Die Zukunft wird extrem

13. Januar 2011, 16:03 Uhr

Tagelange Regenfälle und Überflutungen sorgen nicht nur in Australien, sondern weltweit für Verwüstungen und hohe Schäden. In einer sich rasant erwärmenden Welt werde es häufiger solche Extremwetterereignisse geben, warnt der Potsdamer Meteorologe Anders Levermann.

© PIK Zur Person Anders Levermann ist Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der Professor ist Leitautor für das Kapitel zu Veränderungen des Meeresspiegels im fünften Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC, der 2013/14 erscheinen soll.

Herr Levermann, verheerende Überflutungen in Australien und Sri Lanka, Erdrutsche in Brasilien und hohe Wasserpegel in Deutschland. Weltweit erleben wir gerade heftige Unwetter. Hängen diese mit dem Klimawandel zusammen?

Ein einzelnes Ereignis kausal auf den Klimawandel zurückführen und den Zusammenhang zu belegen, ist nur sehr schwer möglich. Eine Jahrhundertflut wie jetzt in Australien kann auch einmal zufällig auftreten. Allerdings beobachten wir in den vergangenen Jahren eine Häufung solcher Extremwetterereignisse, zu denen auch extreme Schneefälle zählen wie jetzt im Winter in Deutschland oder die Rekordhitze in Russland im vergangenen Juli. Gerade heute hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa neue Daten veröffentlicht, die belegen, dass 2010 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Sicher ist: In einer sich rasant erwärmenden Welt werden wir häufig stärkere Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürreperioden und starke Winde erleben.

Bei den Unwettern in Australien gehen Klimaforscher wie Matthew England von der Universität von New South Wales allerdings bereits davon aus, dass diese mit der Erderwärmung zusammenhängen.

In Australien wissen wir genau, dass es einen Zusammenhang zwischen der Oberflächentemperatur des Meeres und den Niederschlägen gibt. Die Gewässer vor Australien sind außergewöhnlich warm, was wiederum dazu führt, dass wir in Queensland mehr Niederschläge bekommen. Gemeinsam mit dem Klimaphänomen "La Niña", das für eine Erwärmung natürlichen Ursprungs sorgt, führen die hohen Wassertemperaturen zu diesen seit hundert Jahren schlimmsten Regenfällen. Die hohen Ozeantemperaturen sind wiederum sehr wahrscheinlich eine Folge der globalen Erderwärmung. Ob sich die Klimaphänomene "El Niño" und "La Niña" ebenfalls durch die Erderwärmung verstärken werden und es damit zu längere Dürreperioden während eines "El Niño" und heftigere Regenfällen während "La Niña" kommt, ist momentan allerdings noch umstritten.

Warum führt eine Klimaerwärmung überhaupt zu mehr Niederschlägen?

Eine wärmere Atmosphäre enthält mehr Wasserdampf. Mehr Verdampfung bedeutet wiederum mehr Regen. Zudem transportiert feuchte und warme Luft mehr Energie, was wiederum zu extremeren Niederschlägen führt.

Müssen wir in Zukunft immer häufiger mit einem derartigen Hochwasser rechnen?

Ja, wir müssen mit mehr Extremen und damit auch extremen Niederschlägen rechnen. Prinzipiell können wir sagen: Gebiete mit viel Niederschlag, wie Monsungebiete in Indien oder China, aber auch der Norden Europas werden in der Zukunft immer noch feuchter. Trockene Gebiete - ein lokales Beispiel ist Brandenburg - werden dagegen noch trockener. Auch hier werden sich Extreme verstärken.

Sind die steigenden Pegel an Main und Mosel ebenfalls erste Anzeichen und drohende Vorboten des voranschreitenden Klimawandels?

Erst einmal handelt es sich dabei schlichtweg um Schmelzwasser. Allerdings muss man sagen, dass der Schneefall des vergangenen Winters außergewöhnlich war. Auch dies war ein Rekordwinter, verglichen mit den vergangenen hundert Jahren. Solche Jahrhundertrekorde purzeln gerade einer nach dem anderen - und es wird in Zukunft noch häufiger dazu kommen. Man darf nicht vergessen, dass sich die Erde in den vergangenen hundert Jahren 'erst' um 0,6 Grad erwärmt hat. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird sich diese Erderwärmung in den kommenden hundert bis zweihundert Jahren fast verzehnfachen. Wir sind gerade dabei, unser Klimasystem ordentlich durcheinanderzurütteln.

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