahrhaft qualifiziert aus: "Absolute Sauerei"
So jetzt fehlt noch das die Staatsanwaltschaft entsprechende Zeugenaussagen von umstehenden Demonstranten aufnimmt und entweder der Bulle packt aus und verpfeift seine Kollegen wird vom Dienst suspendiert oder er packt nicht aus, verliert trotzdem seinen Job und wandert in den Bau.
Was ist mit den anderen vier Bullen die auch harmlose Demonstranten zu Starftaten angestiftet haben sollen. Wo bleibt die Schlagzeile auf der Titelseite von Stern. Das nächste wäre dann die Guantanamo ähnliche Abfertigung von Demonstranten. Ich habe noch bis vor kurzem an unseren Rechtsstaat geglaubt und an die Worte meines Vaters gedacht. "Nein so etwas würden die nie tun, wir leben doch in einem Rechtsstaat...Das könnten die niemals alleine durchziehen...Du glaubst doch nicht das dies alles mit Wissen der Führung passiert...Da gibt es doch Kontrollinstanzen..."
Sicher ! Eine einsamer Polizist überlegt sich---> ach da geh ich ma n bisschen Stunk suchen um meine Kollegen so n klein wenig auf Trab zu halten... *muahahaha* WO SIND DIE ANDEREN VIER !!! Enttarnt Sie !!! Warum sieht man auf den Bildern vom schwarzen Block Leute mit teuren Markenklamotten (sicherlich der typische Schwarzblockler) und warum berichten Demonstranten von Personen in Rostock die sich in Bussen am Stadthafen umgezogen haben, kurz bevor die Krawalle einsetzten ??? Jetzt müssen Köpfe rollen ! aber nicht die der Zivilbeamten...sondern die von Politikern ! DAS STINKT DOCH ZUM HIMMEL
Styrbjoern (08.06.2007, 17:53 Uhr)
@ollerdoller
Habe ich eben vergessen, noch was zum unpolitischen Beamten. Damit meine ich ausdrücklich nicht, daß ein Beamter keine persönliche politische Meinung haben darf (der Bundestag wäre dann noch leerer als sonst schon), er darf sich nur im Dienst nicht davon leiten lassen. Da der Herr Boldt aber im Einsatz war, mußte er sich bei politischen Äußerungen- und dazu kann bei böswilliger Auslegung des Beamtenrechts schon Kritik am Einsatz und/oder dessen Sinn gezählt werden - zurückhalten. Ich betrachte den Blog des Herrn Boldt eher als persönliche Info seiner Gefühle/Eindrücke und mehr soll´s ja auch nicht sein.
Styrbjoern (08.06.2007, 17:41 Uhr)
@blondyonly
Das Tagebuch des Herrn Boldt habe ich durchaus gefunden und *staun* gelesen. Aber in der Tat, Kommentare schreiben war nicht. Neu ist mir allerdings, daß in Rostock mit Dampfloks geschmissen wurde, da verstehe ich die Polizei in ihrem Vorgehen gleich viel besser bei solch bärenhaften Gegnern. Und Respekt.....sich als "NurBlond" zu outen und doch das Eigentor zu merken.
Ansonsten bleibt anzumerken, daß der überwiegende Protest genauso war wie demokratischer Protest sein sollte, eine friedliche Demonstration des Nichteinverstandenseins mit einem Vorkommnis.
Und sollten einige Polizeioberen tatsächlich "Animateure" entsandt haben, blieben die erfreulich erfolglos und damit war dem Anliegen der G8-Gegner wohl am besten gedient.
ollerdoller (08.06.2007, 16:41 Uhr)
Unpolitische Polizisten?
Wiederum Hallo!
