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1. November 2011, 15:10 Uhr

Das Handy als Fahrkartenautomat

Fahrkarten für die Deutsche Bahn gibt es jetzt nicht nur am Automaten, im Reisezentrum oder im Internet. Mit dem Smartphone soll Bahnfahren einfacher werden: Am Bahnhof einchecken, am Ziel auschecken, das war's. Die Abrechnung erledigt eine App. Von Ralf Sander

Deutsche Bahn, Touch & Travel, Fahrkarten, Fahrkartenautomat,

Mit der Touch&Travel-App checkt man sich vor Reisebeginn ein (l.). Um dem Smartphone mitzuteilen, wo man sich befindet, gibt es mehrere Möglichkeiten. Am Ende der Reise muss man sich auf dieselbe Weise auschecken© Deutsche Bahn

Das Handy als Bahnfahrkarte kennen wir, jetzt wird das Smartphone auch zum Fahrkartenautomaten. Nach mehrjähriger Testphase öffnet die Deutsche Bahn ihr Projekt Touch & Travel für alle Kunden. Mit dem Smartphone soll es ab sofort möglich sein, Bahntickets zu erwerben - und zwar mit minimalem Aufwand für den Kunden: keine Warteschlangen am Automaten, keine Daten im Internet eingeben, einfach den Zug nehmen. Die Abrechnung erfolgt erst nach der Fahrt, die Arbeit übernimmt das Smartphone.

So funktioniert eine Bahnfahrt mit Touch & Travel

Die Kunden müssen sich vorab einmal online registrieren. Neben Angaben zu Name, Adresse und eventuell vorhandener Bahncard muss auch die Bezahlmethode festgelegt werden. Außerdem wird eine App für das Smartphone benötigt, diese ist bisher für Apples iPhone und Android-Geräte verfügbar. Zum Start können nur Kunden von Telekom und Vodafone teilnehmen, Anfang 2012 folgt O2.

Ist die Registrierung abgeschlossen, kann es losgehen. Alle deutschen Fernbahnhöfe sind inzwischen mit sogenannten Touchpoints ausgestattet, die mit der Smartphone-App Kontakt aufnehmen können. An einem solchen Punkt bucht man sich beim Start der Reise ein und am Zielort wieder aus. An Bord des Zuges zeigt man bei der Fahrkartenkontrolle einfach sein Smartphone vor, auf dem ein Ticketcode beim Einchecken gespeichert wurde.

"Die Idee ist, dass ich irgendwo einsteige und irgendwo wieder aussteige, ohne dass ich mich um irgendetwas kümmern muss", sagt die zuständige Bahn-Managerin Birgit Wirth der "Financial Times Deutschland". Aus Start und Ziel und den während der Fahrt durchfahrenen Funkzellen des Handynetzes - deshalb müssen die Mobilfunkanbieter mit im Boot sein - errechnet die App die gefahrene Route. Die daraus resultierenden Fahrtkosten werden automatisch bargeldlos bezahlt.

NFC - noch nicht so weit verbreitet

Touch & Travel soll nicht nur der Bahn neue Vertriebswege erschließen, es ist auch eines der größten Projekte in Deutschland, das die Übertragungstechnik NFC (Near Field Communication) voranbringen soll. Dieser Kurzstreckenfunk übermittelt schnell und - anders als Bluetooth - ohne komplizierte Anmeldeprozedur Daten zwischen mobilen Geräten und Empfangsstationen wie dem Touchpoint. Mit NFC soll das Smartphone mittelfristig zum Bezahlmittel werden. Die Technik ist längst fertig, doch es gibt kaum Geräte auf dem Markt. Bisher ist kein iPhone mit dem Chip ausgestattet. Im Gegensatz dazu gibt es entsprechende Android-Telefone bereits, doch die wenigsten sind in Deutschland erhältlich. Immerhin: Das Anfang November auf den Markt kommende Samsung Galaxy Nexus wird NFC-fähig sein.

Die Touchpoints der Bahn sind für NFC konzipiert, doch der Mangel an Geräten hat die Bahn gezwungen, weitere Anmeldemöglichkeiten einzubauen. Zurzeit kann man außerdem einen QR-Code am Touchpoint abfotografieren oder dessen Nummer per Hand eintippen. Außerdem kann die Touch-&-Travel-App die eigene Position per GPS bestimmen.

Seit 2008 nutzen laut Bahn-Angaben inzwischen 15.000 Testkunden das System. Neben den Fernstrecken sind auch Busse und Nahverkehrsbahnen in Berlin und Potsdam und Frankfurt angeschlossen.

Touch & Travel Weitere Infos über das neue eTicketing-Verfahren unter www.touchandtravel.de>

Von Ralf Sander
 
 
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