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6. Oktober 2009, 06:56 Uhr

FDP will Hartz IV abschaffen

Allen Beteuerungen zum Trotz: Bei den Verhandlungen von Union und FDP treten die Reibungspunkte immer deutlicher zu Tage. Insbesondere in der Sozialpolitik will die FDP einen radikalen Systemwechsel.

Koalitionsverhandlungen, CDU, FDP, Union, Hartz IV, Berlin, Merkel, Westerwelle

Gemeinsamer Auftritt: Die Koalitionsgranden Horst Seehofer (CSU), Angela Merkel (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) vor dem Auftakt der Koalitionsgespräche© Gero Breloer/AP

Union und FDP drücken bei den Gesprächen über eine schwarz-gelbe Bundesregierung auf's Tempo. Schon der erste Verhandlungstag dauerte fast neun Stunden - die Wunschkoalitionäre sprachen alle Themenfelder an. Zugleich dringen einzelne FDP- Politiker weiter auf Zugeständnisse - besonders bei der Inneren Sicherheit. Der hessische FDP-Vorsitzende und Justizminister Jörg-Uwe Hahn forderte Änderungen am Gesetz über die Kompetenzen des Bundeskriminalamts (BKA). "Wir wollen nicht, dass es Angriffe auf Privat-PCs gibt", sagte Hahn der "Frankfurter Rundschau". "Wir möchten das System wieder umdrehen."

Nach Abschluss des ersten Gespräche in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Berlin bemühen sich Union und FDP demonstrativ um Harmonie. Schon am heutigen Dienstag geht es in den zehn Arbeitsgruppen mit intensiver Detailarbeit zur Sache, damit die Regierung vielleicht bis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November steht. Die Arbeitsgruppen können unabhängig über ihren Zeitplan bestimmen. Bis spätestens zum 16. Oktober sollen erste Ergebnisse vorliegen.

"Es war eine sehr gute Stimmung, es war ein sehr guter Tag", sagte FDP-Chef Guido Westerwelle am späten Montagabend in Berlin. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) stellte fest: "Wir sind sehr, sehr weit gekommen. Es hat überhaupt nirgendwo gehakt. Es hat keinen Punkt gegeben, an dem wir gesagt hätten: "Da kommen wir nicht klar"." Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sprach von einem "angenehmen Tag". In der Woche nach der Bundestagswahl hatte zwischen den Parteien noch teils harsche Vorhaltungen gegeben. Personalfragen standen zunächst nicht zur Debatte und keine Seite wollte nach den ersten Gesprächen echte Konfliktpunkte erkennen.

FDP will Bürgergeld statt Hartz IV

Neu in den Fokus gerückt ist inzwischen der Berech Arbeit und Soziales. Dort beharrt die FDP auf einer Abschaffung von Hartz IV. "Wir wollen Hartz IV durch ein leistungsfreundlicheres und arbeitsplatzschaffendes Bürgergeld ersetzen", sagte der Finanzexperte der Liberalen, Hermann Otto Solms, der Tageszeitung "Die Welt". Solms wird als künftiger Bundesfinanzminister gehandelt und steht mit Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) der Steuer- und Finanzarbeitsgruppe vor. Solms verwies darauf, dass es auch in der Union Befürworter eines solchen Systemwechsels in der Sozialpolitik gebe.

Die Einführung eines Bürgergelds hätte nach den Plänen der FDP zur Folge, dass alle Sozialleistungen, die sich aus Steuern finanzieren, zusammengefasst werden. Dazu zählt die Partei das Arbeitslosengeld II einschließlich der Leistungen für Wohnen und Heizung, das Sozialgeld, die Grundsicherung im Alter, die Sozialhilfe, der Kinderzuschlag und das Wohngeld. Die FDP stellt sich eine Summe von insgesamt 662 Euro vor. Solms verspricht sich von der Reform weniger Bürokratie, eine geringere Missbrauchsquote sowie stärkere Anreize zur Arbeitsaufnahme.

"Die Leistungen werden beim Bürgergeld grundsätzlich pauschaliert gewährt und von einer einzigen Behörde, dem Finanzamt, verwaltet", heißt es im FDP-Wahlprogramm. Die Aufnahme einer eigenen Erwerbstätigkeit solle mit dem Bürgergeld "stärker gefördert und anerkannt" werden als bisher. Bei Ablehnung einer zumutbaren Arbeit soll das Bürgergeld gekürzt werden. Solms verspricht sich von der Reform weniger Bürokratie, eine geringere Missbrauchsquote sowie stärkere Anreize zur Arbeitsaufnahme. "Mit dem Bürgergeld können die Betroffenen ein jeweils höheres Nettoeinkommen erzielen", sagte er

In der Vergangenheit hatten sich etwa auch Thüringens Nochministerpräsident Dieter Althaus (CDU) und der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, für die Einführung eines Bürgergelds ausgesprochen.

