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Wie kleine Gemeinden von großen Handelsketten kaputt gemacht werden

Kommt ein großer Händler in eine Stadt, haben es andere Geschäfte schwer. Solche Konkurrenz bedeutet schnell das Aus. Verlässt der große Player die ländliche Region, bleibt verbrannte Erde. Ökonomen nennen das den "Walmart-Effekt".

Walmart-Effekt in den USA

Ökonomen nennen es den Walmart-Effekt: kommt ein Handelsriese in eine Stadt, haben es die ansässigen Läden schwer. 

Der "Big Apple" ist für Walmart tabu. Bürgermeister Bill de Blasio hat aus seiner Abneigung gegen den weltgrößten Einzelhändler nie einen Hehl gemacht: "Walmart gehört nicht nach New York City", machte er 2014 direkt nach seinem Amtsantritt unmissverständlich klar. Die niedrigen Preise und Löhne würden den lokalen Einzelhandel und die Sozialstruktur kaputt machen.

Walmartfreie Zone an der Ostküste

Alle Versuche des Unternehmens, in der Ostküsten-Metropole Fuß zu fassen, scheiterten. Bis heute sind die "5 Boroughs" - Manhattan, Brooklyn, Queens, die Bronx und Staten Island - Walmart-freie Zone.

Damit ist New York jedoch eine absolute Ausnahme. Die meisten US-Städte begrüßten den 1962 in Arkansas gegründeten Shopping-Riesen mit offenen Armen. Etliche von ihnen - vor allem kleinere Gemeinden in ländlichen Regionen - zahlen nun einen hohen Preis dafür: Nachdem die Mega-Präsenz und die niedrigen Preise von Walmart kleinere Wettbewerber aus dem Geschäft drängten, zieht sich der Konzern zurück. 154 der zuletzt 5310 US-Filialen machen dicht. Das hinterlässt vielerorts verbrannte Erde.

Die Übermacht der großen Ketten

"Walmart hat uns ruiniert", klagt Renee Ireland Smith im US-Sender Bloomberg TV. Sie betrieb das Lebensmittelgeschäft Town'n Country in der Kleinstadt Oriental in North Carolina. Der Absatz sei schlagartig um 30 Prozent gesunken, als Walmart im Mai 2014 eröffnet habe. Smiths Mutter, die Besitzerin des Ladens, hätte noch 100.000 Dollar an Ersparnissen investiert, um sich gegen die Übermacht aufzubäumen. Doch im Oktober gab die Familie auf. Und nun schließt auch Walmart.

Rückzug wird zum Kahlschlag

Oriental ist kein Einzelfall. Vor allem das jähe Ende eines erst 2011 gestarteten Experiments mit "Walmart Express" genannten Mini-Filialen hinterlässt mitunter tiefe Spuren. In vielen Provinzen - oftmals mit überwiegend älterer Bevölkerung - gibt es neben Walmart keine weiteren Einzelhändler oder Apotheken. Häufig ist der Konzern, der zugleich größter US-Arbeitgeber ist, auch eine der wichtigsten Steuerquellen der Gemeinden. Der Rückzug gleicht deshalb mitunter einem Kahlschlag.

Walmart-Chef Doug McMillon bedauert die Entscheidung, sieht jedoch keine Alternative: "Filialen zu schließen, ist nie einfach, aber es ist notwendig, damit das Unternehmen stark und gut aufgestellt bleibt." Sein Konzern baut nicht nur in den USA ab. Insgesamt werden weltweit 269 Filialen geschlossen, wie Walmart Mitte Januar ankündigte. Davon sind 16 000 Mitarbeiter betroffen.

Walmart hat Online-Shopping verschlafen

Das Unternehmen ist mit seiner Geschäftspolitik in eine Sackgasse geraten. Walmart hat den Trend zum Online-Shopping verschlafen und bezahlt das mit schwindenden Erlösen. Um den Rückstand auf den Erzfeind Amazon aufzuholen, muss der Konzern jetzt kräftig investieren. Dazu kommt: Vor rund einem Jahr hob Walmart die Gehälter seiner 1,4 Millionen US-Mitarbeiter deutlich an und zahlt jetzt einen durchschnittlichen Stundenlohn von 12,96 Dollar. Die Aktion brachte dem oft kritisierten Konzern viele positive Schlagzeilen, selbst US-Präsident Barack Obama lobte die Entscheidung.

Sparprogramm soll Walmart retten

Doch es war auch ein erheblicher finanzieller Kraftakt, der die Ergebnisse und den Geschäftsausblick belastete. Es folgten Gewinnwarnungen, die die Aktie in den letzten zwölf Monaten um rund 24 Prozent abstürzen ließen. Letztlich beschloss Walmart das massive Sparprogramm, dem nun Hunderte Filialen zum Opfer fallen.

Die Erwartungen an die Quartalszahlen, die das Unternehmen am (heutigen) Donnerstag vorlegen will, sind verhalten. Analysten rechnen mit Umsatz- und Gewinnrückgängen.

kg/DPA
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