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24. Februar 2010, 15:04 Uhr

"Das ist nicht zu verantworten"

Eine Berliner Agentur spähte das Privatleben von Oskar Lafontaine und Franz Müntefering aus. Die Rechercheaufträge kamen von der "Bunten". stern.de sprach darüber mit dem Leipziger Medienwissenschaftler Michael Haller.

© Uni Leipzig Michael Haller ... ist ist Professor für Allgemeine und Spezielle Journalistik in Leipzig. Vor seiner Berufung arbeitete er für "Spiegel", "Zeit" und "Weltwoche". Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist Medienethik. Weitere Infos unter:
www.uni-leipzig.de

Professor Haller, eine private Foto- und Ermittlungsagentur hat versucht, das Privatleben von Politikern wie Oskar Lafontaine und Franz Müntefering auszuspionieren. Die Rechercheaufträge kamen von der Zeitschrift "Bunte". Wie beurteilen Sie das aus medienethischer Sicht?

Wenn Journalisten nicht mehr selbst recherchieren, sondern Agenturen oder Privatdetektive damit beauftragen, ist das nicht zu verantworten. Da leisten Redaktionen nicht mehr, was ihre Kernkompetenz sein müsste, nämlich zu recherchieren. Das ist eigentlich kein Journalismus mehr.

War es aus Ihrer Sicht journalistisch zulässig, über eine mögliche Affäre zwischen dem Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine und der Linke-Abgeordneten Sahra Wagenknecht zu recherchieren?

Damit hätten durchaus relevante politische Fragen verbunden sein können. Weil beide politisch aktiv, Mandatsträger mit Entscheidungskompetenzen sind, wären das Verstrickungen, die das Politische und das Private untrennbar verschmelzen ließen.

Und die neue Beziehung zwischen Franz Müntefering und seiner heutigen Frau Michelle, die die "Bunte" ab Herbst über eine private Agentur versuchte zu belegen - war das zu Recht ein Thema für eine Recherche?

Nein, das halte ich für berufsethisch unzulässig. Die Privat- oder gar die Intimsphäre von Franz Müntefering hat mit seinem politischen Mandat schlicht nichts zu tun.

Könnte die "Bunte" nicht argumentieren, dass Müntefering öffentlich über die Trauer um seine Ende Juli 2008 verstorbene Frau sprach und deshalb die Frage nach seinem Privatleben berechtigt wäre?

Ganz klar nein. Es ist ein Menschenrecht, selbst zu entscheiden, wie man trauert. Und es ist sein ganz normales Menschenrecht, selbst zu entscheiden, mit wem er sich wie und wann befreundet.

Interview: Hans-Martin Tillack
 
 
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