12. Oktober 2012, 16:16 Uhr

Wer schuld ist am großen Strompreisschock

Strom wird im kommenden Jahr spürbar teurer. Schuld daran ist aber nicht nur die Förderung der Erneuerbaren. Auch andere Akteure treiben den Preis in die Höhe. Von Nikolai Fichtner

Strom, Strompreis, EEG-Umlage, Erneuerbare Energien, Energiewende, Ökostrom

Die Industrie, hier ein Stahlwerk von ThyssenKrupp, erhält erhebliche Rabatte auf die EEG-Umlage.©

An der Zahl, die am kommenden Montag offiziell verkündet wird, ist jetzt nichts mehr zu ändern. Auf knapp 5,3 Cent pro Kilowattstunde wird die Umlage für die Ökostromförderung 2013 steigen. Für einen Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch summieren sich die Kosten damit auf 185 Euro pro Jahr - rund 60 Euro mehr als 2012. Ein solch großer Preisschock kommt selten vor. Entsprechend nervös warten Politik und Energiebranche nun darauf, wie wütend die Bevölkerung reagieren wird.

Und: Gegen wen sich diese Wut über die Kostenexplosion richten wird. Energiekonzerne, Industrielobby und FDP zeigen auf den teuren Ökostrom. Umweltverbände und Grüne kontern mit einem Angriff auf die Industrie, die von den Kosten weitgehend befreit ist. Lobbyisten feuern in diesen Tagen eine Studie nach der anderen ab. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Menschen davon überzeugt, dass die anderen verantwortlich für die Mehrkosten sind.

Das Ergebnis der Schuldfrage ist brisant. Es geht darum, ob es Mehrheiten für eine Reform der Ökostromförderung gibt, ob Kosten und Nutzen anders verteilt werden.

Insgesamt 20 Mrd. Euro werden nun 2013 über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) umverteilt: von den Stromkunden per EEG-Umlage an die Besitzer von Windrädern und Solaranlagen, die eine feste Garantievergütung für ihren Strom kassieren; aber indirekt eben auch von den Stromkunden an die Großverbraucher, die kaum EEG-Umlage zahlen und trotzdem vom Preisverfall an der Strombörse profitieren. Für Großhändler sinken nämlich die Preise, wenn das Ökostromangebot steigt.

Angesichts von Industrie-Privilegien und Börseneffekten ist zumindest in der Fachwelt weitgehend Konsens, dass die EEG-Umlage nicht mehr der geeignete Maßstab für die Kosten der Energiewende ist - zumal es nicht nur in der EEG-Umlage, sondern auch bei anderen Bestandteilen des Strompreises Kostentreiber gibt. Die FTD hat fünf Strompreistreiber identifiziert.

Übernommen aus ... FTD Zur Homepage

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