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22. Januar 2008, 16:23 Uhr

Dr. Burdas digitales Gipfeltreffen

Verlegerlegende Hubert Burda bittet einmal im Jahr Größen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur nach München. Diesmal plauderte Gen-Entschlüsseler Craig Venter mit dem Gottesgegner Richard Dawkins. Telekom-Chef René Obermann mit EU-Kommissarin Viviane Reding - und ein Facebook-Topmanager schaute auch vorbei. Von Dirk Liedtke, München

Zwei mit vielen Gegnern: Religionskritiker Richard Dawkins (l.) und Gen-Entschlüsseler Craig Venter© Matthias Schrader/DPA

Diese Konferenz ist in ihrer Mischung einmalig. Im schmucken München trafen sich zum vierten Mal Internet-Unternehmer, Wissenschaftler, Künstler, Bosse und Blogger auf Einladung des kleinen Medienmoguls Hubert Burda zur DLD Conference (DLD=Digital, Life, Design), um nicht weniger zu tun, als die Welt zu retten. Oder um sie zumindest zu einem "better place" zu machen, wie man auf Englisch sagt, der offiziellen Tagungssprache. Der kunstsinnige und vielseitig neugierige Verleger von eher leichtgewichtigen Blättern wie "Focus" oder "Bunte" widmet sich mit seinen Gästen den richtig großen Fragen unserer Zeit. Und weil's München ist, wird das Ganze mit Bussi-Bussi-Schickimicki abgeschmeckt.

Der brasilianische Bestsellerproduzent Paulo Coelho erzählt, was ihn zu seinen Eso-Kitsch-Schwarten inspiriert. Der italienische Fotograf Oliviero Toscani verrät, warum er Models HIV-Tattoos aufmalt, um Pullis zu verkloppen. Wikipedia-Erfinder Jimmy Wales erläutert, weshalb er die geniale Erfindung der gemeinnützigen Internet-Enzyklopädie noch mal als Kommerzversion nachbauen will. Und der Boss der größten Werbeagentur der Welt, WPP, Sir Martin Sorrell, weshalb er heute in Bejing leben würde, wenn er noch mal 25 wäre. Die Konferenz brachte für drei Tage den Geist von Davos, wo gleich im Anschluss der Weltwirtschaftsgipfel stattfindet, und die ewig frische Aufbruchstimmung des Silicon Valley in die heimelige Heimatstadt von Laptop und Lederhose.

Immer ein Platz für Hubert frei

In der ersten Reihe wird immer ein Platz freigehalten für wahlweise "Hubert", "Dr. Burda" oder gar "Professor Burda". Amerikaner sprechen ihn mit dem Vornamen an, Deutsche und seine Angestellten mit dem akademischen Grad des promovierten Kunsthistorikers. Neben dem 67-Jährigen nimmt bei manchen Vorträgen seine 26 Jahre jüngere Gattin Maria Furtwängler Platz. Die Schauspielerin ist als "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm ein in Maßen glamouröser Fernsehstar. Neben ihrer Tochter sitzt sie würdevoll da. Frisch toupiert mit gerader Haltung, gar nicht so ungeschminkt burschikos wie in der Fernsehrolle. Ihren Gatten überragt sie deutlich. Immer wieder spielt sie mit ihrem Blackberry.

Der Patriarch von "Hubert Burda Media" und seine Familie halten Hof. Die teils ungeheuer geleckten jungen Mitarbeiter umschwirren Burda. Eine zweite Gruppe des DLD-Teams wirkt in grauen Kapuzenpullis dagegen sichtbar als legerer Teil der Generation Google. Alles wird fotografiert, gefilmt, gebloggt und quasi live ins Netz gestellt. Eine Konferenz in Echtzeit, die man zwar nur auf Einladung besuchen darf, deren Diskussionen man aber im Netz problemlos verfolgen kann.

Wenn auf dem Podium nicht alle Platz finden, schreitet der Patron schon mal persönlich ein. "Hier ist noch ein Stuhl", sagt er dann. In der Eröffnungsrunde der Konferenz mit schwerreichen, alten, weißen Männern freut sich Burda, dass ihn seine Kinder aus zweiter Ehe am Puls des digitalen Lebensstils ihrer Generation halten. Anekdoten darüber, wie man sich in Davos mal eine Stretchlimousine vom anderen gemopst habe, belegen nur eins: Wir sind etabliert, reich, und wir müssen nichts mehr beweisen.

Hubert Burda gönnt sich jährlich die DLD Conference© Alexander von Spreti/Action Press

Es muss ein befriedigendes Gefühl sein, sich so wie Burda ganz viele interessante Menschen einzuladen, die dann eine Art Studium Universale, einen Crash-Kurs in brennenden Themen von Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie auf hohem Niveau abliefern.

Entzauberer und Entschlüsseler

Wenn Richard Dawkins, Evolutionsbiologe und Entzauberer des Gotteswahns, und Craig Venter, erster Entschlüsseler des menschlichen Erbguts, sich begegnen, fühlt sich der Zuhörer privilegiert, lauschen zu dürfen, und strengt sich an, den nicht ganz leichten Gedankengängen zu folgen. Die beiden Denker sind sich einig. "Genetik ist ein Teil der Informationstechnik geworden", erkennt Dawkins. Das wachsende Verständnis für die Zusammensetzung unserer Gene und deren komplexes Zusammenspiel sei "die größte Revolution in der Geschichte des Selbsterkenntnis des Menschen".

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