Opel-Werk droht schon Ende 2014 das Aus

22. Januar 2013, 15:40 Uhr

Opel geht es an den Kragen: Gibt es bis Februar kein neues Sparpaket, soll die Produktion in Bochum schon deutlich früher gestoppt werden - Ende 2014 statt 2016.

General Motors, Opel, IG Metall, Stephen Girsky, Berthold Huber

Ist es noch schneller aus als befürchtet? Die Arbeiter des Opel-Werks in Bochum könnten schon 2015 auf der Straße stehen.©

General Motors macht Druck: Schafft es seine angeschlagene Tochter Opel nicht, sich bis Februar mit dem Betriebsrat und der IG Metall über ein neues Sparpaket zu einigen, droht ein vorzeitiges Aus. Die Fahrzeug-Produktion in Bochum würde dann zum 1. Januar 2015 eingestellt, stellte GM-Vize-Chef Stephen Girsky in einem Schreiben an die Belegschaft klar.

Noch im Dezember hatte Opel erklärt, die Autoproduktion in Bochum 2016 auslaufen zu lassen. Bedingung für diesen späteren Termin sei jedoch der erfolgreiche Abschluss von Verhandlungen mit der Belegschaft über den "Deutschland-Plan", den Opel im Juni vorbestellt hatte, sagte ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim. Der bisherige Standortsicherungsvertrag sieht demnach vor, dass die Produktion in Bochum Ende 2014 ausläuft.

"Was wir brauchen, sind weitere beträchtliche Einsparungen", betonte Girsky, der auch den Aufsichtsrat der Rüsselsheimer Tochter leitet. Alles deute darauf hin, dass der Markt in Westeuropa in diesem Jahr weiter schrumpfe. Solange Opel Verluste mache, könne man sich auch keine Lohnerhöhungen leisten. Opel schreibt seit Jahren rote Zahlen. Der Druck der US-Konzernmutter ist deswegen hoch.

Opel soll profitabler werden

"An allen deutschen Standorten und in allen Unternehmensbereichen müssen wir Lösungen finden, um flexibler zu werden, Bürokratie abzubauen und Kosten zu senken", forderte Girsky. Die Lage auf dem europäischen Automarkt sei "katastrophal". Opel dürfe keine Zeit verlieren. Es sei eine Illusion zu glauben, dass sich der Markt rasch erhole und sich die Europa-Tochter dadurch aus der Zwangslage befreien könne. GM sei bereit, Opel finanziell zu unterstützen. Im Gegenzug müsse die Europa-Tochter wieder profitabel werden.

GM verhandelt bereits seit vergangenen Sommer über weitere Einschnitte und hatte angekündigt, das Opel-Werk in Bochum in den nächsten Jahren zu schließen. Die Gespräche laufen schleppend. Parallel hat der US-Konzern ein Investitionsprogramm aufgelegt, um das Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall in die Gewinnzone zu führen. Zahlreiche neue Modelle sollen in den nächsten Jahren an den Start gehen. Den Anfang machen der kleine Geländewagen Mokka, der Stadtwagen Adam und das Cabriolet Cascada.

Zafira-Produktion könnte schon 2015 enden

Girsky betonte, dass weder die nächste Generation des Familienwagens Zafira noch der Nachfolger des gerade auf den Markt gebrachten Mokka für Bochum als Ersatz für den Zafira infrage kämen. GM hatte Betriebsrat und Gewerkschaft angeboten, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigung für alle Werke bis Ende 2016 zu verlängern. Im Gegenzug sollten die Arbeitnehmer die Schließung der Fabrik im Ruhrgebiet zu diesem Zeitpunkt akzeptieren. Der gegenwärtige Standortsicherungsvertrag läuft Ende 2014 aus. Sollten sich Management und Arbeitnehmer in den Verhandlungen nicht einigen, ende die Fertigung des aktuellen Zafira-Modells bereits Anfang 2015, sagte Girsky.

Die IG Metall hat mehrfach betont, sie kämpfe für den Erhalt der Autoproduktion in Bochum. Um am Verhandlungstisch eine Einigung zu erzielen, hatte die Gewerkschaft die branchenweit ausgehandelte Lohnerhöhung von 4,3 Prozent dem Unternehmen gestundet. Offen war zunächst, ob sie dieses Geld nun zurückfordert.

IG Metall kritisiert Opel

IG Metall-Chef Berthold Huber kritisierte Opel scharf. "Eine derart schlecht geführte und vorbereitete Verhandlung, wie sie das Management von Opel seit dem Frühsommer letzen Jahres bietet, habe ich in meiner langen Tarifkarriere noch nie erlebt, und das heißt was", sagte Huber in Frankfurt. Zu Girskys Schreiben wollte er sich nicht äußern.

Die Verhandlungen über die Auslastung der Opel-Werke waren über den Jahreswechsel unterbrochen worden. Am Dienstag begannen neue Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern.

Opel leidet wie andere Massenhersteller massiv unter den Verkaufseinbrüchen in Westeuropa. GM hatte im vergangenen Jahr eine Allianz mit dem französischen Autobauer Peugeot geschmiedet, um das Europageschäft zu sanieren. Die Zusammenarbeit fällt allerdings deutlich geringer aus als anfangs gedacht. Vor einigen Wochen einigten sich die Partner auf die gemeinsame Entwicklung von drei Fahrzeugmodellen und für ein Gemeinschaftsunternehmen zum Einkauf von Material und Teilen. Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Opel an Peugeot hat GM dementiert. Damit sind Opel und Peugeot darauf angewiesen, ihre überlebenswichtigen Einsparungen zunächst auf eigene Faust durchzusetzen.

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