21. Juni 2010, 15:32 Uhr

Zum Abschuss freigeben?

Auf der Internationalen Walfangkonferenz in Marokko wird heftig um den Walschutz gerungen. Dabei könnte das Fangverbot kippen und der Abschuss der Tiere vorübergehend legalisiert werden.

Wale, Walfangkommission, Walschutz, Internationalen Walfangkommission, IWC

Eine Fangquote soll dazu beitragen, Wale zu schützen©

Es ist paradox: Ausgerechnet eine Abschussquote soll dabei helfen, den Wal weltweit zu schützen. In Agadir in Marokko beginnt am heutigen Montag eine der wichtigsten Sitzungen der Internationalen Walfangkommission (IWC). Dabei beraten Vertreter aus 88 Mitgliedländern darüber, ob das seit 1986 geltende Walfangverbot aufgehoben und erstmals Fangquoten für die drei Walfangnationen Norwegen, Island und Japan eingeführt werden sollen.

Denn trotz des 1986 vom IWC erlassenen Fangverbotes jagen diese weiterhin die Meeressäuger, auch in den Schutzgebieten der Antarktis. Über 33.500 Tiere haben Walfänger in den vergangenen 24 Jahren abgeschossen - trotz des Moratoriums, gegen das die beiden skandinavischen Länder Widerspruch eingelegt haben. Japan nutzt ein Schlupfloch in dem bestehenden Verbot, denn der Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken ist weiterhin erlaubt. Doch die gefangenen Wale dürften eher in Sushi-Bars landen als in Laboratorien.

Um den Streit zwischen Walfängern und Walgegnern zu beenden und wieder Bewegung in die Debatte zu bringen, hat IWC-Chef Cristian Maquieira nun ein Kompromisspapier vorgelegt. Demnach soll das kommerzielle Fangverbot für die Meeressäuger für zehn Jahre aufgehoben werden, gleichzeitig würden erstmals Fangquoten erlassen. Das bestehende Verbot würde damit zwar gelockert, im Gegenzug müssten Norwegen, Island und Japan allerdings unter Aufsicht der IWC Wale jagen - und ihre Fangquote kontrollieren lassen. Die im Kompromiss angepeilten Quoten sind niedriger als die Zahl der bis zu 2000 Wale, die derzeit jährlich getötet werden. Befürworter gehen davon aus, dass so in den kommenden zehn Jahren 5000 Wale gerettet werden. Für den Kompromiss benötigt der IWC 66 von 88 Stimmen.

Jagd in Naturschutzgebieten erlaubt

Doch die Chancen für eine Einigung stehen schlecht, die Fronten sind verhärtet. Walschützer bemängeln, dass mit der Quote auch Wale abgeschossen werden dürften, die auf der Roten Liste stehen, wie der stark gefährdete Finnwal. "Auch die Seiwale dürfen demnach in den kommenden zehn Jahren getötet werden", sagt Volker Homes von der Umweltschutzorganisation WWF. "Für diese Arten müsste es eine Nullquote geben." Zudem befürchtet er, dass auch andere Länder wie Südkorea wieder Wale fangen wollen, wenn das Verbot fällt. Nach einem Aufweichen des Verbotes könnte der kommerzielle Walfang dann wieder im vollen Umfang beginnen.

Für die Umweltschutzorganisation WWF ist daher klar: "So wie der Kompromiss im Moment aussieht, ist er nicht gut", sagt Homes. Die Quoten seien nicht wissenschaftlich anhand der Restbestände ermittelt, sondern willkürlich von der Politik festgesetzt. Auch der Fang in Naturschutzgebieten gehöre verboten.

Japan sind die geplanten Fangquoten zu gering

Der deutsche Bundestag und Australien sind ebenfalls gegen den Kompromiss, auch die USA haben Bedenken angemeldet. "Das Papier hat zwar einige brauchbare Ansätze, aber es ist nicht zustimmungsfähig für uns", sagt der Leiter der deutschen Delegation, Gert Lindemann, der ebenfalls den noch erlaubten Fang in Naturschutzgebieten kritisiert. "Der Walfang muss stärker als geplant reduziert und der kommerzielle Fang ganz beendet werden", sagt er. Auch von den Walfangländern kommt Gegenwind: Island wendet sich gegen das im Kompromisspapier vorgesehene Handelsverbot für Walfleisch. Japan sind die genannten Fangquoten zu gering und Norwegen sieht "viele ungelöste Punkte".

