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AUS DEM STERN 24/2001: Wegweisende Schlauberger

Navigationsgeräte müssen nicht mehrere tausend Mark kosten. Es gibt weit billigere, die auch noch in die Tasche passen. Ein stern-Marktüberblick.

Navigationsgeräte müssen nicht mehrere tausend Mark kosten. Es gibt weit billigere, die auch noch in die Tasche passen. Ein stern-Marktüberblick.

Seit Fahrtbeginn vor 50 Kilometern geht das so: Regelmäßig vor jeder Abzweigung ertönt eine sanfte Frauenstimme aus dem Lautsprecher: »Demnächst rechts abbiegen!«, sagt sie, oder »In zweihundert Metern scharf nach links!« Am Schluss meldet die Dame Erfolg: »Sie haben Ihr Ziel erreicht!«

Navigationssysteme bieten solchen Luxus für Fahrten in der Fremde - und bislang waren die Geräte ziemlich teuer: Fest eingebaut kosten die elektronischen Pfadfinder ab 3000 Mark aufwärts. Doch seit kurzem gibt es attraktive Alternativen: Die Kombination aus tragbarem Mini-Computer, Satelliten-Navigator und Karten-Software soll preiswerter den richtigen Weg weisen - und dazu auch noch mobil und deshalb in verschiedenen Fahrzeugen, etwa im Mietwagen, verwendbar sein. Der stern hat sich die Geräte angesehen.

PDA macht¿s möglich

Zwei entscheidende Kürzel sollte jeder kennen, der sich für Navigation im Auto interessiert. Zentrum der nicht fest eingebauten Anlagen ist ein PDA, ein »Personal Digital Assistant«. Die tragbaren Mini-Computer liegen in der Größe zwischen Zigarettenschachtel und Taschenbuch, sie werden durch ein paar Tasten und einen Stift bedient, mit dem auf das Display getippt wird. Zwei Grundtypen von PDAs gibt es: Die einen kommen von Palm oder Handspring, sind mit Schwarzweiß- oder Farbbildschirm erhältlich und kosten je nach Ausstattung von etwa 300 bis 1200 Mark. Die zweite Geräteklasse sind die leistungsfähigeren PocketPC, die etwa von Casio, Compaq und Hewlett-Packard angeboten werden. Sie verwenden eine abgespeckte Version des Windows-Betriebssystems für Personal Computer, haben fast alle Farbbildschirme und kosten ab rund 1000 Mark.

Mit einem PDA lässt sich viel mehr anfangen als nur navigieren: Die Geräte sind zur Verwaltung von Adressen und Terminen, zur Eingabe von Texten und Tabellen, zum Internet-Surfen und E-Mail-Senden und für alle möglichen anderen Computeraufgaben gedacht; sie können ihre Daten mit einem PC abgleichen.

GPS berechnet Position

Das zweite Kürzel ist GPS: Das »Global Positioning System« besteht aus 28 Satelliten, die die Erde umkreisen und dabei Funksignale ausstrahlen. Ein GPS-Empfänger kann diese empfangen und daraus seine Position berechnen - bis auf zehn oder zwanzig Meter genau. GPS wird in der See- und Luftfahrt, aber auch von Wanderern und für fest eingebaute Navigationssysteme in Autos benutzt.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Die navigationstaugliche Kombination von PDA und GPS entsteht mit Hilfe einer Kabelverbindung: Der GPS-Empfänger sendet Positionsdaten an den PDA, die dort von einer geeigneten Software ausgewertet werden. Und die zeigt dann auf dem Bildschirm eine Karte mit einem »Hier bin ich«-Kreuzchen - oder sie veranlasst, dass die Frauenstimme Anweisungen gibt, die zum Ziel führen.

Eigentlich sollten sich PDA, GPS-Empfänger und Navigationssoftware beliebig kombinieren lassen - doch Tücken lauern im Detail von nicht passenden Kabelverbindungen oder falschen Software-Einstellungen. Die meisten Hersteller bieten deshalb Komplettpakete an, die den GPS-Navigator, die Software und Verbindungskabel enthalten - meist mit einem Stecker für den Zigarettenanzünder, der den Gerätepark mit Strom versorgt. Oft sind auch autogerechte Halterungen dabei, die mit Saugnapf oder Schrauben angebracht werden. Doch mit ein bisschen Bastlergeschick lässt sich auch die Wunschkombination von PDA und GPS-Empfänger zusammenstellen - oder sogar ein im Haus ohnehin vorhandener GPS-Empfänger benutzen, der zum Wandern angeschafft wurde.

Gesprochene Hinweise

Zwei Anbieter kommen an den Komfort fest eingebauter Navigationssysteme heran: Sie führen den Fahrer mit gesprochenen Hinweisen, eben jener freundlichen Damenstimme. Das ist ein wesentlicher Sicherheitsvorteil: Schließlich sollte der Fahrer die Augen auf die Straße richten, nicht auf die Karte auf einem winzigen Bildschirm. Dennoch verfolgen die zwei Produkte völlig unterschiedliche Philosophien.

Tegaron Scout

Tegaron Scout nutzt den Compaq iPaq als PDA; Halterung, Stromanschluss und GPS-Empfänger werden geliefert. Dazu benötigt Scout noch ein Handy, das mit den Geräten verbunden wird. Die Routenplanung geht dann so: Aus einer Liste von Orten und Adressen wählt der Fahrer auf dem PDA-Bildschirm sein Ziel aus, bis zur Hausnummer. Den Ausgangsort kennt das System dank GPS.

