Gregor Mendel - der Erbsenzähler

4. Mai 2001, 17:25 Uhr

Jahrzehntelang unverstanden und unbeachtet gilt Mendel seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Entdeckung der Vererbungsregeln, die er durch Studien an Erbsen aufstellte, als Vater der Genetik.

Gregor Mendels Arbeiten wurden 1865 veröffentlicht und blieben jahrzehntelang unbeachtet bzw. unverstanden. Sie wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Mendel gilt mit seinen Vererbungsregeln, die er durch Studien an Erbsen aufstellte, als Vater der Genetik.

Mendel wurde als der Bauerssohn Johann Mendel in Nordmähren geboren (den Namen Gregor nimmt er erst nach seiner Priesterweihe an). Um seine intelligente Veranlagung zu fördern, wurde er auf das Gymnasium in Troppau geschickt. Nach der Schule studierte er an der Universität in Olmütz. 1843 beschloss der einundzwanzigjährige Mendel ins Augustiner-Kloster in Brünn einzutreten. Er studierte Theologie, Agrikultur und Botanik und wurde zum Priester geweiht. Zwischen 1851 und 1853 studierte er an der Universität Wien Mathematik und Physik.

1854 kehrte er ins Kloster zurück und unterrichtete dort für die nächsten vierzehn Jahre.

1856 begann Mendel seine berühmten Erbsenversuche (später auch mit Bohnen). Er züchtete in zweijähriger Arbeit zunächst reinerbige Erbsen mit bestimmten Merkmalen in Bezug auf Größe, Farbe und Form. Mendel war an der Frage interessiert, wie es zur Ausprägung der vielen verschiedenen Merkmale in der Natur kam. Gezielt begann er Kreuzungen zwischen Erbsenlinien mit sieben verschiedenen Merkmalen und erwartete eine Mischung der Merkmale. Zu seiner Überraschung aber musste er feststellen, dass die Merkmale bestehen blieben und sich weiter vererbten. Diese Erkenntnis wurde zu der ersten seiner insgesamt drei Regeln der Vererbung. Er nannte die erste Regel die Regel von der Uniformität der Vererbung.

In seiner Arbeitsmethodik unterschied sich Mendel von vielen zeitgenössischen Wissenschaftlern dadurch, dass er immer nur einen Faktor in seinen Experimenten variierte und erkannte, dass viele Versuche nötig waren, um Schwankungen in den Ergebnissen zu berücksichtigen, sprich, dass man mit Mittelwerten arbeiten musste.

Mendel vollzog insgesamt mehr als 10.000 Kreuzungsversuche im Laufe seiner achtjährigen Forschungsarbeit. Dabei stellte er drei wesentliche Regeln der Vererbung auf. Neben der Uniformität der Vererbung stellte er die Regel von der freien Kombinierbarkeit der Merkmale auf. Die dritte Regel, die Dominanzregel, besagt, dass bei Vererbung von Merkmalspaaren eines der beiden Merkmale immer dominant, das andere rezessiv ist. Auch wenn manche der Regeln später Abänderungen erfahren mussten, blieb doch das Ausmaß von Mendels Erkenntnissen auf die Biologie und die Genetik unbestritten. Mendel waren außerdem die Theorien und Arbeiten Darwins bekannt und ihm ging es um eine Einordnung seiner Ergebnisse zur darwinschen Theorie der Evolution. Er schickte Darwin sogar ein Exemplar seiner Arbeit, das dieser allerdings nie gelesen hat. Man fand es ungeöffnet in seinem Nachlass.

Bei seinen Versuchen schien Mendel schon zu ahnen, nach was er suchte: Er glaubte, das es diskrete Einheiten geben musste, die die Träger der Vererbung waren. Mendel sprach in seinen Aufzeichnungen von »Elementen«. In dieser Beziehung war der Einfluss seiner physikalischen Ausbildung erkennbar, der in den »Elementen« der Vererbung die Parallele zu den Grundeinheiten der Materie, den Atomen, sah (die Atomtheorie fasste damals unter den Physikern immer mehr Fuß).

1865 veröffentlichte Gregor Mendel seine Ergebnisse in einem Aufsatz, den er »Versuche über Pflanzenhybride« nannte. Seine Erkenntnisse wurden allerdings weitestgehend ignoriert oder stießen bei dem damaligen Stand der Forschung auf Unverständnis. Die nicht zur Kenntnisnahme seiner Forschungen und die anschließenden Untersuchungen an anderen Pflanzen, bei denen sich seine vorherigen Ergebnisse nicht bestätigten, bewogen Mendel, die Forschung völlig aufzugeben. 1868 wurde Mendel zum Abt des Klosters ernannt. In seinen letzten Lebensjahren war Mendel mit dem Staat in einen Steuerstreit verwickelt und litt an verschiedenen Krankheiten.

Erst im Jahre 1900, sechzehn Jahre nach Mendels Tod, entdeckten die drei Botaniker Hugo De Vries, Carl Correns und Erich Tschermak, seine Ergebnisse wieder, als sie ähnliche Forschungen zur Vererbung anstellten. Seitdem gilt Mendel als derjenige, der die Grundlagen der Vererbungslehre entdeckt hat.

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