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25. Juni 2010, 17:24 Uhr

BP, das Öl und der Bundespräsident

Nach massiver Kritik aus dem rot-grünen Lager hat BP sich als Sponsor des Sommerfests im Schloss Bellevue zurückgezogen. Dabei ist Sponsoring in der Politik gang und gäbe - auch bei Sigmar Gabriel. Von Theresa Breuer

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Das Sommerfest in Bellevue findet dieses Jahr ohne den Sponsor BP statt. Ins Wasser fällt die Veranstaltung deswegen noch lange nicht© Johannes Eisele/DDP

Am Morgen der Skandal. "Sigmar Gabriel tobt" meldete die "Bild"-Zeitung. Der Grund: Öl-Multi BP sponsert das Sommerfest des Bundespräsidenten. BP solle das Geld lieber den Fischerfamilien geben, die von der Ölkatastrophe vor Amerika betroffen seien. "Ich würde mich schämen, im Schloss Bellevue von BP bewirtet zu werden", donnerte Gabriel. Natürlich ließ sich auch Grünen-Chefin Claudia Roth die mediale Steilvorlage nicht entgehen: "Es wäre obszön, wenn auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten von BP bezahlte Häppchen verspeist werden, während im Golf von Mexiko durch das Verschulden von BP unzählige Vögel und Meerestiere in der klebrigen Ölschlacke verenden." Krawumm.

Am Nachmittag die Kapitulation. Angeölt von der Kritik in Deutschland entschied BP, sich aus dem Sponsoring zurückzuziehen. Man wolle "in keiner Weise Anlass zu Diskussionen im Umfeld des Sommerfestes geben und damit die eigentliche Intention des Festes stören", ließ der Konzern verlautbaren. Das Bundespräsidialamt mühte sich derweil, die Wogen zu glätten. Sprecherin Petra Diroll sagte stern.de, die Vereinbarung mit BP sei schon vor einem halben Jahr getroffen worden - also zu einem Zeitpunkt, da die Vögel und Meerestiere im Golf von Mexiko noch ganz munter waren. Der Grund, warum BP überhaupt als Sponsor in Frage kam, seien eine Auswahl von "beispielhaften Projekten in den Bereichen Schule, Zivilgesellschaft und Ehrenamt" des Unternehmens gewesen, "mit denen es sich auf dem Sommerfest präsentieren wollte". Daraus wird nun nichts. Rot-Grün hat BP in die ohnehin schon weichen Knie gezwungen.

Problem gelöst? Aber woher denn.

Unzählige Sponsoring-Fälle

Sponsoring ist in der Politik gang und gäbe. Der jüngste Fall: Anfang 2010 wurde bekannt, dass die nordrhein-westfälische CDU Unternehmen für ein paar tausend Euro Gespräche mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers angeboten hatte. Die Schlagzeile "Rent a Rüttgers" hielt sich wochenlang. Michael Glos, CSU, hatte in seiner Zeit als Bundeswirtschaftsminister kein Problem damit, dass Vattenfall und RWE für eine "Kraftwerkskonferenz" der G-8-Minister 9000 Euro beisteuern. Und Sigmar Gabriel, Retter der verarmten Fischer, ließ sich in Potsdam 2007 für die Tagung der G-8-Umweltminister ausgerechnet von Luxuslimousinen-Produzent BMW den Fahrdienst finanzieren - im Wert von 34.000 Euro.

Ein Geschmäckle, mitunter auch sein herbes, bleibt jedes Mal. Heidi Klein, Vorstand der Organisation "Lobby Control", sagt zu stern.de: "Unternehmen hoffen natürlich, durch das Sponsoring auch politisch Einfluss nehmen zu können." Das müsse unterbunden werden. "Wenn die Ministerien sich die Sommerfeste ohne Sponsoren nicht leisten können, müssen sie sie eben kleiner und weniger luxuriös machen", sagt Klein. Oder man müsse sie eben aus Steuergeldern finanzieren.

Finanzierung ohne Einflussnahme?

Reiner Holznagel, Bundesgeschäftsführer vom Bund der Steuerzahler, sieht das naturgemäß anders. Er hält Sponsoring für eine probate Methode, um Steuergelder zu sparen. "Allerdings dürfen die getätigten Sponsoringleistungen nicht zu einer Einflussnahme auf politische oder administrative Entscheidungen führen und die Sponsoren sollten mit Bedacht gewählt werden", sagt Holznagel zu stern.de.

Diese Forderung allerdings gleicht der Quadratur des Kreises. Wer könnte kontrollieren, was bei Sekt und Lachsschnitten zwischen Volksvertreter und Wirtschaft so alles besprochen wird? Und welcher Sponsor würde sich überhaupt engagieren, wenn er sich nichts von seinem Investment versprechen könnte? BP hat in diesem Fall aufgegeben. Aber es bleiben weitere 18 Sponsoren für das Sommerfest des Bundespräsidenten, darunter Daimler, Air Berlin und die Post. Sie lassen sich ihre Teilnahme jeweils bis zu 75.000 Euro kosten. So richtig unschuldig wird kein einziges Häppchen sein, das Sigmar Gabriel dort zu sich nehmen wird.