"Es wäre besser, sich noch ein Jahr Zeit zu geben, um dann auf dem nächsten Treffen einen sinnvollen Kompromiss auszuhandeln", meint daher Homes. Meeresbiologin Petra Deimer, die wissenschaftliches Mitglied der deutschen Delegation ist, sieht das anders. Die Zeit dränge. "Momentan drohen die Japaner damit, ein neues Fangschiff zu bauen. Und wenn sie das tun, dann muss das auch erstmal wieder einige Jahre in die Antarktis fahren, damit es sich wenigstens ein bisschen rentiert." Daher müsse vor dem Bau des Schiffs die Bremse gezogen werden, sagt sie.

Doch ob dies klappt, wird immer fragwürdiger: Schon am ersten Tag kam es auf der Tagung zu einem Eklat. Verhandlungsführer Anthony Liverpool, der Botschafter des Staates Antigua und Barbuda in Japan, soll von der Walfangnation Japan bestochen worden sein. Nach Recherchen der britischen Zeitung "Sunday Times" hat Japan ihm die Reise nach und das Luxushotel in Agadir bezahlt. "Wenn die IWC-Staaten diesen Vorsitzenden weiter dulden, dann dulden sie eine korrupte Walfangkommission. Die IWC verliert damit ihre Glaubwürdigkeit", sagte Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife.

Lea Wolz mit DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
babylon (22.06.2010, 08:05 Uhr)
@cardiac
Scheinheilig scheinen ehe sie zu sein! Wenn sie sich mal mit der Verhaltensforschung befassen würden , merken auch scheinheilige wie sie das dort hochintelligente Tiere abgeschlachtet werden
deren zahl, im gegensatz zu den schweinen, im laufe der zeit sehr dezimiert worden ist.
zipzapp (21.06.2010, 22:53 Uhr)
Wo der gesunde Verstand fehlt...
... da helfen weder gute Worte noch Gesetze.

Solange die Tiere von Stämmen und Völker für den Eigenbedarf gefangen werden, denke ich kann man das sicherlich als "unbedenklich" einstufen.

Jedoch lehne ich den kommerziellen Walfang entschieden ab. Ja, ich weiß großer Aufschrei, Arbeitsplätze, Verdienst, Familie ernähren, haben wir schon immer so gemacht, Tradition, etc......

So, nun sind wir wieder auf einer Wellenlänge, ist ja nicht so, das man nicht über den Tellerrand schauen könnte.

Jedoch scheint es mir fragwürdig unter den gegebenen Umständen sich die eigene Lebensgrundlage zu entziehen und weiter zu fischen.

Sollte es den Befürwortern des Waalfangs noch nicht aufgefallen sein, der Waalbestand und die Artenvielfalt geht sukzessive zurück, mit anderen Worten Ihr sägt hübsch an dem Ast auf dem Ihr sitzt.

Somit sind Alternativen für den Lebensunterhalt gefragt oder Ihr müsst dafür sorgen, das entsprechende Bestände gesichert werden.

Aber was rede ich, alles idealistisch. Jagd weiter, irgendwann ist Schluß und Ihr könnt Euren Kindern in Büchern zeigen, wie prachtvoll das Meer und seine Bewohner früher waren. Mit Waalen und ohne "Crude Oli".
cardiac (21.06.2010, 22:07 Uhr)
Dass Walfleisch in "Sushi-Bars" landet bezweifel ich mal... Das sagt nur aus, wieviel "uns" andere Kulturkreise jucken...

Ich frag mich was uns in die Position bringt, andere souveräne Nationen zu zwingen, etwas nicht mehr zu tun was sie seit Jahrhunderten tun. Ich würde gerne wissen, wie wir reagieren würden, würde uns Japan das Schweineschlachten verbieten.

