Brauchen wir die Pkw-Maut?

27. August 2009, 14:41 Uhr

Staus überall und miserable Straßen - und dennoch geschieht wenig, denn Deutschland fehlt das Geld, um die Verkehrswege zu modernisieren. Ist die Einführung einer Pkw-Maut die Lösung?

Flexible Gebühren für ein besseres Verkehrswesen

Wir zahlen viele Gebühren, für unseren Müll, unser Abwasser, für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Warum also nicht für die Benutzung von Straßen? Gebühren werden im Gegensatz zu Steuern zweckgebunden erhoben. Eine PKW-Maut würde also voll und ganz für den Ausbau und die Sanierung von Infrastruktur zur Verfügung stehen. Der Bedarf ist weiterhin groß, trotz Konjunkturpakets: Auf kommunaler Ebene ist für den Erhalt von Straßen etwa zehnmal so viel Geld nötig wie zurzeit zur Verfügung steht. Klar ist, dass die KFZ- und Mineralölsteuern gesenkt werden müssten. Es geht nicht darum, dem Autofahrer noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Deutschland steht vor einem Kollaps, wenn der Verkehr auf den Straßen weiter so stark wächst wie in den letzten Jahren. Die Antwort kann nicht sein, dass man dauernd neue Straßen baut. Man kann den Verkehr auch intelligent steuern. Dafür ist eine Maut sinnvoll. Die Gebühren könnte man je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen staffeln, man könnte Autobahnen billig und Straßen in Wohngebieten teuer machen. Ein gutes Beispiel ist London: Dort wurde vor sechs Jahren die Citymaut eingerichtet. Seitdem hat sich der Verkehr um 20 Prozent verringert. Und die Autos fahren schneller, im Durchschnitt mit 18 Kilometern pro Stunde statt nur mit neun.

Ziel müsste es sein, die Fixkosten des Autos niedrig zu halten, die variablen Kosten aber zu erhöhen. Wer viel fährt, soll viel zahlen. Deshalb würde ich eine Maut, die nach Kilometern abrechnet, einer Jahresvignette vorziehen. Mehr Menschen würden dann auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen, wenn sie spüren, was sie für die Benutzung der Straße konkret zahlen. In der Stadt gäbe es viel mehr Fahrradfahrer. Die Maut hätte also auch einen ökologischen Effekt.

Der Staat würde von einer PKW-Maut ebenfalls profitieren: Mit Senkung der Mineralölsteuer würde das Benzin billiger. Es gäbe dann weniger Tanktourismus in die Nachbarländer. Mehr Menschen würden hier tanken und damit mehr Mehrwertsteuern einbringen.

Zuletzt die Frage der Gerechtigkeit: Wenn wir nach Österreich, Italien oder in die Schweiz in den Urlaub fahren, dann zahlen wir wie selbstverständlich für die Benutzung der Autobahnen. Warum sollen Autofahrer nicht auch hier bezahlen, wenn sie unsere Straßen benutzen?

Gerd-Axel Ahrens, 60, ist Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrs- und Infrastrukturplanung an der Technischen Universität Dresden und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Bundesverkehrsministerium.

Zum Thema
Politik
Landtagswahl in Sachsen
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern