"Alle Fakten auf den Tisch!" Das war das Motto für die Geißlersche Schlichtungsrunde. Das war auch die Grundlage für die als Modell gefeierte Bürgerbeteiligung. Das war die Grundlage für die Volksabstimmung über S 21.
Was aber ist von einer Volksabstimmng zu halten, wenn den Abstimmenden die wichtigsten Fakten vorenthalten werden?
Erst im Juli 2012 wurde eine sogenannte "Personenstromanalyse" aus dem Jahr 1998 (aktualisiert 2009 und 2012) bekannt: Sie widerlegte das große Versprechen von Bahn und Politik, nach dem der neue Tiefbahnhof effizienter sein würde als der alte Kopfbahnhof. Das Versprechen war: 50 Prozent mehr werde der neue Bahnhof leisten. Von wegen: Er wird, das zeigte die Personenstromanalyse, 30 Prozent weniger leisten als der alte Bahnhof leisten kann.
Dieses wichtige Dokument lag der Schlichtungsrunde nicht vor.
Erst im Herbst 2012 wurde bekannt, dass der geplante Tief-Bahnhof auf maximal 32 Züge in der Spitzenstunde ausgelegt ist (stern 44/2012). Für den stern hatte der S21-Experte und Physiker Christoph Engelhardt sämtliche zugängliche Planungsdokumente wissenschaftlich ausgewertet. Und diese wie ein Staaatsgeheimnis gehütete Zahl 32 in einem Konvolut von Planungsunterlagen identifiziert. 32 – das ist die wichtigste Zahl für das Projekt, mit dieser Zahl wurde der Tiefbahnhof planfestgestellt. Diese Zahl aber stellt die Legitimation des milliardenschweren Unterfangens nicht nur in Frage, sie entzieht ihr den Boden, denn: S 21 stellt danach einen Rückbau der Infrastruktur dar. Und ein solcher Rückbau ist gar nicht genehmigungsfähig. Überdies: Der milliardenschwere Neubau, der für die Zukunft stehen soll, wäre nicht mal in der Lage, das heutige Verkehrsaufkommen in der Spitzenstunde zu bewältigen – das sind 38 Züge.
Auch diese Dokumente lagen der Schlichtungsrunde nicht vor.