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Confederate Wraith B120: Hollywood und das Donner-Gespenst

Dem Monster der Konföderierten ist das neueste Statussymbol der Hollywood-Elite. Brad Pitt fährt eine, Tom Cruise ebenfalls, Jet Li dreht schon mal einen Film damit. Was sich anhört wie ein Relikt aus Bürgerkriegszeiten, ist das radikalste Motorrad der Welt: Die Confederate – ein Gespenst!

Das Ding muss man gesehen haben! Confederate, ein winziger, aber nichtsdestoweniger beeindruckender Motorradhersteller aus Alabama, hatte schon vor fünfzehn Jahren mit einem Kraftrad Aufsehen erregt, das den Namen "Hellcat" trug. Das Monster sorgte damals schon für so viele verdrehte Halswirbel, dass man meinen konnte, die Chiropraktiker-Gilde Amerikas habe sich die Höllenkatze zum Wappentier erkoren. Im vergangenen Februar kam dann der neueste Kraftakt der Confederate Motor Company auf den Markt, die "Wraith", das Gespenst, und das ist ein treffender Name für ein Motorrad, das noch mehr Konventionen des Motorradbaus über den Haufen schmeißt als die Vorgängerin.

Der Tank des Gewalt-Krads liegt –ungewöhnlicherweise! - unter dem Motor, was zwar den Schwerpunkt des Motorrads deutlich senkt, aber den Einbau einer Benzinpumpe nötig machte. Da wo bei herkömmlichen Motorrädern der Tank angeordnet ist - nämlich vor dem Fahrer, über den Zylindern - haben die Designer der Wraith einen Öltank aus Kohlefaserstoff (dem offensichtlichen Lieblingsmaterial der Südstaatler) platziert. Die Vorderradgabel erinnert an überdimensionierte Beißer eines Urzeit-Insekts, die weit gebogene Silhouette an einen Sprinter in den Startlöchern. Der gewaltige Zweiliter-Zweizylinder, tragendes Element der Konstruktion, bläst den heißen Atem des Gespensts hautnah am Benzintank vorbei in die schwarzen Auspuffrohre - Space-Age-Schnörkel, die sich schlangenförmig in den Alu-Block unter dem Motor winden. Der Traktor-ähnliche Sitz scheint in der Luft zu schweben. Selbst die kargen Instrumente beeindrucken durch wuchtiges Design. Mit dieser brachialen optischen Übersetzung von Urgewalt kann selbst die urdeutsche Mammut nicht mithalten, eine Harley gönnt sich die "Wraith" als Digestif. "The perfect balance between technology and the primitive", nennt das die Website des Confederate Motor Company ganz unbescheiden.

Aufregender als Paris Hilton im Bikini

So was hat Folgen. Eine Wraith, die mit Karacho über den Rodeo Drive donnert, wird öfter fotografiert als Angelina in Afrika. Unbedarfte Touristen zücken nach einer Schrecksekunde die iPhones. Auf L.A.’s Freeways verursacht eine im "Traffic" dahinzuckelnde Wraith schneller einen Verkehrsstau als Paris Hilton im Bikini. In Jet Li’s neuem Film spielt die Confederate gar eine Hauptrolle – die brutal einher marschierenden Bikes scheinen wie gemacht für die Aufmerksamkeit heischende Hollywood Gemeinde, in der Auffallen um jeden Preis oberste Priorität hat.

Und die Stars reißen sich um den Hobel. Fast fünfzig "Wraiths" hat Confederate laut Chef-Designer Brian Case schon verkauft, dabei ist das Brachialpferd nicht gerade billig. 55.000 Dollar muss man schon bereithalten, um das Bestellformular ausfüllen zu dürfen. Die gespenstische Kundenliste umfasst so ziemlichen jeden Macho-Star, den die amerikanische Unterhaltungsindustrie aufzubieten hat.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Vom Konkurs zum Triumph mit der zweiten Höllenkatze

Confederate Motor Company, der oft gebeutelte und trotzdem ungebrochene Motorradhersteller, kann die Kohle gut gebrauchen. 1991 gegründet, brauchte Confederate gerade mal zehn Jahre, um Konkurs anzumelden. Zwei Jahre lang waren die Monster-Bauer von der Bildfläche verschwunden, dann tauchten sie mit der Hellcat 2, dem Nachfolger der ersten Katze, wieder auf. Eben jenem Bike, das den Mythos der Star-Vehikels begründete, und das Brad Pitt und Tom Cruise dazu bewegte, ein bis zwei Stundenlöhne auf den Tisch Alabamas zu legen. Kaum hatten die Konföderierten jedoch erfolgreich Fahrtluft geschnuppert, kam Hurrikan Kathrina und zerstörte die damalige Produktionsstätte in New Orleans. Nun bauen die unzerstörbaren Konföderierten ihre Birkes in der alten Rebellenhauptstadt Birmingham, Alabama. Wie schön! Diesmal gewinnt der Süden!

Helmut Werb
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