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Von Theresa Breuer
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Loewenherz_XL (26.06.2010, 08:20 Uhr)
Rent a Bundespräsident
So könnten die Bettelbriefe an die ?Sponsoren? lauten=

Ab 200.000? ?Sponsoringbeitrag? wird der Bundespräsident dann auch die notwendigen Gesetzesänderungen, die auch Ihr Unternehmen steuerlich und arbeitsmarktpolitisch begünstigen, sofort willig unterschreiben. Ein Grußkärtchen und das ein oder andere Bundesverdienstkreuz für Ihre buckelige Verwandtschaft oder Ihre Lobbyistenvertreter gibt es vom Bundes-Hansel dann noch obendrauf.

Ab 500.000? dürfen sie Ihre Gesetze selbst schreiben, der zuständige Marionettenminister wird Ihnen hilfreich zur Seite stehen. Wir garantieren Ihnen, dass diese Marionettenminister den Anordnungen Ihrer Lobbyisten und Manager willig folgen.

Ab 1 Millionen führen wir gerne Verfassungsänderungen für Sie durch inklusive eines Candlelightdinners mit dem Präsidenten des Bundesverfassungsgericht.

Zusätzlich im Angebot: Individuelle Preisabsprachen für Kriegseinsätze im Ausland zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen und im Sinne der Gewinnmaximierung. Lassen Sie sich diese einmalige Gelegenheit die Rohstoffvorkommen dieser Länder auszubeuten nicht entgehen. Referenzen für schon erfolgreich getätigte Kriegsprojekte können wir vorlegen.
Auch über zukünftige Einsätze der Bundeswehr im Inneren gegenüber streikenden Arbeitnehmern und aufgebrachten Hungerlöhnern stehen wir in einem vertraulichen Gespräch gerne zur Verfügung. Alles nur eine Sache des Preises.

Skillet4 (26.06.2010, 03:27 Uhr)
Ist das wahr?
Sigmar Gabriel wurde nicht eingeladen?
jomimo (25.06.2010, 23:47 Uhr)
@ HenningHerbst
.... wohnen sie noch auf eigene Kosten in Berlin und Brüssel ?

Falls nicht, würde mich das auch nicht mehr wundern.

Unsere Republik verkommt vom Kopf her.
jomimo (25.06.2010, 23:41 Uhr)
nun, chatahootchee ...
die Sirene Roth ist in diesem einen Fall nicht ganz daneben.

Menschen haben nur wirtschaftliche Schäden, eine unersetzliche Fauna und Flora aber wir teilweise irreversibel vernichtet.

Menschen hat die Erde schon mehr als genug.

Wundere mich, dass C. Roth sich überhaupt an die Wurzeln der Grünen erinnert oder ?
HenningHerbst110 (25.06.2010, 21:32 Uhr)
Lobby.
In Brüssel und Berlin arbeiten mittlererweile mehr Lobbyisten als Politiker. Kein Scherz.
tannebaum (25.06.2010, 21:28 Uhr)
frau roth ist verlogen...
...die grünen lassen sich längst auch alles bezahlen und achten längst nicht mehr auf öko. es ist furvhtbar, wenn solche pauschal dummen und trivialen sprüche kommen.

von enbw bis porsche - die grünen sind dabei. zum alibi fahren die dann hybrid mit der 4.0liter-maschine...
tannebaum (25.06.2010, 21:13 Uhr)
@Asiat
nicht mein stadtteil. bei mir wird hof und straße gemacht... daran beteiligt sich die hausgemeinschaft.

den dreck anderer in parks, die sich nicht benehmen können, aber rechte fordern und politiker bemeckern, mache ich nicht weg
chatahootchee (25.06.2010, 20:48 Uhr)
UND DIE MENSCHEN, FRAU ROTH?
Roth:""Es wäre obszön, wenn auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten von BP bezahlte Häppchen verspeist werden, während im Golf von Mexiko durch das Verschulden von BP unzählige Vögel und Meerestiere in der klebrigen Ölschlacke verenden."
Und die Menschen? Die waeren mir wichtiger.
Was auch immer, Frau Roth kann jetzt sicher die Daimler-Haeppchen schlucken.
ganzbaf (25.06.2010, 20:02 Uhr)
Trennung von Kirche und Staat vollendet.

Wann werden Staat und Privatwirtschaft getrennt?
confused (25.06.2010, 19:55 Uhr)
Wenn ich oder mein Nachbar
feiert - dann müssen wir das selbst zahlen wie auch alle anderen deutschen - wenn also der Hr. Präsident ein sommerfest veranstalten will dann soll er mal seine geldbörse zücken und selbst zahlen... nebenher 1 mio damit die herrschaften sich sattfressen und besaufen können... sind wir das volk auch eingeladen ????
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