Dieser Routenwunsch wird per Handy als SMS-Nachricht an die Tegaron-Zentrale übermittelt. Dort berechnet ein Computer den idealen Weg und übermittelt ihn per Handy zurück an den PDA. Und der beginnt dann mit den Anweisungen: Pfeilsymbole und vereinfachte Kreuzungsskizzen machen die Navigation zum Kinderspiel - und die Damenstimme sowieso. Vorteil: Die Routenberechnung im Zentralrechner berücksichtigt die aktuellen Staumeldungen auf Autobahnen - und führt gegebenenfalls um das Hindernis herum. Nachteil: Jede Routenberechnung kostet zwei Mark - und weil das Bordsystem keine Karte enthält, kann es auch keine anzeigen. Bei der kleinsten Abweichung von der geplanten Route ist Tegaron Scout aufgeschmissen - es bleibt nur die, dann allerdings kostenlose, Neuberechnung.

P1 von Distofera

Ganz anders P1 von Distefora: Das Paket für den Casio Cassiopeia PDA enthält GPS, Autohalterung und Zigarettenanzünder-Kabel, die Software für den PC eine Karte für ganz Deutschland. Jeweils die für die Fahrt wichtigen Gebiete werden auf den PDA kopiert, dann kann dort die Route berechnet werden. Das geht nicht auf die Hausnummer genau, sondern nur bis zur Straße - doch das genügt meist. Die Anzeige kann zwischen Pfeilsymbolen und Karte gewechselt werden, Sprachhinweise gibt's in beiden Fällen. Größter Vorteil: die Karte. Sie hilft beim Zurechtfinden, das System kann die Route bei Abweichungen sofort neu berechnen, zudem enthält die Karte Symbole für Parkhäuser, Bahnhöfe, Museen oder Behörden.

Alle anderen Systeme haben einen großen Nachteil gemeinsam: Sie setzen allein auf die grafische Darstellung der Route, sind also ohne Beifahrer nicht wirklich sicher zu bedienen. Dafür haben sie zum Teil andere Vorteile: Manche bieten eine kompakte Einheit von GPS und PDA samt Batterie, so dass sich etwa ein digitaler Stadtplan auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad nutzen lässt. Ohnehin werden die GPS-Empfänger immer kleiner, wie etwa das Gerät des US-Herstellers Pharos oder die Einsteckkarten von Emtac zeigen.

Oft zu langsam

Die PDAs von Palm und Handspring rechnen - das stellt sich bei der Routendarstellung raus - etwas langsam: Im Stadtverkehr ist das Auto oft schon hundert Meter weiter, bis der Rechner die Karte mit der aktualisierten Position anzeigt. Schwarzweiß-Displays sind zudem bei der Detailfülle von Nachteil. Lohnt sich also die Investition in eine PDA-GPS-Kombination? Wer viel fährt und ohnehin einen handlichen Computer brauchen kann, der Adressen und Termine enthält und unterwegs im Internet surft und E-Mails abruft, profitiert von der zusätzlichen Nutzung seines PDA als Navigator - wenn er mit ein wenig Kabelsalat im Auto leben kann. Die Sprachausgabe ist für Single-Fahrer aus Sicherheitsgründen vorzuziehen.

Von Thomas Borchert

Komplettpakete für Pocket-PC:

Tegaron Scout: etwa 2000 Mark inkl. Compaq iPaq, zusätzlich zwei Mark pro Route. Tel. 0 18 05/23 40 00,

www.tegaron.de

Distefora P1: 1270 Mark, für Casio

Cassiopeia. Tel. 09 31/3 57 33 00,

www.distefora.de

Komplettpakete für Palm/Handspring:

Gdata PowerNavigator: etwa 800 Mark, für Palm III. Kartendarstellung,

Routenplanung. Tel. 02 34/9 76 20,

www.gdata.de

Magellan GPS Companion: etwa 650 Mark, für Palm V oder Handspring Visor. Kartendarstellung, Routenplanung.

Vertrieb: Ferropilot, Tel. 0 41 01/3 01 01,

www.ferropilot.de

Software:

TomTom RoutePlanner Millennium

Europe: etwa 125 Mark. Für PocketPC und Palm/Handspring. Karte und

Routenplaner für Europa, funktioniert mit und ohne GPS, www.tomtom.nl

TomTom CityMaps Europe: etwa

155 Mark. Für Palm/Handspring.

Stadtpläne für Europa, funktioniert mit und ohne GPS, www.tomtom.nl

Falk Reiseplaner Pocket: etwa 90 Mark. Für PocketPC und Palm/Handspring. Stadtpläne für Deutschland, Schweiz, Österreich, funktioniert mit und ohne GPS, www.falk.de

GPS-Empfänger:

Garmin: verschiedene Geräte ab

300 Mark, die zur separaten Verwendung gedacht sind, sich aber mit dem PDA verbinden lassen. Tel. 0 89/

85 83 64 19, www.garmin.de

Pharos: 200 US-Dollar per Internet-

Einkauf in den USA. Extrem kompakter GPS-Empfänger mit Zigarettenanzünder-Anschluss. Routenplanung mit Sprachausgabe für USA zusätzlich erhältlich. www.pharosgps.com

Emtac: etwa 600 Mark. GPS-

Einsteck-Modul für CompactFlash oder PCMCIA. www.premierelect.co.uk, www.municom.de

* PDA: Personal Digital Assistant

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