Im großen stern-Zoo-Test erhielt das von ihm entworfene Menschenaffenhaus des Leipziger Zoos eine glatte Eins. Im Interview erzählt Zooarchitekt Peter Rasbach, wieso er lieber für Tiere als für Menschen baut und welche Rolle Elefantenträume dabei spielen.

Ein Teil des Pongolands im Leipziger Zoo© Picture-Alliance/ZB
Ob Kletterlandschaften, in denen Orang-Utans an Lianen schwingen, Schwimmbecken für planschende Pinguine oder Dschungelwelten für Leoparden - wer Tiergartengehege baut, muss viele Anforderungen erfüllen: eine unterhaltsame Erlebniswelt für Zoobesucher schaffen und den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden - und das für alle so sicher wie möglich. Der Architekt Peter Rasbach aus Oberhausen hat damit Erfahrung, seit 16 Jahren entwirft er Zoogehege. Von ihm stammt etwa der Masterplan für den Leipziger Tiergarten. Dort baute Rasbach nicht nur die Menschenaffenanlage Pongoland, sondern auch die Löwensavanne Makasi Simba, die Lippenbären-Schlucht und den Elefantentempel Ganesha Mandir, das weltweit einzige Gehege mit tauchenden Elefanten.
Eigentlich machen wir beides parallel. Aber Tiere haben schon immer in meinem Leben eine besondere Rolle gespielt. In meiner Jugend war ich oft im Duisburger Zoo und wollte ursprünglich sogar Zoologie studieren. Als 1969 das Delphinarium in Duisburg entstand, wurde meine Leidenschaft für die Zooarchitektur geweckt. Mit meinem Beruf habe ich einen Traum verwirklicht: Ich kann während der Arbeitszeit Elefanten und Delfine streicheln.
Das Wichtigste am Zooerlebnis ist die Begegnung von Mensch und Tier. Die Besucher möchten den Tieren möglichst nah kommen, sie am liebsten sogar anfassen. Aber das Wohl der Tiere muss im Mittelpunkt stehen. Zum einen gibt es Richtlinien, die etwa die Größe der Gehege vorgeben. Zum anderen arbeiten wir eng mit Zoologen zusammen. Ihre Beobachtungen und Erkenntnisse über das Verhalten von Tieren haben Einfluss darauf, was man unter tiergerechter Haltung versteht. Wir beziehen das in unsere Arbeit ein - wohl wissend, dass es immer einen etwas experimentellen Charakter hat.
Wir glauben zwar, die Tiere zu kennen. Aber unter bestimmten Bedingungen können sie sich ganz anders verhalten als erwartet. Es kommt vor, dass ein Tier trotz Absperrung aus seinem Gehege ausbricht oder sich in einem Graben verletzt. Solche Erfahrungen verändern die Architektur. Zum Beispiel gibt es einen Streit darüber, ob man Primatengehege mit Wassergräben begrenzen sollte. Die Diskussion kam auf, nachdem der Gorilla Arti im Zoo Hannover vor ein paar Jahren in einen Graben fiel und ertrank. Er wollte ein Stück Porree aus dem Wasser greifen und verlor sein Gleichgewicht. Seit Artis Unfall sind manche Zoodirektoren strikt gegen Wassergräben bei Primaten, da sie nicht schwimmen können. Wir bauen sie zwar weiterhin, aber nur mit Sicherheitsgittern im Wasser oder mit Netzen, an denen sich die Affen notfalls herausziehen können.
Ja, seit einiger Zeit gibt es etwa die Tendenz, Elefanten auch im Stall auf Sand zu halten. Früher standen sie auf Beton, eine Zeit lang war Gummi als Bodenbelag üblich. Aber Elefanten legen sich nachts zum Schlafen hin, und in der Natur hat man beobachtet, dass sie sich dafür Sandhügel buddeln, um beim Aufstehen leichter hochzukommen. Außerdem weiß man heute, dass Elefanten träumen und dabei ihre Stoßzähne auf einem harten Boden beschädigen können. Für Zooarchitekten sind solche Informationen sehr wichtig.
Mehr zum großen Zoo-Test... ...steht im stern Nr. 27/08. Schon einmal, vor acht Jahren, hat der stern hat die wichtigsten deutschen Tiergärten getestet, mit überraschend gutem Ergebnis. Was sich seitdem getan hat.