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AUTOMOBILINDUSTRIE: Preise werden nicht sinken

Durch eine Neuregelung des Autovertriebs ermöglicht die Europäische Kommission den Autoverkauf auch in normalen Einzelhandelsgeschäften. Ob der Verbraucher davon profitiert bleibt abzuwarten.

Der Verband der Automobilindustrie hat die von der EU-Kommission beschlossene Neuregelung des Autovertriebs als unklar kritisiert. »Wir hätten uns im Beschluss aus Brüssel eine klarere Regelung der Markenexklusivität gewünscht«, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, am Mittwoch in Frankfurt.

Standortbindung fällt 2005 weg

Zwar habe es Verbesserungen früherer Entwürfe gegeben, wichtige Vorschläge seien aber nicht ausreichend berücksichtigt worden. Dies gelte vor allem für die Standortbindung der Händler, die im Oktober 2005 wegfallen soll, und den beschlossenen Mehrmarkenhandel. Kunden bevorzugten eindeutig exklusive Vertriebs- und Kundendienstkonzepte, erklärte Gottschalk. Er widersprach der Erwartung der EU-Kommission, dass es durch die neuen Regeln zu sinkenden Autopreisen kommen werde.

Neuordnung gefährdet Arbeitsplätze

Auch nach Ansicht der IG Metall zeichnet sich ein Trend zu Preiserhöhungen in den Ländern ab, in denen Autos bisher vergleichsweise günstig angeboten wurden. Den Verbrauchern bringe die Neuordnung keine Vorteile, sie gefährde aber tausende von Arbeitsplätzen im Kfz-Gewerbe, meinte IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode.

Der Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes Rolf Leuchtenberger sagte in Bonn, mit der Neuordnung werde der Konzentrationsprozess im Kfz-Gewerbe beschleunigt. Für viele Europäer werde der Autokauf zukünftig teurer. Auch in den Werkstätten seien keine signifikanten Preissenkungen zu erwarten. Das Regelwerk biete Chancen und Perspektiven, allerdings nicht für alle der heute 45 800 Betriebe mit 514 000 Beschäftigten.

Keine Änderung der Vertriebsstrategie

Der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler sieht aktuell keinen Bedarf, seine Vertriebsstrategie anzupassen. Man sei überzeugt, auch unter den geänderten Rahmenbedingungen mit den Marken des deutsch- amerikanischen Autokonzerns die Kunden in gewohnter Qualität bedienen und erfolgreich im Wettbewerb agieren zu können, sagte ein Sprecher der DaimlerChrysler AG in Stuttgart.

Irrsinniges Überholmanöver

Geschäfte nicht attraktiv

BMW betrachtet »dieses neue Regelwerk als Herausforderung dafür, dass wir auch künftig flächendeckend unsere Kunden sehr gut versorgen wollen«, sagte Sprecher Michael Rebstock. Der selbstständige Händler sei nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt des Vertriebs. »Unsere geringen Preisdifferenzen innerhalb der EU machen die jetzt möglich werdenden Geschäfte nicht attraktiv«.

Bei VW hieß es, das Unternehmen setze unverändert auf das bewährte System des Vertragshandels. Opel erwartet von den Veränderungen höhere statt niedrigere Autopreise. Zudem könnten sie zu einer geringeren Auswahl und einer schlechteren Qualität im Service führen, sagte ein Sprecher. Auch sei es eine »potenziell schädigende Maßnahme«, dass Händler künftig nicht mehr an Standorte gebunden seien.

CDU: Deutsche Verbraucher profitieren

Die CDU/CSU erwartet nach der Entscheidung der EU- Kommission zur Neuregelung des europäischen Autovertriebs mehr Wettbewerb und Vorteile für Verbraucher. Die neue Verordnung weise in die richtige Richtung, meinte der Wirtschaftspolitiker der Union, Matthias Wissmann am Mittwoch in Berlin. Besonders die deutschen Verbraucher würden von dem neuen System profitieren. Neue Perspektiven ergäben sich auch für die Händler.

Einzelhandel begrüßt Liberalisierung

Der Einzelhandel hat eine Liberalisierung des Autohandels im Zuge der so genannten Gruppenfreistellungs-Verordnung der EU-Kommission begrüßt. Die Liberalisierung sei dringend notwendig und sorge für mehr Wettbewerb, erklärte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Mittwoch in Berlin. Nun auch der Verkauf von Autos in normalen Einzelhandelsgeschäften grundsätzlich möglich.

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