Zähes Ringen bei der inneren Sicherheit

Auch bei der Inneren Sicherheit dürfte hart um Kompromisse gerungen werden. Der hessische FDP-Vorsitzende Hahn sagte an die Adresse der Union, die eine Änderung des BKA-Gesetzes bislang ablehnt: "Ich habe das Gefühl, dass die Kollegen der Union in den letzten Jahrzehnten keine Koalitionsverhandlungen mehr geführt haben. Sie können nur verlieren." Für Kompromisse müsse jeder von Positionen abrücken. Hahn gehört der Arbeitsgruppe Innen und Recht an.

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht dagegen gute Chancen für eine Einigung auch bei diesem Streitthema. Zwar könne es bei Fragen der Sicherheit keine Kompromisse geben. Die CSU sei aber schon immer dagegen gewesen, "dass sich die Neugier des Staates immer tiefer in die Privatheit der Bürger hineinfrisst", sagte Ramsauer am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Seine Partei sei immer dafür eingetreten, die Bürgerrechte zu gewährleisten.

Der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs forderte Beschlüsse für konkrete Einsparungen im Bundeshaushalt. "Einsparungen sind in nennenswertem Umfang möglich. Hier kann eine schwarz-gelbe Koalition viel Sinnvolles auf den Weg bringen", sagte er der "Neuen Presse". Dabei dürfe es keine Tabus geben: "Wir wollen, dass alle Ausgaben, alle Förderprogramme und Subventionen auf den Prüfstand gestellt werden - ohne Ausnahme", meinte Fuchs. Bei der Bundesagentur für Arbeit könne "manches überflüssige Förderprogramm", gestrichen werden.

Der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow forderte, der Aufbau Ost solle künftig im Wirtschaftsministerium angesiedelt werden. "Auch 20 Jahre nach der Wende muss es jemanden geben, der den Aufbau Ost koordiniert", sagte Zastrow der "Leipziger Volkszeitung". Der bisherige Verkehrsminister und Ost-Beauftragte Wolfgang Tiefensee (SPD) sei mit der Aufgabe überfordert gewesen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 83)
 
UNITOFLOVE (07.10.2009, 01:47 Uhr)
Hartz IV abschaffen ?
Den Menschen die Hartz IV beziehen denen geht es nicht um eine Namensänderung von Hartz IV auf Bürgergeld, Hartz IV abschaffen heißt noch schlechtere Konditionen die eine progressive Versklavung der Bevölkerung mit sich zieht. Warum wird nicht beim Verteidigungsetat der Bundesrepublik der seit 2006 wieder stetig mit rund 31,2 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht warum werden so verantwortungslos Milliarden ausgegeben ?
obiwan72 (06.10.2009, 15:23 Uhr)
@kunoo
"Unser demographischer Faktor hängt maßgeblich damit zusammen, dass es sich Paare (zunehmend aus dem Mittelstand!) heute nicht mehr leisten können, Kinder in die Welt zu setzen, bzw. Kinder heute zu einem Armutsrisiko werden. Diese Gesellschaft und insbesondere ihre 'Eliten' sind absolut krank!"

Einverstanden. Ihre Argumentation steht nicht im Wiederspruch mit meiner. Das Problem eines überregulierenden Staates ist, dass er der Realität, der Marktdynamik immer hinterher läuft. Es wäre nach meinem Verständnis sinnvoller, kluge Rahmenbedingungen (Spielregeln, Gesetze) zu schaffen, innerhalb derer sich der Markt selbst reguliert (mit dem Staat als Beobachter und Wächter).
An erster Stelle muss der Wiedereintritt in eine ordentlich bezahlte Arbeitswelt vereinfacht und somit ermöglicht werden.
Kopplung der Löhne an Manager Gehälter: Dazu muss man wissen, dass sich im mittleren und oberen Management ALLES um den variablen Teil des Gehalts dreht (die viel diskutierte "Bonus" Frage). Der Basislohn der Belegschaft, insbesondere aber der variable Lohnanteil sollte deshalb an die Managergehälter gekoppelt werden. Die Folge wäre, dass die Modelle anhand welcher die variablen Kompensationen von Managern berrechnet werden in vielen Fällen überarbeitet werden müssten (eine allzu steile Progression zu gunsten einiger weniger wäre dann wegen der Hebelwirkung kaum mehr finanzierbar). Spitzenboni in Bereichen von dutzenden von Millionen Euros würden für Unternehmen somit untragbar. Last but not least wären alle Arbeitnehmer in Form ihres variablen Gehaltanteils am Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens beteiligt und der Kuchen gerechter verteilt.