Ich gebe einmal zu bedenken: Wir Deutschen haben in unserer Geschichte sehr schlechte Erfahrungen mit unpolitischen Soldaten und Polizisten gemacht. Die "ganz normalen Männer" (Herr Boldt, falls sie die Anspielung verstehen, bitte nicht gleich "Handeln" ;-)) ließen sich einfach steuern und zu allerlei anstiften. Doch lassen wir den historischen Hammer weg. Ich will keine reine Exekutoren politischen Willens in Polizeiuniform. Der Staatsbürger in Uniform, bezogen auf die BW, wird doch auch nicht in Frage gestellt, das Prinzip der Inneren Führung ist unumstritten. Vergleichbares darf ich doch für die im Innern eingesetzten Polizeikräfte gleich doppelt und dreifach erwarten. Alles wäre freilich nur halb so wild, wenn ich den politisch Verantwortlichen im Bund und den Ländern noch echtes Vertrauen entgegenbringen könnte, das jedoch will mir schon seit geraumer Zeit nicht mehr gelingen. Der Rechtsstaat zeichnet sich durch Selbstkontrolle und -beschränkung aus. Es darf nicht alles was theoretisch machbar und geboten wäre auch umgesetzt werden. Aber, in jedem Fall will ich besonnene, informierte und zur einer gewissen Selbstreflektion - und da meine ich mehr als individuelle Selbstbespiegelung - fähige Beamte, gerade auch wenn ihnen Personalverantwortung und eine Multiplikatorenfunktion zukommt.
Die Polizei in Rostock und vor Heiligendamm hat sich in den letzten sieben Tagen derart zum Brot gemacht, das ist schon nicht mehr feierlich. Die linke Hand weiß meist nicht was die rechte gerade tut, man streut Gerüchte, dementiert später, heißt plötzlich Hase, usw. Der wendige Kavala(rie)-Sprecher Falkenberg baut etwas auf, sein Kollege Claasen reißt es im nächsten Moment mit dem Hintern wieder um. Und das unprofessionelle Tagebuch ist da ja nur ein winziger Ausschnitt. Zunächst vermutete ich übrigens einen Fake, eine journalistische Schaufensterpuppe, mittlerweile glaube ich eher an die tatsächliche Existenz des POK, Name und biographische Details sind wahrscheinlich geändert. Interessant zu wissen wäre doch, ob die Texte vor der Veröffentlichung dem Pressestab der Kavala vorgelegt werden mußten.
@styrbbjörn, sie mißverstehen da etwas, lediglich die Kommentarfunktion für die stern.de-User wurde deaktiviert, dem Herrn Boldt ist nichts passiert. ;-) Mal sehen wie lange er uns noch mit Infos aus erster Hand versorgen darf.
blondyonly (08.06.2007, 16:26 Uhr)
@styrbjoern
was faselst du da???
das tagebuch ist nich abgestellt - sondern nur die kommentarfunktion (du hast das tagebuch also nicht gefunden und also auch nicht gelesen?!).
wenns "mollies" gab dann nur die dampflok.
und selbstverständlich muß ein scherge der staatsgewalt (das ist er übrigens aus freien stücken) politisch sein und zwar korrekt - jedenfalls in einem demokratischen rechtsstaat (also doch nicht...hmm... eigentor - mist).
fragz (08.06.2007, 16:16 Uhr)
Wenn man sowas liest....
....und sich dann mal noch den netten WDR Film vom G8 in Genua anschaut, kann ich schon verstehen, warum manche Leute (mich eingeschlossen) regelrechten HASS auf alle Bullen haben!
Ich habs erlebt, dass ich am Bahnhof meines Heimatstädtchens von mehreren volltrunkenen Erwachsenen grundlos verprügelt wurde am hellichten Tag, und die Polizeistreife die zufällig vorbeifuhr (in Sichtweite!) hat das nen Dreck intressiert.
Aber hauptsache rumheulen, über die bösen bösen Autonomen Steinewerfer, Bullen haben ja auch keine Schutzkleidung und Schutzfahrzeuge und so weiter mit denen sie ua. auch gegen Unbewaffnete pauschal Verdächtige vorgehen (und das nicht grade zimperlich).
Und ihr verdient ja auch soooo schlecht und müsst ja soooo oft den Kopf hinhalten und eure Gesundheit riskieren...mir kommen die Tränen.