Ich bin selbst gegen walfang, aber ich kann's nicht mehr hören... diese scheinhalige Moralscheiße aus deutschen Mündern...
mandible (21.06.2010, 17:08 Uhr)
Ich vergleiche ein Säugetier mit dem anderen
... und nicht Äpfel mit Birnen.

Und im Gegensatz zu Ihnen wünsche ich niemandem, an einem Stück Fleisch zu ersticken. Auch nicht am Turbo-Masthähnchen.
jomimo (21.06.2010, 17:07 Uhr)
@ lotte
Der Mensch ist die schlimmste Bestie auf der Erde.
jomimo (21.06.2010, 17:00 Uhr)
@ mandible
Nun vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.

Es besteht für die genannten Länder, welche sich als zivilisiert betrachten, nicht die geringste Notwendigkeit, Wale zu töten.

Über die Misshandlung von sogenanntem " Nutzvieh " und die Machenschaften der Landwirtschaftslobby diskutiere ich lieber nicht hier.

Dieses Forum steht allein Norwegen, Island und Japan zu.

Wer Walfleisch ißt, möge daran ersticken.
lotte (21.06.2010, 16:59 Uhr)
schlimm
Es gibt bereits unzählige Stürme, ständigen Regen, viele Unwetter...die Wetterlage hat sich erheblich im Vergleich zu "früher" verändert. Trotzdem gibt es Menschen die nach wie vor nicht an eine Klimaerwärmung glauben. Es gibt nach wie vor Länder, die nicht einsehen etwas verändern zu müssen. Wir spielen diese Welt kaputt.

Mir tut es unendlich weh, wenn ich sehe was um mich herum geschieht...ob es die Ölpest verursacht du BP ist oder Krieg oder hungernde Kinder oder das Abschlachten von Tieren. Wir werden alle dafür bezahlen...das tuen wir bereits jetzt schon.

Manchmal glaube ich, dass ein Großteil dieser Menschheit krank ist.
jomimo (21.06.2010, 16:48 Uhr)
@ alle
gute Kommentare und gute Ideen.

Ein ewiges, todtrauriges Thema ....
mandible (21.06.2010, 16:45 Uhr)
Erstaunlich
Die Aufregung an dieser Stelle erstaunt mich. Den Walfang finde ich auch schrecklich und unnötig. Aber: Man bedenke unter welchen unwürdigen Bedingungen der allergrößte Teil des Schlachtviehs in Deutschland lebt und wie der größte Teil der Bevölkerung dies unterstützt, indem er zielsicher zum billigsten Fleisch greift. Mitleid mit frei lebenden Walen, von denen einige Arten nicht in ihrem Bestand bedroht sind, ist gut. Mitleid mit Schweinen, Kälbern, Masthähnchen und anderen Tieren, die von ihrem ersten bis zum letzten Tag erbärmlich dahin vegetieren, wäre besser. Allerdings würde das eine Veränderung des eigenen Verhaltens erfordern, was wohl einigen zu aufwendig ist.
Mindsplitting (21.06.2010, 16:30 Uhr)
Traurig
Wie kann man nur so herzlos und arrogant sein bei aussterbenden Arten nur daran zu dneken wie man sie ganz ausrottet?

Warum muss man alles töten?

Am Hunger wirds ja wohl nicht liegen.... Is ja nicht so das und das Zuchtvieh und der fruchtbare Agrarboden ausgehen würden.


Aber solange Geld im Spiel ist werden selbst wenn es ein Internationales Verbot geben wird, dennoch Wilderer in See stechen und ihre Abnehmer finden.

Wie Mike schon sagte.... Wer erwischt wird sollte abgeschossen werden. Gibt eh mehr als genug Menschen auf der Welt. Um so ein "Schwein" würd ich mir daher keine Gedanken machen....


P.s. Nein ich bin kein Umweltaktivist oder sonst etwas der gleichen. Aber es gibt mehr als genug Fisch und Fleich auf den Tellern, wozu Wale töten, gibt überhaupt keinen Grund.
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