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AUS DEM STERN 28/2001: Kleiner Dreireiher von VW

Zoff bei VW in Wolfsburg um die Produktion des neuen GOLF-VAN. So sieht er aus. Nicht aufregend, aber mit vielen inneren Werten.

Zoff bei VW in Wolfsburg um die Produktion des neuen GOLF-VAN. So sieht er aus. Nicht aufregend, aber mit vielen inneren Werten

Öffentlich watschte VW-Chef Ferdinand Piëch sein Tochterunternehmen Audi für angeblich falsche Modellpolitik ab, die er als Aufsichtsrat vorher abgesegnet hatte. Weit weniger spektakulär bügelt er dagegen seine eigenen Patzer aus: Eine Van-Version des Golfs kommt erst im Herbst 2002. Der mitunter so gnadenlose Konzernherr hat die Van-Erfolgswelle unterschätzt.

Van-Boom verpennt

Gut elf Prozent aller Neuwagen in Europa zählen inzwischen zu den neuartigen Multikünstlern auf Rädern. Sie sind innen geräumig und variabel, außen aber nicht größer als ein Mittelklasse-Kombi. Wahlweise Siebensitzer oder Minilaster, auf knapp 4,40 Meter Länge passen sie in die heimische Garage. Opel steht mit dem Zafira und Renault mit dem Scénic längst an der Spitze des Zulassungsrennens. Piëch dagegen ist noch gar nicht am Start. Eigentlich müsste er sich für sein Zaudern selbst ausschimpfen.

Würden Sie sich einen Golf-Van kaufen? Diskutieren Sie imstern.de-Forum.Gewaltige Aufholjagd

Stattdessen bläst er zu einer gewaltigen Aufholjagd. Ähnlich wie der Luxus-Passat mit Achtzylindermotor soll auch der Golf-Van die Kunden von der Konkurrenz zum Markenwechsel locken. Beim Flaggschiff, so spekuliert VW-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer, werden es bis zu 70 Prozent sein. In dieser Dimension müssen die VW-Strategen auch beim Golf-Van hoffnungsvoll kalkulieren. Denn anders als mit derart mutig angesetzten Eroberungsraten ist die geplante Jahresproduktion von satten 200000 Stück wohl kaum zu verkaufen.

Auf der Autobahn A1, Höhe Lübeck-Möslingen, wenden Autofahrer nach einem schweren LKW-Unfall mitten in der Rettungsgasse.

Harte Konkurrenz

Das wird ein harter Job. Allenfalls in Kleinigkeiten können die Wolfsburger die Hauptkonkurrenten Zafira und Scénic toppen. Wichtigster Unterschied ist die zweite Reihe. Dort werden sich die drei Sitze, anders als bei Zafira & Co., einzeln umlegen und ohne Ausbau topfeben versenken lassen. Fraglich, ob die Van-Kundschaft dafür oder für ein paar zusätzliche Ablagefächer die vermutlich hohen VW-Hauspreise zahlen wird. Zumal 2003, kurz nach der Wolfsburger Van-Premiere, höchstwahrscheinlich ein weiterer beinharter Konkurrent antritt: der Focus-Van von Ford. Die Kölner haben mit ihrem erfolgreichen Golf-Konkurrenten bereits eine glänzende Ausgangsbasis - und traditionell niedrige Preise.

Motoren-Pluspunkte Würden Sie sich einen Golf-Van kaufen? Diskutieren Sie im stern.de-Forum Alles neu macht der Golf

Diese Knauser werden auch in den normalen Golf-Neuling eingepflanzt, der allerdings erst nach seinem Van-Ableger fertig wird. Im Sommer 2003. Der Bestseller wird so gewaltig runderneuert, dass vom Vorgänger kaum mehr als der Name übrig bleibt. Zurück zum Power-Look heißt die Devise. Die scharfen Seitenlinien und die extrem flach laufende Frontscheibe formen aus dem pummelig-biederen Familienauto einen aggressiv wirkenden Flitzer. Trotzdem soll der Neuling aus Wolfsburg keine rüde Rappelkiste werden. Komfort muss sein. Dafür sorgen zehn Zentimeter mehr Länge, mehr Knieraum für Hinterbänkler und - erstmals - Einzelradaufhängung hinten.

Nur mit der Heckansicht ist VW-Chef Ferdinand Piëch nicht restlos zufrieden. Und weit und breit ist niemand zu sehen, den er dafür ausschimpfen kann.

Von Peter Weyer

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