Deswegen ist meiner Meinung nach jeder auf nen Bullen geworfene Stein sogar noch einer zu wenig! Immer drauf, die habens nicht anders verdient!
All Cops are Bastards!
mfg, Fragz
Styrbjoern (08.06.2007, 15:04 Uhr)
Mangelndes Demokratieverständnis
unterstelle ich einigen Postern hier.
Ich weiß nicht, welche Art Cop der POK Boldt ist. Ich finde nur so ganz persönlich, daß in einem demokratischen Staat auch die Polizei/der Polizist das Recht hat sich zu äußern, wenn es sein muß, genauso unqualifiziert wie einige andere Poster hier. Eben nur auf der anderen Seite des Zaunes stehend (paßt ja bei dem Anlaß). Wenn der STERN die "Ergüsse" des POK Boldt abgeschaltet hat, ist das in meinen Augen auch Zensur, denn die andere Seite darf sich ja weiterhin lauthals zu Worte melden.
Polizisten - insbesondere die jungen der Bereitschaftspolizei - werden von ihren Vorgesetzten gerne scharfgemacht und sei es durch bewußte Desinformation. Das weiß ich von eben jenen, meist noch jungen Beamten. Zustimmen kann man durchaus der Äußerung, daß die Ausbildung der Polizei in Sachen Staatsbürgerkunde, Demokratieverständnis etc. sicherlich Defizite aufweist. Diese sehe ich aber genauso auf der Gegenseite. Steine, Mollies und ähnliches sowie Demolierung anderen privaten und öffentlichen Gutes sind nun mal auch keine demokratisch legitimierten Argumente und dienen in keinster Weise einer Diskussion in demokratischem Sinne.
Ein Beamter soll auch gar nicht politisch sein, er ist der Verfassung und den Gesetzen verpflichtet. Ein politischer Beamter aber ist einseitig personen- bzw. parteienorientiert und läuft dann eben denen hinterher, evtl. den falschen und das hatten wir doch schon mal. Mit Sicherheit nimmt ein solcher "politischer" Beamter seine ihm per Verfassung übertragenen Aufgaben gewissermaßen mit Scheuklappen wahr. Wer solche Beamten will, dem empfehle ich (Garten-)Arbeit, denn die macht frei (im Kopf). Da ist mir der unpolitische POK Boldt aber tausendmal lieber. Aber ob der wirklich unpolitisch ist? Wir werden es nie erfahren, der STERN hat ihn ja abgeschaltet.
testsieger2006 (08.06.2007, 14:51 Uhr)
@ollerdoller
Mein Gott, was sind sie denn für ne komische Type? (1) machen sie sich doch bitte um das Image der Polizei keine Gedanken... lichtscheue Elemente, Berufsdemonstranten, Gewalttäter, Linksfaschisten, aber auch pseudointellektuelle Hanselmänner ändern ihre Meinung über die Polizei sowieso nie. Da ist es völlig egal wer was schreibt. Die Gewalt geht für solche Leute eh immer von der Polizei aus. (2) Sie haben einen Hang zu dramatisieren und unterschiedlich zu gewichten. Stalingrad pffff... (3) Die Schilderungen sind also krotesk und peinlich??? soso! Der Mann hat besseres zu tun, als von ihnen den Scheffelpreis zu bekommen. (4) Und jetzt werden sie deutlich: Wieso in aller Welt soll den der Mann politisch sein??? Der ist Polizist und soll ein Demonstrationsverbot durchsetzten.... und nicht als "Politkomissar" ihre Meinung vertreten. (5) "Teil des Frontends des Institutionengefüges der BR Deutschland ".... was ein Dummgelaber!!!! Aus welcher Argumentationsfibel ist denn der Schrott? (6) Miltärjargon... och bitte. Hätten da "echte Bundeswehreinheiten" mit Wehrplichtigen gestanden, dann hätten sie für die Steinewerfer beten können. Ich bewundere die Geduld der Polizei.
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