Familien würden auf diese Weise profitieren, da sie mehr Geld in der Tasche hätten (ebenso der Staat mit den Steuereinnahmen).

Was die Unsicherheit im Arbeitsmarkt betrifft: Es ist wohl eine Tatsache, dass die meisten von uns nicht in dem Betrieb zur Rente gehen werden wo wir in jungen Jahren ausgebildet wurden. Deshalb wäre es richtig und angebracht, eine Politik zu fahren, die es Unternehmen ermöglicht flexibel feste Arbeitskräfte anheuern zu können. Warum haben wir Angst vor dem Arbeitsverlust? Weil wir wissen, dass es sehr schwer ist einen neuen Job zu finden. Genau das gilt es zu verändern!
Dann kann man auch eine Familie planen.
Zur Zeit liefert der Staat (und die Gewerkschaften) den Zeitarbeitsfirmen mit dem Kündigungsschutz ein vorzügliches (und langfristiges) Business Modell.
Administrator (06.10.2009, 14:32 Uhr)
@rockyciano
Vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Dabatte hat sich in den letzten Stunden inhaltlich weiter entwickelt. Natürlich sollte es in erster Linie um exakt das Thema des Artikels gehen, allerdings können wir den Diskussionsverlauf an dieser Stelle gut nachvollziehen, ebenso wie jeder Leser von außen das tun kann.

Insofern besteht für uns kein Grund, hier Postings zu löschen. Zumal die Debatte an dieser Stelle engagiert, aber sehr sachlich und argumentativ verläuft. Dafür einmal an alle ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten! Es ist toll zu sehen, dass das so geht :-)

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Robbespierre (06.10.2009, 14:24 Uhr)
@rockyciano
Ein kurzer Erklärungsversuch, denn heute hab ich nicht mehr viel Zeit, leider.

Was hat China mit Hartz IV zu tun?
Zunächst einmal unterstelle ich den meisten Hartz-IV Empfängern, dass sie gerne arbeiten würden, es aber nicht können, weil es nicht genügend Arbeitsplätze gibt. Diese befinden sich mittlerweile mehrheitlich in China. Also geht es mir darum, die Ursachen für das Abwandern der Arbeitsplätze sowie die Massenarbeitslosigkeit zu benennen und zu beseitigen. Selbstverständlich haben HARTZ IV Empfänger andere Sorgen, als die Weltpolitik, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Dennoch ist eben die Weltpolitik bzw. die Globalisierung der Arbeitsmärkte für die Massenarbeitslosigkeit verantwortlich.
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Wie das?
Zunächst mal sind durch das gewaltsame Abbauen von Schutzzöllen eine ganze Reihe an Arbeitsplätzen nach China verlagert worden, vor allem Arbeitsplätze aus der Produktion. Dadurch sind hierzulande mehr Arbeitsplätze verloren gegangen als dass neue entstanden sind. China schützt sich nämlich durch Importzölle, weswegen die europäische Industrie ein großes Interesse daran hat, dort zu produzieren, weil sie dort aufgrund der chinesischen Schutzzölle sonst nichts verkaufen kann. Und weil die Löhne in China mit 50-90 Euro pro Monat so billig sind, wird auch gleich noch für unseren Markt mit produziert. Dadurch werden unsere Arbeitsplätze vernichtet und wir finden keine Arbeit. User wie malibuli finden das sehr gut, weil es den Lauf der Welt widerspiegelt, raten aber davon ab, daß wir uns und unsere Arbeitsplätze ebenso schützen, wie es die Chinesen tun. Hartz IV Empfänger haben durch die billigen Arbeitsplätze in China zwar günstigere Fernseher zur Auswahl, aber können sie sich aufgrund des geringen Hartz IV Satzes trotzdem nicht mehr leisten. Hätten die Arbeitslosen durch europäische Importzölle und Einfuhrverbote für chinesische Waren wieder Arbeit, könnten sie sich auch den etwas teureren Fernseher aus europäischer Produktion kaufen, so wie sie sich dann überhaupt wieder etwas leisten würden. Aber das will malibuli nicht, weil es seiner neoliberalen Theorie zuwider läuft. Für ihn gilt: Was nicht sein darf, kann nicht sein.

