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25. August 2010, 22:01 Uhr

Das Rätsel der Granat-Fibeln

Im frühen Mittelalter waren Granat-Broschen plötzlich populär, im siebten Jahrhundert dann nicht mehr. Warum? Am Römisch-Germanischen Zentralmuseum geht Mineralogin Susanne Greiff dieser und anderen Fragen nach.

Mittelalter, Modeschmuck, Archäometrie, Susanne Greiff, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Granat, Leibniz-Gemeinschaft

Granat-Fibeln waren der Modeschmuck des frühen Mittelalters© Christoph Herbort-von Loeper

Modeschmuck als Forschungsgegenstand? Mit diesem Metier dürfte sich jeder Forscher zum Favoritenkreis für den Ig-Nobelpreis zählen, dem satirischen Anti-Nobelpreis, der jährlich für bahnbrechende Erkenntnisse verliehen wird, wie etwa dass Hundeflöhe höher springen als solche, die auf Katzen wohnen. Es sei denn, der Modeschmuck ist 1500 Jahre alt, mit Edelsteinen besetzt und lässt Rückschlüsse auf das Leben und die Handelsbeziehungen unserer frühmittelalterlichen Vorfahren zu. Diese Art Modeschmuck erforscht Susanne Greiff am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RZGM) der Leibniz-Gemeinschaft in Mainz.

Fibel, vom lateinischen fibula (Nadel), heißen die kleinen, an Blütenscheiben erinnernden Broschen, die als Gewandnadeln dazu dienten, Kleidung und Umwände zusammenzuhalten. Besonders die kleinen roten Edelsteine auf diesen Fibeln haben es Susanne Greiff angetan. Es sind sorgfältig und erstaunlich glatt geschnittene Scheiben von Granaten, roten Silicat-Mineralien, die auch in Europa vorkommen, hauptsächlich aber aus Indien und Sri Lanka stammen. Sie sind schon in der Antike zum Beispiel an römischen Gewändern bekannt, tauchen aber in Mitteleuropa relativ plötzlich im frühen Mittelalter auf. "Granate waren der Modeschmuck schlechthin vom fünften bis ins siebte Jahrhundert hinein", sagt Greiff. "Sie waren damals in etwa so populär wie Opale im Jugendstil."

Wie aber kamen die roten Steine in großer Zahl aus Indien nach Europa? Wie schafften es die damaligen Zeitgenossen, sie in Scheiben so dünn und glatt zu schneiden? Warum endet die Granat-Mode relativ abrupt im siebten Jahrhundert? Fragen auf die es noch wenige Antworten gibt. Zeitgenössische Werkstattfunde haben Archäologen bisher nicht zu Tage gefördert, auch über antiken Edelsteinabbau ist wenig bekannt, schriftliche Quellen gibt es kaum. Nur zwei kurze Erwähnungen in Reiseberichten aus dem sechsten Jahrhundert erzählen von "roten Steinen, die über Karawanenstraßen" transportiert wurden.

Ein Schlüssel zum Verständnis liegt in der Herkunft der Steine. Die lässt sich aus ihrer chemischen Zusammensetzung - etwa dem Eisenanteil oder Calciumgehalt - recht gut herleiten. In Europa gibt es etwa 100 Fundstellen roter Granate. Zusammen mit Material aus Indien und Sri Lanka baute Susanne Greiff am RGZM eine Referenzdatenbank auf, die inzwischen Archäologen und Mineralogen weltweit nutzen.

Prunk und Waffen aus derselben Quelle

Greiff untersuchte unter anderem knapp 30 Steine aus den berühmten Schatzfunden von Erfurt und Münster des 13. Jahrhunderts. Die Steine, die die prunkvollen Ringe und Broschen des hohen Mittelalters schmücken, stammen aus denselben Quellen wie Ziersteine auf den merowingischen Fibeln, Schwertscheiden und Dolchklingen des frühen Mittelalters mehr als 500 Jahre zuvor.

Gefunden im ...

Gefunden im ... Leibniz-Journal

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