CITROEN C5 Üppiger Gallier


Mit Rußfilter für alle Diesel-Modelle sowie überdurchschnittlich viel Platz und Ausstattung soll der Citroen C5 in der Mittelklasse räubern.

Alle Jahre wieder feiert Citroën Verkaufsrekorde. Und das seit 1997. 1,1 Millionen Fahrzeuge waren es weltweit vergangenes Jahr, Ende 2001 sollen es 1,2 Millionen sein. In Europa steht das Unternehmen zusammen mit dem Konzernbruder Peugeot hinter VW auf Platz zwei.

In Deutschland hingegen führen die Franzosen nur ein Mauerblümchendasein. Voriges Jahr reichte es in der Zu-

lassungshitparade nur für Platz 16. Deshalb verkündet Peugeot/Citroën-Chef Jean-Martin Folz nun »eine neue Strategie für Deutschland, den wichtigsten Markt in Europa«. Mit dem vorläufig größten Citroën in Deutschland - ein C6 kommt demnächst - hat Folz viel vor. 10000 Exemplare will er noch dieses Jahr in Deutschland loswerden, 2002 sollen sich die Verkaufszahlen gar verdoppeln. Hat der neue Franzose hierzulande reelle Chancen im hart umkämpften Markt der Mittelklasse? Der stern testete ihn bei einer Probefahrt.

PRUNK & PROTZ:

gering.

Gemessen am Mut einstiger Citroën-Gestalter für avantgardistisches Design kommt der C5 brav daher. Seine Höhe von knapp eineinhalb Metern - Spitzenwert der Klasse - bietet im Inneren selbst Sitzriesen üppige Kopffreiheit, von außen betrachtet stört sie allerdings ein wenig die Proportionen. Mit seinen fast senkrecht abfallenden Seitenflächen ohne stilistische Schnörkel trifft das Auto konservativen Geschmack. Nur die breite Citroën-Nase schindet zusammen mit den großen Klarsicht-Scheinwerfern etwas Eindruck.

GLEITEN & GENIESSEN:

alle Achtung.

Es war zwar schon immer etwas bequemer, in einem Citroën zu reisen. Aber der C5 setzt in puncto Raumangebot, Sitzkomfort und Bequemlichkeit in seiner Klasse Maßstäbe, an die so schnell kaum ein Konkurrent herankommen dürfte. Seine hydropneumatische Federung, die bei jedem Beladungszustand eine gleich bleibende Bodenfreiheit gewährleistet, vermittelt den Insassen das Gefühl, auf einem schwebenden Teppich zu reisen. Da sie sich dem Fahrstil des Lenkers automatisch anpasst und zudem manuell stufenlos von weich auf hart einzustellen ist, hat der Fahrer nie ein schwammiges Gefühl.

GAS & SPASS:

erfreulich.

Von seiner vergleichsweise hohen Sitzposition behält der Fahrer stets die Übersicht - ähnlich wie in einem Van. Die drehzahlabhängige Servolenkung macht selbst kurvenreiche Landstraßen zum Vergnügen. Und dass er mit dem 2.2 HDi in einem Diesel unterwegs ist, wird dem Mensch am Steuer manchmal erst nach einem Blick in die Fahrzeugpapiere deutlich. Der C5 ist in sechs Motor- und drei Ausstattungsvarianten erhältlich, eine Kombi-Version kommt im Sommer auf den Markt.

DRUM & DRAN:

weitgehend komplett.

Ärgerlich ist jedoch, dass das elektronische Stabilitätsprogramm ESP nur beim Spitzenmodell 3.0 V6 zum Standard gehört, bei den übrigen Varianten ist es noch nicht einmal gegen Aufpreis zu haben. Ansonsten aber ist an Sicherheits- und Komfortausstattung alles da, was man braucht - und mehr: Die Warnblinkanlage etwa geht bei einer Vollbremsung oder einem Aufprall automatisch an. Bläst sich ein Airbag auf, schaltet der Motor ab; und das Fahrlicht schaltet sich in den Versionen SX und Exclusive bei Dunkelheit selbst ein. Lobenswert: Beide Dieselversionen schonen mit einem Partikelfilter die Umwelt.

GELD & WERT:

prima.

Die Preise des C5 liegen zwischen akzeptablen 38334 Mark und 58968 Mark. Gemessen am 140 PS starken 2.0 HPi mit Benzin-Direkteinspritzung für 49500 Mark kostet zum Beispiel ein vergleichbar ausgestatteter Volkswagen Passat rund 10000 Mark mehr. Der von Citroën angegebene Durchschnittsverbrauch liegt je nach Modell zwischen 7,5 und 9,6 Liter Superbenzin beziehungsweise 5,6 und 6,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

FAZIT:

Wenn ihm auch die französische Eleganz fehlt, so bietet der Citroën C5 eine ganze Menge Auto fürs Geld. Was Platz und Komfort angeht, sprengt er sogar den üblichen Standard in der Mittelklasse.

Von Hans-Robert Richarz


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