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Mein Argument ist es, daß wir ebenso Schutzzölle benötigen, um uns vor der Dumpingkomkurrenz aus China zu schützen, so dass hierzulande Produktionsstätten errichtetet werden, die Arbeit liefern und wodurch unsere Löhne stabil bleiben. Gibt es mehr Arbeit, entsteht zudem wieder so etwas wie ein Arbeitsmarkt, auf dem der Arbeitnehmer angemessenere Löhne einfordern kann. Hartz-IV Leute würden dann auch wieder Arbeit finden.
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Aber nochmal spezifischer:
Hartz IV ist eine Einschüchterungsmaßnahme der Industrie, die meint, weil Arbeit in China so billig ist, müssen wir auch so billig werden. Wie das? Da hierzulande die Gewerkschaften stark waren und nicht von dem in Jahrzehnten erkämpften Lohnniveau runter wollten, musste sich das Kapital etwas einfallen lassen, um den Leuten Angst vor der Arbeitslosigkeit zu machen, damit die Löhne gesenkt werden konnten. Die Maßnahme zur Angsterzeugung heißt Hartz IV. Plötzlich waren die Leute so eingeschüchtert, daß sie Lohnsenkungen zustimmten.
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Als Folge gibt es nun eine Lohnspirale nach unten, unter der die gesamte Volkswirtschaft leidet. Es entstehen noch mehr Arbeitslose, weil der Binnenmarkt futsch ist, außerdem steigen die Sozialkosten und es resultiert daraus vermutlich bald eine Senkung der Hartz Bezüge, so wie die FDP das jetzt schon will. Ergo: Den Hartz-leuten wird es durch die neoliberale Chinapolitik und das damit verbundene globale Ausspielen der Arbeitnehmer gegeneinander noch schlechter gehen als zuvor. Ich denke schon, daß sich ein Hartz-IV Bezieher für diesen Zusammenhang interessiert.
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Meine neoliberalen Gegner wie Malibuli glauben, daß man auch für 100 Euro satt wird, deswegen wollen sie Hartz IV entsprechend kürzen. Diese Leute gehören zu den Verteidigern der Globalisierung und reden chinesischen Interessen das Wort. Sie finden es gut, dass in China viel produziert wird, denn dadurch steigt das statistische Einkommen der Weltbevölkerung theoretisch an und ihre neoliberale Ideologie wird bestätigt. Was sind schon 5 Millionen verarmte Deutsche gegen 50 Millionen Chinesen, die 90 Euro pro Monat verdienen? Nichts und genau deshalb stimmt auch die neoliberale Theorie wieder. In der Theorie. Das hat schon eine gewisse Logik, denn wenn es mit der Lohnabwärtsspirale so weitergeht, sinken auch wir auf chinesisches Lohnniveau und müssen uns von 90 Euro ernähren, wenn wir Arbeit haben. Wenn nicht, dann verhungern wir ebenso wie gegenwärtig die Arbeitslosen in China. Davor wird Hartz IV abgeschafft, damit jeder Arbeitslose lieber wie in China in einem Käfig auf dem Fabrikareal lebt und 16 Stunden arbeitet, statt zu verhungern. Diese neoliberale und globalisierungsfreundliche Perspektive von Malibuli und Konsorten würde mich als Hartz IV Bezieher allerdings schon interessieren. Meinen Sie nicht? Ich hoffe auf ihre Frage ausreichend geantwortet zu haben.
nightmare_online (06.10.2009, 13:29 Uhr)
@malibuli
LOL, ich finds ja immer äusserst niedlich, mit welcher Inbrunst mancher immer noch das Mantra der Neolineralen nachbetet. Fakt hingegen ist, das China mit Massnahmen "großgeworden" ist, die ziemlich genau das Gegenteil der neoliberalen Rezepte sind. Erst nachdem die Entwicklung in China begonnen hatte, öffnete sich das Land etwas. Und ob die Liberalisierung den Millionen Wanderarbeiter in China ein steigendes Einkommen oder gar Wohlstand gebracht hat, darf wohl bezweifelt werden.
Ebenso Fakt ist es, das KEIN EINZIGES der Schwellenländer, wo die Neoliberalen sich ausgetobt haben, heute relativ besser dasteht als vor 40 Jahren.
In den USA hinterließ Reagans Politik einen unfassbaren Schuldenberg, und einen rasant gestiegenen Anteil Bürger unterhalb der Armutsschwelle (die gleichen Rezepte werden heute übrigens von der FDP als Heilsbringer verkündet).
