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12. Oktober 2009, 11:43 Uhr

Chef bleibt hart - Kündigung gilt!

Zeigt die Debatte um die wegen einer geklauten Frikadelle entlassene Sekretärin Wirkung? Nein, in einem offenen Brief entschuldigt sich der Baugewerbeverband zwar, doch er hält an der Kündigung fest. Von Christoph Schäfer

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Weil sie eine Frikadelle und zwei Brötchen "gestohlen" haben soll, sieht der Arbeitgeber einer Sekretärin nach wie vor einen "irreparablen Vertrauensverlust"© Alexander Heimann/Getty Images

Der Fall macht seit Tagen Schlagzeilen: Der Baugewerbeverband Westfalen hat seiner Sekretärin nach 34 Dienstjahren gekündigt, weil die sich von einem Imbissteller mit Brötchen und einer Frikadelle bedient haben soll, der eigentlich für eine Sitzung vorgesehen war.

In einem offenen Brief, der stern.de vorliegt, hat sich der Chef der Sekretärin nun entschuldigt: "Meine Reaktion war menschlich zu hart. Dafür entschuldige ich mich öffentlich." Er bedaure sein Verhalten sehr, schreibt Hermann Schulte-Hiltrop, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Westfalen. Aber: An der Kündigung hält er trotzdem fest. "Der Vorwurf eines irreparablen Vertrauensverlustes wird aufrecht erhalten", sagt Schulte-Hiltrop stern.de.

Der Frikadellen-Raub sei nämlich keine einmalige Angelegenheit gewesen. Die Sekretärin habe über einen längeren Zeitraum hinweg stibitzt, das sei "über Jahre so gelaufen". Der Baugewerbeverband halte regelmäßig Sitzungen von Ehrenamtsträgern ab, die dort den ganzen Tag kostenlos arbeiteten, erläuterte Schulte-Hiltrop. Für diese Ehrenamtsträger werde mittags ein kleiner Imbiss vorbereitet, was die Sekretärin oft gemacht habe. Und obwohl die Reste nachher immer an die Mitarbeiter verteilt würden, habe sich die Sekretärin jahrelang immer vorher bedient, sagte Schulte-Hiltrop.

"Zurücknehmen kann ich das nicht"

Die Kündigung wegen der vermeintlichen Nichtigkeit hatte zu einer Debatte darüber geführt, ob das Klima in den Betrieben in Deutschland merklich erkaltet ist, ob das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern schwindet - und ob das Vorgehen des Bauverbands rechtmäßig war. Dabei steht der "Frikadellen-Fall" nicht alleine. In den vergangenen Monaten hat es mehrere Fälle gegeben, in denen Angestellte wegen auffällig kleiner Vergehen auf die Straße gesetzt wurden.

Der Hauptgeschäftsführer erklärt seine harte Linie gegenüber seiner ehemaligen Angestellten: "Wir werden das jetzt auf dem Vergleichswege lösen, aber zurücknehmen kann ich das nicht. Das wäre mit einer Abmahnung zu schwach, das muss man einfach mal so sehen." stern.de sagte er, dass er zwar nicht glaube, dass seine Sekretärin mit 59 Jahren noch einen neuen Job findet. Doch er wolle sich außergerichtlich so einigen, "dass sie damit in den Ruhestand kommen kann". Mit anderen Worten: Offenbar will sich der Verband mit seiner ehemaligen Sekretärin zwar gütlich einigen, ihr den Ausstieg finanziell erleichtern, aber zu ihrem Arbeitsplatz darf sie, geht es nach dem Willen von Schulte-Hiltrop, keinesfalls zurückkehren.

Anne Will feierte zu früh

Auch die öffentliche Diskussion habe ihn nicht dazu bewogen, der Mitarbeiterin ihren alten Job wiederzugeben, sagte Schulte-Hiltrop. Die Debatte habe ihn "schon zum Nachdenken gebracht. Aber für jemanden, dem gekündigt wird, ist das immer ein drastischer Einschnitt", so der Arbeitgeber.

Mit seiner Äußerung dementiert Schulte-Hiltrop auch eine Meldung, die die ARD am Sonntagabend in der Sendung "Anne Will" verbreitet hatte. Direkt im Eingangsstatement ihrer Sendung verkündete die Moderatorin nämlich mit Bezug auf den "Frikadellen-Fall": "Der Prozess vor dem Arbeitsgericht schien unausweichlich - bis eben. Denn eben erreichte uns folgende Meldung: Der Arbeitgeber ziehe die Kündigung zurück, er sei juristisch nicht gut beraten gewesen." Anne Will feierte das als ihren Sieg: "Da fragen wir uns doch: Darf das wahr sein? Müssen wir immer erst eine Sendung machen, bis jemandem ein Vergehen nachgesehen wird?"

Was viele Medien nicht verstanden hatten, war, dass trotz der Entschuldigung die Kündigung bestehen bleibt. Der Verband ist lediglich bereit, der Sekretärin nun eine höhere Abfindung zu zahlen, als er sonst gemacht hätte.

Von Christoph Schäfer
 
 
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