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AUTO: »Kuhfänger«: Initiative gegen »Kinder-Killer«

Sie verleihen Geländewagen den »echten« Offroad-Look und sind bei Straßencowboys ein beliebtes Souvenir: Frontschutzbügel. Jetzt sollen die Gestelle europweit auf den Prüfstand kommen.

Sie verleihen Geländewagen den »echten« Offroad-Look und sind bei Straßencowboys ein gern gesehenes Souvenir: Frontschutzbügel. In Fachkreisen werden die chromblitzenden Anbauten auch »Bullbars« oder »Kuhfänger« genannt. Versicherungen, Prüfstellen und der Kinderkommission des Deutschen Bundestages sind die Front-Verzierungen schon lange ein Dorn im Auge.

Niederschmetternde Ergebnisse

»Frontschutzbügel haben im heutigen Straßenverkehr keine Berechtigung mehr. Sie dienen einzig optischen Zwecken, gefährden jedoch insbesondere Kinder stark«, urteilte bereits vor zwei Jahren die DEKRA nach ausgiebigen Crashtests. Die Ergebnisse waren niederschmetternd. Nicht nur, dass sich die Off- und Fun-Roader selbst als unsicher präsentierten. Sie zeigten in Crash-Tests mit Fußgängern lebensgefährliche Schwächen. Durch die kantige Bauweise, den hohen Schwerpunkt und die harten Kanten im Frontbereich der Fahrzeuge, fallen Fußgänger bei einer Kollision nicht auf die Motorhaube, sondern werden einfach weggeschleudert.

In Kinder-Kopfhöhe

Besonders schlimm gehen die Unfälle aus, wenn der Geländewagen auch noch einen Frontschutzbügel vor sich herschiebt und der »Unfallgegner« ein Kind ist. Die massiven Metallrohre sind oft genau in Kopfhöhe eines Kindes angebracht und lassen dem kleinen Unfallopfer kaum eine Chance. Die DEKRA-Tests zeigten, dass hier schon Unfälle mit geringster Geschwindigkeit tödlich enden können. Kinderschutzorganisationen haben die »Bullbars« deshalb schon vor Jahren in »Kinder-Killer« umgetauft.

Europaweite Ergebnisse

Nach langen Auseinandersetzungen und Protesten zeigen nun endlich die Vorstöße des Bundesverkehrministeriums auf europäischer Ebene Ergebnisse. »Die Bundesregierung setzt sich für eine europaweite Lösung des Problems der Frontschutzbügel ein«, schrieb der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Kurt Bodewig in einem Brief an den Vorsitzenden der Kinderkommission, den Bundestagsabgeordneten Klaus Haupt. Weitere Maßnahmen würden auch in Deutschland geprüft, »beispielsweise ein nationales Verbot gefährlicher Frontschutzbügel«.

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Spätestens Anfang 2002

Die Europäische Kommission habe auf der Sitzung der Arbeitsgruppe »Kraftfahrzeuge« im September zugesichert, bis Ende 2001/Anfang 2002 einen Vorschlag zur Ergänzung entsprechenden Richtlinie über vorstehende Außenkanten an Fahrzeugen vorzulegen.

Die Ankündigung der Europäischen Kommission sei auf das anhaltende Engagement der Bundesregierung zurückzuführen, heißt es in dem Brief weiter. Die Bundesregierung habe eine entsprechende Ergänzung (Anpassung) der Richtlinie über vorstehende Außenkanten durch spezifische Anforderungen für Frontschutzbügel gefordert.

Von Jochen Knecht

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