29. Juli 2012, 16:44 Uhr

Schneller als Männer-Champion Lochte

Die Leistung war so unglaublich, dass ein Blick auf die Zeiten lohnt. Bei ihrem Olympiasieg über 400 Meter Lagen war die 16-jährige Chinesin Ye Shiwen im Endspurt schneller als die US-Schwimmstars.

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Ye Shiwen war auf den letzten Metern bei ihrem Weltrekord schneller als US-Männer-Star Lochte bei seinem Olympiasieg©

Dieser Weltrekord wirft Fragen auf. Wie kann eine 16-jährige Chinesin im Endspurt schneller schwimmen als die US-Stars Ryan Lochte und Michael Phelps? Ye Shiwen ist eine unglaubliche Leistung bei ihrem Olympiasieg über 400 Meter Lagen gelungen.

Die Zahlen allein sind beeindruckend, beinahe erschreckend: Auf dem Weg zum Weltrekord brachte Ye am Samstagabend die letzten 50 Meter Freistil in 28,93 Sekunden hinter sich; 17 Hundertstel schneller als Lochte bei seinem souveränen Sieg. Auf ihrer vorletzten Bahn war sie acht Hundertstel besser als Phelps. So etwas war einer Frau noch nie gelungen.

"Da haben wir beim Abendessen drüber gesprochen. Das war wirklich eindrucksvoll, sie war schnell", sagte Lochte voller Anerkennung. "Wenn sie mit mir geschwommen wäre, dann hätte sie mich möglicherweise schlagen können."

"Wir trainieren sehr gut"

Dass eine so junge Schwimmerin so schnell ist, wirft ebenso wie der Leistungsanstieg anderer chinesischer Athleten unweigerlich Fragen nach den Gründen auf. Immerhin waren vor knapp zwei Jahrzehnten Dutzende Schwimmer aus dem Reich der Mitte bei Doping-Kontrollen aufgeflogen. Danach spielte China einige Jahr keine große Rolle mehr im internationalen Schwimmsport, um dann umso eindrucksvoller zurückzukommen.

"Wir trainieren sehr gut, auf sehr wissenschaftlicher Basis, deswegen haben wir uns so verbessert", lautete Yes Erklärung. Sie selbst sei es "gewohnt, seit meiner Kindheit hart zu trainieren". Und erste Erfolge hatte sie in den vergangenen Jahren auch schon eingefahren.

2011 wurde Ye Shiwen Weltmeisterin

2011 gewann sie bei der Heim-WM in Shanghai als damals 15-Jährige über 200 Meter Lagen. Dieser weitere Olympiasieg dürfte ihr auch in London nicht zu nehmen sein. Ebenso wie ihrem Landsmann Sun Yang der über 1500 Meter. Auf dieser Strecke hatte er bei der Heim-WM vor einem Jahr in 14:34,14 Minuten den zehn Jahre alte Weltrekord von Grant Hackett (Australien) unterboten - dank eines unglaublich schnellen Beinschlags auf der Schlussbahn.

Dass Sun Yang über 400 Meter Freistil Paul Biedermanns Weltrekord aus der Ära der 2009 verbotenen Hightech-Anzüge um ganze sieben Hundertstelsekunden verfehlte, war am Wochenende nur dessen Austrudeln auf den letzten Zügen geschuldet. Für Biedermann war dies "nur ein schwacher Trost". Schon beim nächsten wichtigen Auftritt des Chinesen dürfte die Bestmarke erneut wackeln.

Von Marc Zeilhofer und Christian Kunz/ DPA
 
 
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