Liberalisiserung (in dem heute allgemein benutzen Sinne) führt - im Gegensatz zu den gerne kolportierten Propaganda-Märchen - vor allem dazu das die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft.
rockyciano (06.10.2009, 13:08 Uhr)
@DEBRASSEUR
Es stört mich überhaupt nicht, wenn Dinge beim Namen genannt werden. Ich halte es auch für wichtig, wenn UNGERECHTIGKEITEN angeprangert werden. Es geht aber nicht an, dass ein Land dabei hervorgehoben wird. Was ist mit den Dumpinglöhnen in Indien, Südamerika.......... oder sogar in der EU Portugal und Griechenland ???? Sie können sehen, dass die Globalisierung ein sehr komplexes und schwieriges Thema ist............ hat aber mit unserer Gesetzgebung zu Hartz IV nichts zu tun oder ???
rockyciano (06.10.2009, 12:42 Uhr)
@robbespierre
Ich gehe davon aus, dass den HARTZ IV Empfängern ganz andere Sorgen und Ängste plagen als die Dumpinglöhne in China. Bitte erklären Sie mir den Zusammenhang zwischen der Gesetzgebung von HARTZ IV hier und jetzt in Deutschland und der Wirtschaft in China.......... vielleicht bin ich ja unterbelichtet ??
knilch_59 (06.10.2009, 12:35 Uhr)
@figaroo: angeblich hohe Steuersätze verschleiern, ...
..., welche Unsummen davon wieder auch an die Gutverdiener ausgeschüttet werden. Wenn Sie 1950 mit heute vergleichen, kommen Sie dahin, dass man damals weder soviel absetzen konnte (mangels Pendlern gab es keine Pendlerpauschale), noch soviel zurückbekommen hat: Arbeitnehmer-Sparzulage, Riester-Förderung, Zuschüsse für dies und jenes. In der Betrachtung der Steuerlast wird zuviel verkürzt: Das zu versteuernde Einkommen ist nun mal nicht das Brutto, und noch nicht mal das Finanzamt weiß, wie viel von den Steuern, die ein Gutverdiener erstmal gezahlt hat, auf anderen Wegen doch wieder an ihn zurückfließen! Die staatlich verordnete kollektive Wurstschnapperei nach Steuervergünstigungen treibt in den Wahnsinn!
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Derzeit sind wir in der Debatte aber auch nicht beim Steuersystem, sondern beim Bürgergeld, und das im Gegensatz zu Hartz-IV. Der Knackpunkt in der Herangehensweise ist dabei die Frage, inwieweit der Staat, also wir, akzeptiert, dass ein zu großer Teil der Bevölkerung seinen Unterhalt nicht aus Erwerbseinkommen oder Vermögen decken kann, und wem er "die Schuld" daran zuweist: ist das Faulheit, mangelnde Anpassungsbereitschaft, oder sonst etwas, das den Staat berechtigen würde, erzieherisch einzugreifen, oder ist das unverschuldete Not, wo die Hilfe an erster Stelle stehen müsste. Jetzt gehen die Probleme los: wir wissen, es ist beides, aber der Staat ist nicht gewillt (oder nicht fähig), nach den Gründen zu trennen. Dementsprechend wird in der Debatte immer überzogen, wahlweise in jede Richtung!
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Sollte der Artikel 20 des Grundgesetzes noch gelten (Sozialstaatsgebot), dann DARF der Staat seine Sozialleistungen NICHT daran orientieren, wie viel denn die Steuerzahler abzudrücken gewillt sind. Das ist aber der Weg, der seit Hartz begangen wird und jetzt verfestigt werden soll. Es wird nach weiteren Einsparungsmöglichkeiten im Bereich der sozialen Sicherung gesucht, um die Steuerlast zu drücken. Aber um die Frage der objektiven Bedürftigkeit drückt man sich, weil dann ganz schnell deutlich würde, wo der Hase im Pfeffer liegt.
GIWI (06.10.2009, 12:34 Uhr)
HartzIV abschaffen!
Längst hätte HartzIV abgeschafft werden müssen, es vernichtet nicht nur eine Generation, sondern gleich mehrere. Konsequenz daraus die Armut und Altersarmut, Kinderarmut und Vereinsamung durch Ausgrenzung aller Beteiligten. Ich nenne das absolut unsoziale, ja sogar asoziale Deutschlandpolitik.
malibuli (06.10.2009, 12:09 Uhr)
@Robbespierre
Falsch, wir könnten unseren Lebenstandard einschränken und inländische Produkte kaufen. Aber warum für einen Fernseher 3000 Euro bezahlen, wenn er im Media Markt 500 kostet und ich mit den verbleibenden 2500 Euro noch ganz viel China-Produkte kaufen kann. Jeder ist sich selbst der nächste.
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