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Frank S. - der Mann, der Henriette Reker niederstach

Bei der Tat soll er gerufen haben: "Ich tue es für Eure Kinder": Frank S., der Kölns neue Oberbürgermeisterin Henriette Reker vor der Wahl mit einem Messer schwer verletzte, handelte aus Fremdenhass. Wer ist der Mann?

Attentäter von Köln ist schuldfähig

Ein Plakat von Henriette Reker am Ort des Attentats: Während die 58-Jährige im Krankenhaus im Koma lag, wurde sie zu neuen Kölner Oberbürgermeisterin gewählt.

Zwei Tage nach dem Anschlag in Köln ist Henriette Reker außer Lebensgefahr und die künftige Oberbürgermeisterin der Domstadt. Frank S., der Reker auf dem Marktplatz im Stadtteil Braunsfeld mit einem Bowie-Messer in den Hals stach, sitzt in Untersuchungshaft und muss sich wegen versuchten Mordes und mehrfacher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Wer ist der Mann, der offenbar eiskalt und berechnend versucht hat, die Politikerin beim Wahlkampf umzubringen? Und warum schreckte er nicht einmal vor einem Mord zurück, um zu verhindern, dass Reker in Köln an die Macht kommt?


"Ich befreie euch von solchen Leuten"

Frank S. wurde nach Angaben der "Bild"-Zeitung in Düsseldorf geboren und wohnt seit 15 Jahren in Köln. Der 44-Jährige ist gelernter Maler und Lackierer, hat aber seit Jahren keine Arbeit und erhält Hartz IV. Nachbarn im Ortsteil Nippes, wo er allein in einer Wohnung lebt, beschrieben den Deutschen der Polizei zufolge als unauffällig. Nähere Kontakte habe er nicht unterhalten, erklärte Ermittlungsleiter Norbert Wagner. Ein psychologisches Gutachten ergab, dass der mutmaßliche Angreifer bei seinem Anschlag voll schuldfähig war.

Das bislang bekannte Motiv für die Tat, bei der Frank S. neben Reker noch vier weitere Menschen verletzte, war Fremdenhass. Bei seiner Vernehmung kurz nach dem Angriff habe er sinngemäß gesagt: "Ich habe das wegen Rekers Flüchtlingspolitik" getan, teilte die Polizei mit. Einem Augenzeugen zufolge rief der 44-Jährige "Ich rette den Messias. Das ist alles falsch, was hier gemacht wird. Ich befreie euch von solchen Leuten", als er Henriette Reker niederstach, berichtet "Spiegel Online". Laut der "Allgemeinen Zeitung Mainz" rief er "Ich tue es für Eure Kinder". Reker war vor der Wahl als Kölner Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Domstadt zuständig. Sie hatte sich im Wahlkampf wiederholt für die Integration von Asylbewerbern ausgesprochen.


Bei Nazi-Veranstaltungen mitmarschiert

Das rechtsradikale Motiv passt zu dem, was sonst noch über das Leben von Frank S. bekannt ist: Nach Angaben der antifaschistischen Gruppe Antifa Bonn/Rhein-Stieg ist er ein bekannter Nazi. In den 90er-Jahren sei der damals in Bonn-Beuel Wohnende in der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) organisiert gewesen und bundesweit bei Naziaufläufen mitmarschiert. Der "Bild"-Zeitung zufolge soll er während seiner FAP-Zeit zu Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime aufgerufen haben. 1997 sei er zudem wegen Raubes und Körperverletzung in Haft gekommen.

Die FAP war eine aggressive, gewalttätige Gruppe von Rechtsextremen, die 1995 verboten wurde. Eine ihrer Hauptfiguren war der Dortmunder Siegfried Borchardt, auch bekannt als "SS-Siggi". Borchardt gehört zu den bekanntesten Neonazis in Deutschland.

Frank S. habe bei seiner Vernehmung eingeräumt, dass er vor 20 Jahren in der rechten Szene aktiv war, seither aber nicht mehr, berichtet "Spiegel Online" unter Berufung auf Behördenkreise. Zuletzt sei S. jedoch mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen.

Eine Überraschung gab es offenbar für die Polizei, als sie die Wohnung von Frank S. in Köln-Nippes durchsuchte. In seinem Computer fehlten nach Angaben des WDR die Festplatten. Die Ermittler konnten demnach auch keine Notizen, Dokumente oder Papiere finden. Es scheint, als hätte der 44-Jährige die Tat gründlich vorbereitet. 

mad

Kommentare (1)

  • Default Author
    Stern-Moderation

    Was für eine grauenvolle Tat. Wer ist der Mann, der Henriette Reker niederstach? Müssen unsere Politiker besser geschützt werden bzw. kann man solche Verbrechen überhaupt verhindern?

  • stern-Moderation
    Wir verabschieden uns für heute und schließen die Kommentare unter diesem Artikel. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an sterncommunity@stern.de /tsy
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