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9. März 2010, 16:36 Uhr

Endspiel um Franck Ribéry

Für die Bayern steht im Champions-League-Achtelfinale in Florenz viel auf dem Spiel: Es geht um Renommee und finanziellen Gewinn. Aber es geht vor allem um Franck Ribéry. Von Klaus Bellstedt, Florenz

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Franck Ribéry beim Abschlusstraining im Stadion von Florenz: Nicht zu 100 Prozent auf Real fixiert© Filippo Monteforte/AFP

"Wenn wir gegen Florenz weiterkommen, ein souveränes Spiel abliefern, Franck gut spielt, und er das Gefühl hat, dass es eine Perspektive gibt - dann haben wir gute Chancen. Wenn wir 0:3 verlieren, glaube ich nicht, dass er bleibt", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß vor ein paar Tagen. Er stellte damit den Verbleib des verletzungsanfälligen Franzosen in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Abschneiden des Clubs in der Champions League. Florenz als Endspiel um Franck Ribéry, so könnte man es sehen.

Vorstandsboss Rummenigge schlägt in Sachen Ribéry an diesen auch in der Toskana so kühlen Tagen ähnliche Töne wie Hoeneß an: "Franck lechzt nach Erfolg und will sich der internationalen Bühne zeigen. Wir brauchen ihn, da ich glaube, dass wir gute Chancen haben, in den kommenden Jahren international wieder auf Augenhöhe mit den Topvereinen zu kommen. Er ist unser wichtigster und wertvollster Spieler." Deshalb wolle er "nicht alles, aber viel in die Waagschale legen, um Franck zu überzeugen, in München zu bleiben."

Ribéry ließe sich Zukunft vergolden
Die Bayern-Bosse erwähnten zuletzt immer wieder mit Nachdruck, dass der Verbleib Ribérys in München nicht ausschließlich von den Finanzen abhängig sei. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Franzose würde sich eine Vertragsverlängerung beim FC Bayern im Sommer vergolden lassen. Deutschlands Vorzeigeclub ist einer der gesündesten, wenn nicht der gesündeste Verein, auf europäischer Clubebene. Aber auch wenn Wirtschaftsunternehmen wie Real Madrid oder Manchester United auf riesigen Schuldenbergen sitzen. Die teilweise horrenden Gehälter ihrer Stars können sie eben doch noch immer irgendwie bezahlen. Die Bayern werden sich also bei einer Vertragsverlängerung ihres Überspielers mächtig strecken müssen.

Auch deshalb wäre ein Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse hilfreich. 3,3 Millionen Euro würde die Qualifikation für Runde der letzten Acht in die Vereinskasse spülen. Die Chancen für ein Bestehen im altehrwürdigen, aber keineswegs schmucken Stadio Artemio Franchi von Florenz stehen nach dem knappen 2:1-Erfolg aus dem Hinspiel gut. Wie sagte Uli Hoeneß so schön? "Es wird ein heißer Kampf, aber die Mannschaft ist mit großem Selbstvertrauen ausgestattet. Das Team hat jetzt seit 17 Spielen nicht mehr verloren, warum sollten wir in Florenz verlieren?" Die Antwort könnte lauten - und hier schließt sich wieder der Kreis: Weil Ribéry auch aufgrund andauernder Knöchelprobleme nicht seinen besten Tag erwischt hat.

Nicht auf Real Madrid fixiert
Wie sehr der FC Bayern von den Offensivkünsten Ribérys abhängig ist, konnte man letztes Wochenende in Köln beobachten. Der Franzose, der leicht angeschlagen von der Nationalmannschaft zurückgehrt war, wurde von Trainer Van Gaal in der Bundesliga zunächst geschont. Bis zu seiner Einwechslung hatten die Bayern ein biederes Spiel abgeliefert. Erst mit Ribéry wurde es besser und es gelang der Ausgleich. Die Hoffnungen der Bayern-Fans für das "Endspiel" bei der Fiorentina liegen also in erster Linie auf den schmalen Schultern ihres dann hoffentlich beschwerdefreien Lieblings. Dass es in diesem Alles-oder-Nichts-Spiel mehr denn je auf Ribéry ankommen wird, unterstrich auch Karl-Heinz Rummenigge: "Wenn er wie gegen den HSV ein Tor macht, dann habe wir beste Voraussetzungen weiterzukommen", so Bayerns Vorstandsvorsitzender.

Eine Verbleib Ribérys in München wäre dann - wenn es nach den Wünschen und Empfindungen der Bosse geht - möglicherweise die Folge. Wer Franck Ribéry unlängst im französischen TV zuhörte, könnte glatt auf andere Ideen kommen: "In zwei oder drei Wochen wird es sich entscheiden", sagte der heiß Umworbene dort. Und er ergänzte im Stile eines echten Klarredners: "Es ist nicht so, dass ich zu 100 Prozent auf Real fixiert bin. Auch Barcelona ist interessiert, und es gibt noch Chelsea. Das heißt aber nicht, dass ich Bayern sicher verlasse." Vielleicht ist Florenz also doch gar nicht so entscheidend. Vielleicht ist seine Entscheidung längst gefallen. Es gehört nicht viel dazu, sein nebulöses Statement aus dem französischen Fernsehen genau so zu deuten.

So wollen die Bayern voraussichtlich in Florenz spielen:

Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Alaba - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Ribéry - Müller, Gomez.

Von Klaus Bellstedt, Florenz
 
 
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