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BMW Z4: Frischluft mit Knitterfalten

»Warum hat der denn eine Delle in der Tür?« - die spontane Reaktion eines Kollegen auf die ersten Z4-Bilder sollte BMW nachdenklich stimmen.

»Warum hat der denn eine Delle in der Tür?« - die spontane Reaktion eines Kollegen auf die ersten Z4-Bilder sollte BMW nachdenklich stimmen. Ähnlich wie dem 7er hat BMW-Chefdesigner Chris Bangle dem neuen Roadster eine Optik verpasst, die verdächtig nach einem schlecht gebügelten Hemd aussieht.

Wie haben sich die Frischluft-Fans gefreut, als Pierce Brosnan mit einem der ersten Z3s durchs Bild raste. Was der James Bond gut findet, kann ja nicht schlecht sein - so dachten viele und räumten ihr Sparkonto um den wohlgeformten Roadster in München zu ordern.

Ecken und Kanten

Klar, dass BMW mit dem Z4 an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen möchte. Dazu beitragen soll neben allerlei Hightech-Zubehör auch die von Chefdesigner Bangle entworfene Optik des kleinen Cabrios. Für die Bayern markiert die Linienführung des kleinen Cabrios »einen weiteren Eckpunkt der neuen BMW Formensprache« - den Rest der automobilen Welt werden die Ecken und Kanten in zwei Lager spalten. Auf der einen Seite die, die froh darüber sind, dass endlich nicht mehr alle Autos gleich aussehen und auf der die anderen Seite diejenigen, die ihren schicken, weichgespülten Roadster wiederhaben möchten.

Aus Z3 wird Z4

Aber der Reihe nach. Einen Z4 im Rückspiegel zu haben, ist sicherlich keine Unangenehme Aussicht. Dank fast senkrecht stehender BMW-Niere, einem ansehnlichen Frontspoiler und zusammengekniffenen Scheinwerfer-Augen und Blinkern wirkt der offenen Bayer sehr aggressiv und sportlich. Ganz im Sinne seiner Erbauer, die mit dem Z4 die Konkurrenz von Mercedes und Lexus im Visier haben. Von Einstiegs-Roadstern wir dem Fiat Barchetta soll sich der Z4 so weit wie möglich distanzieren. Kein Wunder, schließlich feilt man in München inzwischen an einem eigenen Beitrag zum Thema günstige Roadster.

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Erschreckende Bügelfalte

Lässt man den Blick weiter über das Fahrzeug gleiten, ist bist zu den vorderen Radhäusern alles in bester Ordnung. Dann jedoch, so scheint es zumindest, hat sich Chris Bangle mit dem Bügeleisen an einem unschuldigen Wachsmodell vergriffen. Kurz hinter dem Vorderwagen stecken gerade und geschwungene Falten im Blech, die von der eleganten Linienführung der Frontpartie kaum mehr etwas übrig lassen. So ungefähr muss man sich das vorstellen, wenn ein Junggeselle zum ersten Mal einem Hemd mit dem Bügeleisen zu Leibe rückt...

Und, welch Überraschung, nach der Bügelfalte ist schon wieder Schluss mit Design-Experimenten. Das Heck des Z4 erstrahlt in ähnlich sportlicher Eleganz wie der Vorderwagen. Mal abgesehen von einem etwas groß geratenen Heck-Bürzel auf dem Kofferraumdeckel.

Ansehnlicher Innenraum

Den maximal zwei Z4-Reisenden bietet sich im Inneren kein unangenehmes Bild. Zwar ist auch der Armaturenträger von geraden und geschwungenen Kanten geprägt, wirkt aber längst nicht so zerfurcht und zufällig geformt wie die strittigen Karosserieteile.

Unterm Blech ist sowieso alles in bester Ordnung. Das Kofferraumvolumen von 260 Litern schluckt - wen wundert der Vergleich - zwei Golftaschen. Wesentlich interessanter erscheinen da schon die beiden Sechszylinder-Triebwerke, die dem Z4 Beine machen sollen. Chef im Ring ist dabei die Drei-Liter-Maschine, die den Roadster dank 231 PS auf eine elektronisch abgeregelte Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern schiebt. Etwas verhaltener geht der 2,5 Liter starke Motor ans Werk. Er bringt es lediglich auf 235 km/h.

Platz für Tuner

Für beide Motorvarianten gilt: Es bleibt noch genügen Platz für die hauseigenen M-Tuner, um den Z4 zu einer echten Sportskanone zu machen. Im Serientrimm ist und bleibt der Münchner Roadster ein kleines Spaßauto mit dem Hang zur Sportlichkeit. Fragt sich nur, wie die Bügelfalte bei der verwöhnten Roadster-Kundschaft ankommen wird.

Jochen Knecht

Wissenscommunity