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Der neue Seat Altea: Spanischer Gernegroß

Der neue Seat Altea hat zwar die Proportionen eines Vans, bietet aber nicht den Platz. Dafür ist ein sportlicher Kompaktwagen.

In der Geschichte automobiler Ingenieursleistungen hat der Scheibenwischer meist ein Mauerblümchendasein geführt. Ein ganzes Jahrhundert wischt der Wischer schon so vor sich hin, oft mehr schlecht als recht und von vernehmlichem Rubbeln und unübersehbaren Schlieren begleitet. Im Winter friert er an der Scheibe fest, dann ist die Gummilippe ruiniert. Hand aufs Herz: Viel mehr fällt einem auf Anhieb nicht dazu ein, oder? Na gut, der Regensensor vielleicht, der den Wischer automatisch in Gang setzt.

Gott sei Dank gibt es Ingenieure wie Francisco Navarro. Der hat jetzt ein System entwickelt, das alles bisher Gewesene sozusagen mit einem Streich wegwischt. Navarro hat die Wischer des neuen Seat Altea so konzipiert, dass sie in Ruheposition nicht am unteren Rand der Windschutzscheibe rumliegen, sondern aufrecht seitlich in den Holmen verharren. "Das hat viele Vorteile", sagt Navarro. "Zum Beispiel deutlich geringere Wind-geräusche, also viel geringere Verwirbelungen der Luft und damit eine bessere Aerodynamik. Auáerdem kann sich in längeren Trockenzeiten nicht mehr so viel Staub ablagern." Weil beim Altea jeder der beiden Wischer einen eigenen Motor hat und ein Gestänge zwischen ihnen fehlt, wird die Chose von einer ausgeklügelten Elektronik gesteuert. Das hat während der verregneten Testfahrt in Spanien einwandfrei funktioniert. Was der Seat sonst noch drauf hat, klärt der stern-Fahrbericht.

Glanz & Gloria: hui.

Die direkte Verwandtschaft des Altea mit den Konzernbrüdern VW Golf, Touran und Audi A3 sieht man ihm überhaupt nicht an. Der Seat ist viel schwungvoller gezeichnet, vor allem der lang gezogene Bogen an der Seite fällt auf, der von den Scheinwerfern bis zum hinteren Radlauf reicht. Der Innenraum wirkt sehr sportlich mit einer schön tiefen Sitzposition, und das Cockpit mit seiner flachen Mittelkonsole erinnert eher an einen Ferrari oder Lamborghini als an eine Familienkutsche.

Gas & Spass: gut.

Straff, aber ohne quälende Härte ist das Fahrwerk abgestimmt. Deshalb neigt sich der Altea trotz seiner Höhe wenig in die Kurven, bleibt auf dem angepeilten Kurs, und die direkte Lenkung erleichtert flottes Fahren zusätzlich. Ausreichend motorisiert ist der Spanier ebenfalls, denn die Motorenpalette beginnt erst bei 102 PS.

Kind & Kegel: knapp.

Auch in Spanien hat sich herumgesprochen, dass die Großfamilie ein Auslaufmodell ist. Daher wird der Seat-Van nur als Fünfsitzer angeboten, wobei die Passagiere am besten miteinander auskommen, wenn sie maximal zu viert an Bord gehen, denn der Mittelplatz hinten ist allenfalls ein Plätzchen. Die Variabilität des Innenraums ist für ein Auto der Kategorie Pampers-Bomber dürftig. Eine geteilt klappbare Rücksitzlehne gibt's zwar, herausnehmbare oder verschiebbare hintere Einzelsitze dagegen nicht. Immerhin: Ablagen finden sich ohne Ende, 24 an der Zahl.

Drum & Dran: gut.

Der Basispreis von 16 890 Euro für den Altea mit 102-PS-Benziner geht in Ordnung, denn darin enthalten ist das komplette Sicherheitspaket, das auch bei den anderen Marken des VW-Konzerns zum Standard gehört: sechs Airbags, Antiblockiersystem, Bremsassistent und Schleuderverhinderer ESP. Ein identisch motorisierter, dreitüriger Golf kostet 16 800 Euro, den Touran gibt's zwar als Siebensitzer, er ist aber mit identischer Maschine wesentlich teurer: 20 275 Euro.

Fazit:

Sportlicher Familienwagen, der zwar wie ein Van aussieht, aber in Wahrheit keiner ist.

Frank Warrings / print
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