Von Mutterliebe bis Mütterschelte

12. Mai 2013, 08:57 Uhr

Auch wenn man seit Jahren auf eigenen Beinen steht, reicht manchmal eine Bemerkung der Mutter und man ist so wütend wie als Kind. Warum das so ist und wie man dem entkommt, verrät eine Soziologin.

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Der Grat zwischen Liebe und Wut ist zwischen Müttern und Kindern manchmal sehr schmal. Oft hilft etwas mehr Abgrenzung.©

1. Was ist ein typisches Missverständnis mit der Mutter?

Dass sie perfekt sein muss. Der Anspruch an Mütter ist gewaltig, daher sind auch die Enttäuschungen gewaltig. Mütterschelte ist sehr verbreitet, auch bei Psychotherapeuten.

2. Haben es Söhne leichter als Töchter?

Ja und nein. Jungen dürfen sich mehr als Mädchen von ihren Müttern abgrenzen. Sie sollen das sogar, denn ein Junge mit vielen weiblichen Eigenschaften ist unerwünscht. Das mag sich in einer schmalen bürgerlichen Schicht gerade wandeln, aber die allermeisten Mütter wollen noch immer einen typischen Kerl heranziehen. Viele Jungen zahlen dafür einen hohen Preis, weil sie besonders männlich, besonders auftrumpfend und besonders erfolgreich zu sein haben. Den Druck spüren sie noch als Erwachsene.

3. Wie oft hinfahren, wie oft anrufen - welches Maß an Kommunikation ist gut?

Gut ist alles, was sich gut anfühlt. Wenn die Mutter aber fordert, dass wir uns um sie kümmern, weil sie uns geboren und großgezogen hat, dann stimmt etwas nicht. Denn wir können unsere Lebensenergie nur vorwärts an die eigenen Kinder weitergeben oder in andere Aufgaben stecken. "Rückwärts" danken geht nur mit echter Liebe. Wer die nicht empfindet, darf der Mutter Grenzen setzen.

4. Warum schafft es meine Mutter heute noch, mich in fünf Minuten auf 180 zu bringen?

Wenn ihr das gelingt, denken und fühlen Sie immer noch wie ein Kind. Den Konflikt lösen können nur Sie selbst.

5. Wie reagiert man souveräner?

Indem man sich klarmacht, dass Defizite aus der Kindheit nicht zu reparieren sind. Selbst wenn die Mutter das Glas damals nur halb voll machen konnte, muss das heute reichen. Selbst ein Viertel reicht! Rückwärts gewandte Vorwürfe befreien nicht. Hören Sie auf, gegen die Urteile und Meinungen Ihrer Mutter zu kämpfen.

6. Wie lernt man seine Mutter neu kennen, von Erwachsenem zu Erwachsenem?

6. Wie lernt man seine Mutter neu kennen, von Erwachsenem zu Erwachsenem?

7. Ein Satz, den man seiner Mutter sagen sollte?

Du warst die beste Mutter, die du sein konntest.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 14/2013

Gut zu wissen

Gut zu wissen Helen Bömelburg führte das Interview mit Marianne Krüll, 76, die in Bonn Soziologie gelehrt und Bücher zum Thema Mütter geschrieben hat. Krüll hat zwei Töchter und zwei Enkel.
Foto: © Picture-Alliance

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