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9. Mai 2004, 09:55 Uhr

Vorwärts an die Börse

Wird der Börsengang der Suchmaschine Google noch einmal einen Internetboom auslösen wie in den neunziger Jahren? Schon schätzen Experten, Google sei mehr wert als Daimler-Chrysler. Und die Konkurrenz rüstet mächtig auf.

Reich mit einer guten Idee: die Google-Gründer Larry Page (li.) und Sergey Brin© AFP

Andreas von Bechtolsheim hatte schon viel gesehen in diesem Sommer der Dotcoms, als plötzlich jeder eine eigene Internetfirma aufmachen wollte - doch die beiden Stanford-Studenten, denen der Mitgründer des Computerriesen Sun am 26. August 1998 gegenübersaß, stachen heraus: Ihre Software zum Durchforsten der gigantischen Datenmengen im wild wuchernden Web schien ihm "eine der besten Ideen, die ich je gesehen hatte - und an dem Punkt stellt man nicht lange Fragen, da zückt man das Scheckbuch".

Das tat der gebürtige Lindauer dann auch: Scheck Nr. 4642 über 100.000 Dollar stellte er auf die Firma Google, Inc. aus. Die mussten die Studenten zwar erst noch gründen, um an ihr Startkapital zu kommen, aber die Summe erwies sich als gut angelegt. Obwohl Google mit Verspätung ins Rennen ging, sprintete die Suchmaschine vorbei an der Konkurrenz - und steht nun kurz davor, jene üppig zu belohnen, die vom ersten Tag an dabei waren.

Denn Google geht an die Börse. Endlich! Nach monatelangem Geraune, wann es so weit sein werde, stellte die Firma am Donnerstag voriger Woche bei der Börsenaufsicht einen 768 Seiten langen Antrag, sich in eine Aktiengesellschaft zu verwandeln. "Das Warten hat ein Ende", seufzte erleichtert das "Wall Street Journal" stellvertretend für das gesamte Silicon Valley, das mit dem Ende des Dotcom-Booms zum Tal der Tränen wurde. Mehr als drei Jahre musste die High-Tech-Branche ohne frische Börsenstars auskommen. Jetzt soll alles wieder gut werden. Die Zahlen, die Google vorlegt, seien "sehr, sehr, sehr beeindruckend", jubelt George Zachary, Risiko-Investor bei Charles River Ventures (und zu seinem Leidwesen nicht an Google beteiligt): "Wachstum und Gewinnspanne sind großartig. Einfach herausragend."

Google, eine notorisch geheimniskrämerische Firma, hat bestätigt, was die meisten vermuteten: Die Suchmaschine ist auch eine Geldmaschine. Im vorigen Jahr blieben von 962 Millionen Dollar Einnahmen 105,6 Millionen Reingewinn. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres kamen abermals 64 Millionen Dollar Gewinn dazu. Was erklärt, warum Zahlen umherschwirren, die an die große Internetsause von 1999 erinnern: Bis zu 50 Milliarden Dollar könnte Google wert sein - mehr als DaimlerChrysler -, sobald fiebrige Anleger Gelegenheit bekommen, mit Aktien der Firma zu handeln, spekulieren Wall-Street-Beobachter.

Ob es am Ende 50 Milliarden werden oder vielleicht doch nur 20 - sicher ist: Sergey Brin, 30, und Larry Page, 31, die beiden Google-Gründer, zählen demnächst zu den reichsten Männern der Welt. Ihnen gehören jeweils etwa 16 Prozent der Firma. Auch von Bechtolsheim, der später noch einmal 100.000 Dollar in Google investierte, darf sich freuen: Seine Schecks könnten ihm mehrere 100 Millionen Dollar einbringen. Wie groß sein Anteil an Google sei, wisse er nicht, behauptet der 48-Jährige - "aber es war sicher eine der besten Investitionen, die ich je gemacht habe".

Zitat Das Motto der Google-Chefs: "Don't be evil" - sauber bleiben

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