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Autobahnraser: "Ich habe langsam die Schnauze voll"

Im Karlsruher Prozess gegen den mutmaßlichen Autobahnraser hat die Richterin mit einem Wutausbruch auf angebliche Erinnerungslücken von Zeugen reagiert.

Im Karlsruher Prozess gegen den mutmaßlichen Autobahnraser hat die Richterin mit einem Wutausbruch auf angebliche Erinnerungslücken von Zeugen reagiert. «Ich habe langsam die Schnauze voll. Es gibt hier beinahe niemanden mehr, dem man nicht die Würmer aus der Nase ziehen muss», sagte Richterin Brigitte Hecking am Freitag. Sie ermahnte einen Zeugen mit den Worten: «Warum können sie nicht einfach mal die Wahrheit sagen?»

Haben sich die Zeugen abgesprochen?

Ein Vertreter der Nebenklage hatte bereits am Mittwoch den Verdacht geäußert, dass sich die Arbeitskollegen des angeklagten DaimlerChrysler-Ingenieurs vor dem Prozess abgesprochen hätten. Der 34-jährige Testfahrer soll auf der A 5 durch Drängeln einen Unfall mit zwei Todesopfern verursacht haben. Ihm werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht vorgeworfen. Zum Prozessauftakt hatte er jegliche Beteiligung an dem Unfall vom 14. Juli 2003 bestritten.

Prahlerei mit Tempo 300

Nach Angaben eines Arbeitskollegen hat der Angeklagte in der Vergangenheit damit geprahlt, auf der Autobahn mit dem Dienstwagen Tempo 300 gefahren zu sein. Der 35-jährige Zeuge sagte vor dem Karlsruher Amtsgericht, er habe Kollegen davor gewarnt, beim Angeklagten mitzufahren. In den Tagen nach dem Unfall habe der Angeklagte einen «sehr labilen Eindruck gemacht» und bei Kollegen seelischen Beistand gesucht.

"Turbo-Rolf" Galt als aggressiver Fahrer

Auch andere Arbeitskollegen beschrieben den Ingenieur mit dem Spitznamen «Turbo-Rolf» als «aggressiven» Fahrer. Er habe sich auffällig häufig nach Presseberichten über den Unfall erkundigt. Wenige Tage nach dem Unfall hatte sich der Testfahrer bei einem Anwalt Rat geholt. Bei einer polizeilichen Vernehmung hatte er zunächst falsche Aussagen zum Verlauf seiner Fahrt von Sindelfingen zur DaimlerChrysler-Teststrecke nach Papenburg (Niedersachsen) gemacht, die er schließlich korrigieren musste. Ein 45 Jahre alter Zeuge sagte, es gebe unter den Testfahrern Wettfahrten nach Papenburg; der Rekord für die rund 640 Kilometer liege bei unter vier Stunden.

Neue Beweisanträge

Der Verteidiger des Angeklagten kritisierte am Freitag die polizeiliche Rasterfahndung nach möglichen Tatfahrzeugen und stellte hierzu einen neuen Beweisantrag. Seiner Überzeugung nach wurden die von Zeugen beschriebenen auffälligen Auspuffrohre auch an Fahrzeugen montiert, die möglicherweise nicht von der Polizei überprüft wurden. Über diesen Beweisantrag will das Gericht am Montag entscheiden. An diesem Tag werden auch die Plädoyers erwartet.

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