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Bentley Arnage: Saus und Braus

Bentleys Umzug in den Wolfsburger VW-Konzern hat Fans und Aristokraten gleichermaßen schockiert. Der urenglische Autobauer in Händen der Germanen - das ist wie Earl Grey aus der Schnabeltasse.

Bentleys Umzug in den Wolfsburger VW-Konzern hat Fans und Aristokraten gleichermaßen schockiert. Der urenglische Autobauer in Händen der Germanen - das ist wie Earl Grey aus der Schnabeltasse. Inzwischen haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Wohl auch, weil die Zwangsehe einen wohlgeratenen Sprössling hervorgebracht hat: den Continental GT.

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Luxus will bezahlt werden

159.000 Euro, die man für einen Continental anlegen muss, sind für einen Bentley nicht viel Geld. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass hier und dort Bauteile aus dem VW Phaeton das Gesichtsfeld kreuzen. Wer mehr will, legt nochmal 100.000 Euro drauf und greift zum klassischen Bentley. Ein Arnage schlägt mit 240.000 Euro zu Buche - mindestens. Dafür bekommt man acht Zylinder, viel Wurzelholz, noch mehr Leder und gut 2,6 Tonnen englisches Stahlblech.

Unlängst musste die englische VW-Tochter die Produktion ihrer Riesen-Limousinen drosseln, um nicht "auf Halde" zu produzieren. "Wir werden immer ein Auto weniger produzieren, als wir Nachfrage haben", sagte Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen der "Financial Times Deutschland" im September.

Zwei neue Sondermodelle

Ein ähnliches Schicksal werden der Arnage RL Mulliner und der Arnage T-24 nicht erleiden. Die beiden Sondermodelle sollen Bentley wieder ins Gespräch bringen und wurden zu diesem Zweck von der hauseigenen Manufaktur aufgepeppt. Was bei Audi die "quattro GmbH" ist, nennt sich bei Bentley Mulliner.

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LeMans-Sonderedition

Sondermodell Nummer eins, der Arnage T-24, setzt dem sechsten LeMans-Sieg Bentleys ein Denkmal. Das werkseigene Rennteam hatte 2003 den Titel beim prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen geholt und damit einen prima Grund dafür geliefert, seine Freude an einem Auto auszulassen. In geregelten Bahnen, versteht sich. Jubel-Spoiler oder Sieges-Zierstreifen darf man von einem Bentley natürlich nicht erwarten. Statt dessen gibt es zusätzliche Entlüftungs-Kiemen in den vorderen Kotflügeln, mehrteilige 19-Zoll-Räder und ein Cockpit im Kohlefaser-Look. Auf der Straße dürfte man den sportlichen Lord indes kaum zu Gesicht bekommen. Lediglich eine Handvoll der Fahrzeuge werden auf dem europäischen Kontinent verkauft, 24 Stück sind für den amerikanischen Markt bestimmt.

Neues Flaggschiff

Der zweite neue Arnage kann über derlei Sportlichkeit nur die Nase rümpfen. Der RL Mulliner ist das Flaggschiff der Arnage-Baureihe und mit so ziemlich allem vollgestopft, was sich einigermaßen hübsch in ein englischen Auto einbauen lässt. Die Herrschaften auf den kuscheligen Rücksitzen können nicht nur an Drinks aus der Minibar nippen, sie sind gleichzeitig auch mit einer rollenden Kino/Büro-Kombination unterwegs. Bildschirme in den Rückenlehnen der Vordersitze, DVD-Wechsler und eine sündhaft teure Audio-Anlage gehören ebenso zur Ausstattung, wie ein integrierter Computer mit 20 Gigabyte-Festplatte, Infrarot-Tastatur und Internet-Zugang. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der Luxus-Schlitten mit 270 Sachen Spitze flott bewegt werden kann. Mehr Spielzeug? Kein Problem. Bentleys Ingenieure sind für alle Wünsche offen.

Jochen Knecht
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